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Darum erhalten Sie nach der Teilnahme am Gewinnspiel so viel Werbung

So können Sie sich schützen  

Darum erhalten Sie nach der Teilnahme am Gewinnspiel so viel Werbung

19.11.2018, 08:48 Uhr | dpa, jb, t-online.de

Darum erhalten Sie nach der Teilnahme am Gewinnspiel so viel Werbung. Teilnehmer an einem Preisausschreiben füllt den Coupon aus (Quelle: imago/Enters)

Gewinnspiel: Ihre Daten können dem Veranstalter durch die Weitergabe oder -verarbeitung Geld einbringen. Achten Sie daher darauf, an welchen Preisausschreiben Sie teilnehmen. (Symbolbild) (Quelle: Enters/imago)

Klingelt abends das Telefon und am anderen Ende der Leitung will einem ein Call-Center-Mitarbeiter etwas verkaufen, dann ist das vor allem eines: nervig. Das gilt ebenso für unerwünschte Werbung im Briefkasten oder per E-Mail. Wie Sie Werbung nach Gewinnspielteilnahmen verhindern können.

Von den störenden und ärgerlichen Anrufen sowie Werbemitteilungen nach der Teilnahme an einem Gewinnspiel sind viele betroffen: Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktwächters Digitale Welt der Verbraucherzentralen wurde bereits mehr als die Hälfte der Verbraucher in Deutschland (56 Prozent) mindestens einmal unaufgefordert von Unternehmen kontaktiert.

Besonders häufig geht es bei den Werbemaßnahmen um neue Telefonverträge, Energieversorgung oder Glücksspiele. "Die Tendenz ist steigend", sagt Carolin Bongartz von der Bundesnetzagentur.

Hausbesuche vorbeugen

Eine Mitteilung an die Bundesnetzagentur ist eine Option, mit unerwünschter Werbung umzugehen. Noch besser ist es, vorab Anrufe und Hausbesuche zu verhindern und diesen vorzubeugen. Denn Unternehmen dürfen Kunden nicht einfach kontaktieren, erklärt Peter Brammen von der Wettbewerbszentrale. "Ein Verbraucher muss aktiv und bewusst erklären, über welche Kanäle er zu welchem Zweck kontaktiert werden darf." Die Einwilligung darf also nicht im Kleingedruckten versteckt sein.

Doch um diese Erlaubnis zu bekommen, bedienen sich manche Firmen einer eigentlich alten Masche, die aber noch immer gut funktioniert, erzählt Brammen. "Sie nutzen Stellen, an denen der Verbraucher nicht damit rechnet: Gewinnspiele, Veranstaltungen und Zeitungsanzeigen." Häufig würden Gewinnspiele nur zu diesem Zweck durchgeführt.

Werbung nach Gewinnspielen vermeiden

Julia Buchweitz, Expertin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, rät zur Datensparsamkeit. Bei einem Vertrag sei es etwa sinnvoll, nur die Pflichtangaben auszufüllen, die es wirklich für den Abschluss braucht. Freiwillig solle niemand die Telefonnummer angeben. Gegen die Werbeflut nach einer Bestellung empfehlt die Verbraucherzentrale folgenden Satz mit auf das Bestellformular zu schreiben: 

"Ich widerspreche der Verarbeitung mich betreffender personenbezogener Daten zum Zweck von Direktwerbung (Art. 21 Absatz 2 Datenschutz-Grundverordnung)."

Klingelt dennoch das Telefon oder steht jemand an der Haustür, helfen folgende Maßnahmen, um den Verkäufer loszuwerden.

Wie Sie richtig reagieren bei Werbeanrufen und Hausbesuchen

Telefon

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit solchen Anrufern umzugehen: Am einfachsten ist es, direkt aufzulegen. Wer es sich zutraut, sollte beim Anrufer nachfragen, wer anruft, woher das Unternehmen seine Daten hat und dann weitere Kontaktversuche verbieten.

Die Bundesnetzagentur kann bei unerlaubter Telefonwerbung Bußgelder von bis 300.000 Euro verhängen. Verbraucher sollten daher Anrufe melden. "Wir brauchen möglichst konkrete Angaben zum Fall", erklärt Bongartz. "Rufnummer des Anrufers, Datum, Angaben zum beworbenen Produkt sowie zur Person des Werbenden und die möglichst detaillierte Wiedergabe des Gesprächsinhalts helfen uns weiter." Nutzen Sie zum Melden das Online-Formular der Bundesnetzagentur oder schreiben Sie eine E-Mail an rufnummernmissbrauch@bnetza.de.

Wer wiederholt angerufen wird, kann bestimmte Nummern etwa durch seinen Telefonanbieter sperren lassen. Ein Spickzettel neben dem Telefon kann helfen, klare Absagen zu erteilen. "In solchen Fällen muss man nicht höflich sein", betont Buchweitz. Haben Sie doch einen Vertrag am Telefon geschlossen, gilt eine Widerrufsfrist von mindestens 14 Tagen.

