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Brotbacken ist der neue Corona-Trend

Von dpa
Aktualisiert am 25.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Brotbacken: Im Lockdown ist es f├╝r viele ein neues Hobby geworden.
Brotbacken: Im Lockdown ist es f├╝r viele ein neues Hobby geworden. (Quelle: Annette Riedl/dpa)
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Zu Beginn der Pandemie horteten Kunden in den Superm├Ąrkten pl├Âtzlich Mehl und Hefe ÔÇô anscheinend nicht umsonst: Viele Menschen haben das Brotbacken als Hobby f├╝r sich entdeckt. Warum das sogar die B├Ącker freut.

In heimischen K├╝chen wird derzeit so viel Teig geknetet, gefaltet und gedehnt wie lange nicht mehr. Sauerteig wird angesetzt, gef├╝ttert und sogar ├╝ber Internet-B├Ârsen verteilt. Viele Menschen haben in der Corona-Zeit das Brotbacken f├╝r sich entdeckt.


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Eine Leidenschaft, die Zeit braucht, die dank Homeoffice oder Kurzarbeit momentan vorhanden ist. Und viele lernen durch das Hobby auch die Arbeit der B├Ącker noch mehr zu sch├Ątzen.

"Heftiges Interesse" am Brotbacken

├ťber Langeweile kann sich Sonja Scherfer eigentlich nicht beklagen: Ihre ├Ąlteste Tochter geht in die erste Klasse und w├Ąhrend des Homeschoolings m├╝ssen auch die zwei kleineren Geschwister betreut und die eigene Arbeit erledigt werden. Wenn die Kinder abends im Bett sind, nimmt die Berlinerin sich dennoch Zeit f├╝rs Brot: "Ich habe keine Knetmaschine und mache alles mit der Hand. Das ist einfach entspannend und ein guter Ausgleich zur Kopfarbeit f├╝r mich", erz├Ąhlt die Lehrerin. "Und es ist sch├Ân, eigenes Brot zu haben", so Scherfer, die im Dezember zuf├Ąllig im Internet auf ein Rezept stie├č und mit dem Backen begann.

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Ob Dinkel, Weizen oder Roggen, mit K├Ârnern oder ohne, aus dem Topf oder vom Blech ÔÇô an Rezepten und Varianten mangelt es im Netz nicht. Einen regen Austausch und immer wieder neue Fotos von knusprigen Kreationen gibt es zum Beispiel in der Facebook-Gruppe "Selber Brot & Br├Âtchen backen". "Unsere Gruppe w├Ąchst im Moment rasant. Pro Woche kommen einige Tausend neue Mitglieder hinzu", sagt Ilona Karau, die die 2014 gegr├╝ndete Gruppe mit betreut.

Von einem "heftigen Interesse" am Brotbacken berichtet auch Buchautor und Blogger Lutz Gei├čler. "Mit dem Infektionsanstieg und dem ersten Lockdown gingen auch die Nutzerzahlen meines Blogs hoch. Die Zahlen haben sich etwa verdreifacht auf etwa 350.000 Besucher im Monat", so Gei├čler. Der studierte Geologe aus Sachsen betreibt den "Ploetzblog" inklusive Tipps zum Brotbacken in Krisenzeiten und veranstaltet Kurse, seit Corona online. Der Autodidakt zeigt etwa, wie man mit nur einem halben Gramm Hefe Brote backen kann ÔÇô was vor allem in der ersten Pandemiewelle, als Hefe ein knappes Gut war, hilfreich war.

Warum ist Brotbacken der neue Trend?

Doch woran liegt es, dass die Menschen ausgerechnet Brot backen? Warum nicht Kuchen? "Brot steht f├╝r das ├ťberleben. Und wenn ich es selbst backe, kann ich noch besser ├╝berleben", sagt der Ern├Ąhrungspsychologe Christoph Klotter. Auch die Geschichte spiele eine Rolle: "Brot ist das Lebensmittel der Deutschen. Vor 200 Jahren wurden den ganzen Tag Brot, Brei und Kartoffeln gegessen".

Brot sei zudem ein wichtiger Teil unserer kulturellen Identit├Ąt. "Goethes Werther verliebt sich in Lotte ausgerechnet, als sie Brot schneidet und es an Kinder verteilt", so der Fuldaer Professor. Nicht zuletzt sieht er im jetzigen Brotbacktrend auch einen Ersatz f├╝r die fehlenden Kontakte: "Damit kann man auch soziale Defizite kompensieren".

Verk├Ąufer von Backzubeh├Âr und B├Ącker freuen sich ├╝ber die Entwicklung. "Wir hatten eine Umsatzsteigerung von 300 Prozent", berichtet etwa Birgit Freitag aus Reutlingen, Vertriebspartnerin von Pampered-Chef-Produkten, darunter auch Brotbackformen. Zwischenzeitlich habe es wegen Engp├Ąssen sogar bei verschiedenen Produkten einen Verkaufsstopp gegeben.

Vom Brot-Boom profitiert auch das Berliner Unternehmen BakeNight, das seine Workshops mit B├Ąckern bundesweit wegen Corona ebenfalls ins Netz verlegt hat. Seit Januar h├Ątten bereits etwa 1.200 Teilnehmer Kurse zum Brotbacken belegt, sagt Sprecher Miles Zornig. Kurse wie "Sauerteigbrot", "Topfbrot", "Br├Âtchen" oder "Baguette" geh├Ârten derzeit zu den beliebtesten.

Deshalb freuen sich sogar B├Ącker ├╝ber den Trend

Durch das Brotbacken werde vielen Menschen bewusst, dass es sehr zeitaufw├Ąndig und nicht immer einfach sei, sagt Daniel Schneider, Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer des Zentralverbands des Deutschen B├Ąckerhandwerks. "├ťber diese Erfahrung ergibt sich auch eine bewusste Einstellung gegen├╝ber qualitativ hochwertigem Brot und erstklassigen Backwaren der Innungsb├Ącker", so Schneider. Sein Verband begr├╝├če den Trend zum Selberbacken deshalb.

B├Ącker k├Ąmpfen seit Jahren gegen die Konkurrenz durch Superm├Ąrkte und Discounter mit ihren vergleichsweise g├╝nstigen Backwaren. Die Zahl der B├Ąckereien geht seit Langem zur├╝ck. Im Mai 2020 gab es beispielsweise rund 10.500 B├Ącker, die in der Handwerksrolle eingetragen waren, 2008 waren es noch gut 15.000.

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Lutz Gei├čler geh├Ârt zu denen, die dem Trend etwas entgegensetzen wollen. Mit seiner Partnerin will der 37-j├Ąhrige in Hamburg eine eigene B├Ąckerei er├Âffnen. Die Erfolgsaussichten d├╝rften gut stehen, denn handwerklich hergestelltes Brot ist gefragt. Vor L├Ąden wie denen der Kette "Zeit f├╝r Brot", vertreten in Berlin, Frankfurt und Hamburg, stehen die Kunden mitunter Schlange. Diese Erfahrung macht auch der Hamburger B├Ącker S├Âren Korte. Vor seiner Brotmanufaktur hei├čt es ebenfalls: Warten. Korte, der sein Gesch├Ąft mitten in der Pandemie er├Âffnete, freut's: "Zum Gl├╝ck stehen die Leute bei mir Schlange."

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