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"Bitte Werbung": Prospekte nur noch fĂŒr die, die wollen?

Von dpa
Aktualisiert am 29.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Werbeprospekte: Die Deutsche Umwelthilfe will erreichen, dass diese nur noch bei Menschen landen, die sie haben wollen.
Werbeprospekte: Die Deutsche Umwelthilfe will erreichen, dass diese nur noch bei Menschen landen, die sie haben wollen. (Quelle: Oliver Berg/dpa)
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In manchen MietshĂ€usern steht direkt unter den BriefkĂ€sten ein MĂŒlleimer – fĂŒr Werbeprospekte. Diese sind fĂŒr die Deutsche Umwelthilfe reine Verschwendung. Und schlĂ€gt vor: Wer Werbung will, soll das auch deutlich machen.

"Stopp – Keine Werbung!", "Bitte keine Werbung" oder "Reklame verboten!" – wer keine Prospekte im Briefkasten will, muss das ĂŒber einen Aufkleber deutlich machen. UmweltschĂŒtzern ist das ein Dorn im Auge.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will das Prinzip am Briefkasten deshalb umkehren: Werbeprospekte sollen nur noch bei Menschen landen, die sie auch wirklich haben wollen. Auf dem Aufkleber mĂŒsste dann stehen: "Bitte Werbung".

"Wer Werbung will, muss nur einen Aufkleber anbringen"

So eine Opt-in-Lösung sei gut fĂŒr alle, sagte Barbara Metz, die Vize-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin der DUH, der Deutschen Presse-Agentur. "Wer weiterhin Werbung will, muss nur einen Aufkleber anbringen und bekommt sie. Der sinnlose umweltschĂ€dliche Großteil aber wird eingespart." Nicht adressierte Werbung sorge in Deutschland fĂŒr "riesige Abfallberge, vermĂŒllte Hausflure sowie eine immense Ressourcenverschwendung und Klimabelastung". Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) mĂŒsse jetzt handeln. Mit einer Petition will der Verein Druck auf die Bundesregierung machen.

Im Justizministerium gibt es bisher keine solchen PlĂ€ne, wie eine Sprecherin sagte. Wenn Verbraucher ausdrĂŒcklich ihr EinverstĂ€ndnis Ă€ußern mĂŒssten, wĂŒrde das "voraussichtlich nur eine geringe Zahl" von ihnen tun. Das hĂ€tte zwar den Vorteil, dass AbfĂ€lle vermieden werden könnten – andererseits wĂŒrde es "die unternehmerische Freiheit beschrĂ€nken", erklĂ€rte sie. Vor allem fĂŒr Unternehmen aus der Umgebung sei diese Art der Werbung wichtig. "Hinzu kommt das hohe Gut der Pressefreiheit, wenn lokale AnzeigenblĂ€tter auch einen redaktionellen Teil enthalten." Verbraucher, die keine Werbung wĂŒnschen, könnten das "ohne grĂ¶ĂŸeren Aufwand" kundtun.

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"Keine Werbung"-Aufkleber werden nicht beachtet

Allerdings werden auch die "Keine Werbung"-Aufkleber nicht immer beachtet. Die Verbraucherzentralen sammeln VerstĂ¶ĂŸe und werden tĂ€tig, wenn sich ein Muster abzeichnet. Sie weisen aber auch darauf hin, dass kostenlose AnzeigenblĂ€tter, die auch einen redaktionellen Teil enthalten, trotz des Aufklebers eingeworfen werden dĂŒrfen.

Das Umweltbundesamt (UBA) rechnet vor, dass auf rund 41,3 Millionen Haushalte in Deutschland pro Woche 500 bis 700 Gramm unverlangte Werbung und kostenlose Zeitungen kĂ€men, was wiederum aufs Jahr hochgerechnet 1,1 bis 1,5 Millionen Tonnen Papier seien - wovon man aber die Haushalte mit "Bitte keine Werbung"-Aufkleber abziehen mĂŒsse, und deren Zahl sei unbekannt, heißt es bei der Behörde.

"Papier soll wegen der Umweltbelastungen bei Herstellung und Vertrieb grundsĂ€tzlich möglichst sparsam verwendet werden", sagte UBA-Expertin Almut Reichart. Kostenlose Zeitungen bestĂŒnden in den meisten FĂ€llen aus 100 Prozent Altpapier, aber auch beim Papierrecycling entstĂŒnden Belastungen fĂŒr die Umwelt. Auch sie verwies allerdings darauf, dass AnzeigenblĂ€tter oft auch andere Informationen enthalten. "Die Abgrenzung zwischen unerwĂŒnschter Werbung und erwĂŒnschter Kunden- und BĂŒrgerinformation und dem damit zusammenhĂ€ngenden Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung, ist aus unserer Sicht schwierig."

Briefkastenwerbung sei unverzichtbar

Die Umwelthilfe hat dazu eine Umfrage beim Institut Kantar in Auftrag gegeben, die Daten stammen vom Mai. Demnach schÀtzen 78 Prozent der Menschen ab 14 Jahre in Deutschland die Umweltbelastungen von gedruckten Postwurfsendungen und Werbeprospekten als "sehr hoch" oder "eher hoch" ein, 61 Prozent finden, dass ungefragt in den Briefkasten eingeworfene Werbeprospekte verboten werden sollten. Andererseits bereiten sich 69 Prozent demnach zumindest gelegentlich aufs Einkaufen vor, und davon nutzen 60 Prozent Postwurfsendungen.

Dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft zufolge klebt auf nur rund 27 Prozent der BriefkĂ€sten ein "Keine Werbung"-Hinweis. Briefkastenwerbung sei fĂŒr die lokale Wirtschaft, aber auch etwa fĂŒr Sport- oder Kulturvereine unverzichtbar. "Sie ist fĂŒr den lokalen Markt der wichtigste Kanal fĂŒr den Kontakt zu Bestands- wie Neukunden", teilte der Verband mit.

Umweltbelastung geringer als oft angenommen

EinschrÀnkungen wÀren eine "substanzielle Benachteiligung" im Wettbewerb mit dem Onlinehandel. Zudem sei die Umweltbelastung geringer als oft angenommen, etwa weil Altpapier genutzt werde. Nicht zuletzt bedeute eine Umstellung auf ein Zustimmungsmodell eine "nicht zu rechtfertigende Bevormundung weiter Teile der Bevölkerung."

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Ganz anders sieht das wiederum ein Verein, der sich ausdrĂŒcklich den Kampf gegen die nicht bestellte Werbung auf die Fahnen geschrieben hat: "Letzte Werbung" heißt er, Vorstand Sebastian Sielmann hat die nun gestartete Petition der DUH mitinitiiert. "Im Internet muss fĂŒr die Zusendung von Werbung ein EinverstĂ€ndnis gegeben werden", sagte er – bei gedruckter Werbung sei das anders. "Das ist nicht nachvollziehbar."

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