Achtung
Bei Werbeanrufen darf die Rufnummer nicht unterdrückt werden. Dies stellt laut Verbraucherzentrale eine zusätzliche Ordnungswidrigkeit dar.

Haustür

"Werbung an der Haustür ist nicht so einfach zu verbieten, denn grundsätzlich darf jeder klingeln", erklärt Brammen. Auch ist es schwierig, eine Person an der Haustür abzuwimmeln. Hier muss man also besonders hart sein. Buchweitz rät, die Kette an der Tür vorzulegen und niemanden in die Wohnung zu lassen. Im Zweifel soll der Vertreter die Unterlagen dalassen. Ein Anruf bei der Kunden-Hotline des Unternehmens kann ebenfalls Klarheit bringen – achten Sie dabei darauf, dass der Anruf für Sie kostenlos ist. Nach Vertragsschluss gilt auch bei einem Haustürgeschäft eine 14-tägige Widerrufsfrist.

E-Mail

Wenn Werbe-Mails nerven, kann man der Nutzung seiner E-Mail-Adresse einfach widersprechen. Landen die Nachrichten dann weiterhin im Postfach, ist dies ein Fall für die Bundesnetzagentur. Gegen Spam-Mails hilft ein wirksamer Spamfilter. Beschwerden können auch an den Verband der Internetwirtschaft (eco) gerichtet werden.

Post

Allgemeine Wurfsendungen, wie Flyer vom Pizzaboten oder Werbebroschüren von Umzugsfirmen lassen sich mit einem Aufkleber am Briefkasten teilweise eindämmen, der Werbung verbietet. Erhalten Sie trotz des Hinweises auf Ihrem Briefkasten weiterhin derartige Werbung, können Sie rechtlich gegen den Werbenden sowie gegen den Postdienstleister vorgehen. Allerdings können hohe Gerichtskosten die Folge sein.

Briefkastenaufkleber
Ein Aufkleber mit dem Schriftzug "Keine Werbung" oder "Werbung unerwünscht" zeigt keine Wirkung. Stattdessen sollten Sie den Satz "KEINE Werbung – keine Handzettel, keine Wurfsendungen, keine kostenlosen Zeitungen und Wochenblätter" verwenden, rät die Verbraucherzentrale.

Einen Werbebrief, der direkt an Sie adressiert ist, verstößt nicht gegen das Gesetz. Wollen Sie diese nicht erhalten, müssen Sie sich direkt an das Unternehmen wenden und der Zusendung von Werbung widersprechen. Wer möchte, kann seine Adresse auch online in die sogenannte Robinsonliste eintragen. Dann streichen Werbeunternehmen, die Mitglied im Deutschen Dialogmarketing Verband sind, Verbraucher aus ihren aktuellen Adressenlisten.

Gewinnspiele dienen der Datengewinnung

Allgemein sollten Sie bei Gewinnspielen stets skeptisch sein. Große Unternehmen verschenken selten kostspielige Preise wie Autos, Häuser oder Reisen ohne im Gegenzug etwas Wertvolles – wie beispielsweise Ihre Daten – zu erhalten. Mit den Preisausschreiben erhalten die Unternehmen nicht nur neue Daten von Bestandskunden, sondern auch von potenziellen Neukunden. 

Müssen Sie für die Teilnahme Geld bezahlen, wird dies als Glücksspiel bezeichnet. Das ist häufig bei Online-Casinos der Fall. Die Bezahlung einer Gebühr schützt jedoch nicht vor unseriösen Anbietern. Hier lohnt ein Blick in die AGB, in die Datenschutzerklärung sowie in das Impressum.  

Seriöse Gewinnspiele erkennen

Wenn Sie dennoch weiterhin an Gewinnspielen teilnehmen möchten, sollten Sie sich vorab die Teilnahmebedingungen sowie die Kontaktdaten (Impressum) und die Datenschutzbestimmungen des Veranstalters genau durchlesen. Sind diese nur schwer oder nicht komplett einsehbar, sollten Sie von der Teilnahme an dem Preisausschreiben absehen.

Ein weiterer Hinweis über die Seriosität kann der Veranstalter des Gewinnspiels geben. Ist dieser nicht eindeutig erkennbar oder versteckt er sich hinter einem Drittanbieter, gilt auch hier: lieber nicht teilnehmen. Meiden Sie darüber hinaus Gewinnspiele von Unternehmen, deren Sitz nicht in Deutschland ist. Diese können teilweise anderen Datenschutzbestimmungen unterliegen.   

Einwilligung der Datenweitergabe für Gewinnspielteilnahme notwendig?

Nach der DSGVO bedarf es einer eindeutigen Einwilligung zur Datenverarbeitung und -weitergabe. Dies gilt auch bei Gewinnspielen. Die Kopplung der Datenverarbeitung mit der Möglichkeit, an dem Gewinnspiel teilnehmen zu können, muss daher klar kommuniziert werden. Zudem muss der Veranstalter mitteilen, wozu er Ihre Daten benötigt.  

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Marktwächter
  • Verbraucherzentralen
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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