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So k├Ânnen M├╝tter Stillen und Arbeiten vereinbaren

t-online, Nicola Wilbrand-Donzelli

Aktualisiert am 22.01.2018Lesedauer: 4 Min.
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, M├╝ttern das Stillen oder das Milchabpumpen zu erm├Âglichen.
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, M├╝ttern das Stillen oder das Milchabpumpen zu erm├Âglichen. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Vollzeit arbeiten und dennoch regelm├Ą├čig stillen? Das erscheint vielen M├╝ttern wie die Quadratur des Kreises. Doch berufst├Ątig zu sein und seinem Baby die Brust zu geben, muss sich nicht ausschlie├čen. Der Gesetzgeber hat daf├╝r sogar eine rechtliche Grundlage geschaffen.

Das Recht auf Stillen w├Ąhrend der Arbeit ist im Paragraf 7 des Mutterschutzgesetzes geregelt. Demnach hat eine "stillende Frau auf ihr Verlangen w├Ąhrend der ersten zw├Âlf Monate nach der Entbindung f├╝r die zum Stillen erforderliche Zeit freizustellen, mindestens aber zweimal t├Ąglich f├╝r eine halbe Stunde oder einmal t├Ąglich f├╝r eine Stunde".

Wenn eine Mutter mehr als acht Stunden am St├╝ck arbeitet, kann sie sogar zwei Mal f├╝r die Mahlzeiten des Babys eine Arbeitsunterbrechung von 45 Minuten einfordern oder die Stillpause 90 Minuten am St├╝ck nehmen.

Alternativ darf die Mutter in diesen Zeitfenstern auch Milch abpumpen, wenn das Kind nicht bei ihr sein kann. Finanzielle Einbu├čen soll es durch den Arbeitsausfall nicht geben. Auch die anderen gesetzlichen Pausen d├╝rfen nicht mit den Trinkzeiten des Babys verrechnet werden.

Organisation ist alles

Soweit der theoretische Rahmen. Die praktische Umsetzung ist jedoch kein Kinderspiel. Da braucht man vor allem Organisationstalent, so die Erfahrung von Marlene. Die 32-J├Ąhrige arbeitet in einer kleinen Marketingagentur und ist alleinerziehend. "Ich musste so schnell wie m├Âglich wieder Geld verdienen und bin schon drei Monate nach der Geburt meiner Tochter wieder ins B├╝ro gegangen, wollte aber trotzdem unbedingt weiter stillen", sagt sie. "Dieser Spagat klappte allerdings nur mit Hilfe meiner Mutter. Sie hat mir meine Kleine regelm├Ą├čig gebracht. Zum Gl├╝ck wohnen wir nicht weit weg. Manchmal ist meine Tochter aber auch noch da geblieben, schlief neben meinem Schreibtisch im Kinderwagen. Das war f├╝r alle okay, auch f├╝r meinen Chef."

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Stillen im Job gelingt am besten mit Unterst├╝tzung Dritter. "Da ist schon einige Logistik und einiger Aufwand n├Âtig. Doch wir ermutigen M├╝tter immer, bei der R├╝ckkehr in den Beruf trotzdem unbedingt weiter zu stillen", erkl├Ąrt Aleyd von Gartzen, die beim Deutschen Hebammenverband den Bereich Stillen und Ern├Ąhrung betreut.

"Abstillen w├Ąre f├╝r das Kind in dieser Situation eine doppelte Belastung. Dann w├Ąre pl├Âtzlich nicht nur Mama jeden Tag weg, sondern auch die Brust, die ja nicht nur Nahrungsquelle ist, sondern zugleich gr├Â├čte k├Ârperliche N├Ąhe bedeutet."

Stillen und Arbeiten: Brosch├╝re des Hebammenverbands enth├Ąlt Tipps

Um Arbeit und Babys Ern├Ąhrung erfolgreich unter einen Hut zu bekommen, sollten M├╝tter gut vorbereitet sein. Da hilft es, R├╝cksprache mit der Hebamme des Vertrauens zu halten. Viele wertvolle Tipps enth├Ąlt die Brosch├╝re "Stillen und Beruf", die der Hebammenverband herausgegeben hat.

Darin wird unter anderem empfohlen, bereits in der Schwangerschaft mit dem Arbeitgeber ├╝ber die Still-W├╝nsche zu sprechen und sich dar├╝ber zu informieren, ob in der Firma ein vom Gesetz vorgeschriebener abgeschlossener und hygienisch einwandfreier Raum vorhanden ist. Dort sollten M├╝tter in stillfreundlicher Atmosph├Ąre ihr Baby f├╝ttern oder Milch abpumpen k├Ânnen.

Familie und Freunde m├╝ssen mithelfen

Zudem ist es wichtig, sich rechtzeitig um Unterst├╝tzung zu k├╝mmern. Ohne Hilfe von Familienmitgliedern, Freunden oder einer Tagesmutter geht es in den meisten F├Ąllen nicht: Jemand muss das Baby zu den Trinkzeiten zu Mama bringen, oder umgekehrt dem Baby die Muttermilch-Fl├Ąschchen anliefern.

Alternativ k├Ânnen Frauen abgepumpte Milch in einem K├╝hlschrank lagern, mit nach Hause nehmen und einfrieren. Das Baby bekommt dann von der Tagesmutter seine Milch aus dem Tiefk├╝hlvorrat jeweils im Fl├Ąschchen aufgew├Ąrmt.

Eine andere M├Âglichkeit ist, dass das Baby zeitweise am Arbeitsplatz bleibt. Das geht am besten bei B├╝rot├Ątigkeiten und setzt voraus, dass die Kleinen noch nicht allzu mobil sind, noch viel schlafen und nicht die gesamte Belegschaft aufmischen. Wenn Wohnung und Arbeitsstelle nah beieinander liegen, kann das Stillen auch in die eigenen vier W├Ąnde verlegt werden ÔÇô nach Absprache mit den Vorgesetzten.

Babys Trainingsprogramm: Muttermilch aus dem Fl├Ąschchen trinken

Wichtig ist, dass das Baby fr├╝h daran gew├Âhnt wird, die Muttermilch auch aus dem Fl├Ąschchen zu akzeptieren. Das sollten Eltern mit ihrem S├Ąugling fr├╝h genug ├╝ben, bevor der erste Arbeitstag wieder ansteht.

Um nach der Babypause das Besch├Ąftigungsverh├Ąltnis wieder aufzunehmen, eignet sich als Termin eher nicht der Wochenanfang. "Starten Sie in der Wochenmitte", hei├čt es in der Brosch├╝re. "Mittwochs liegt weniger Stress in der Luft als montags." Weiter wird M├╝ttern geraten, im B├╝ro stets auf stillfreundliche Kleidung zu achten und auch entsprechenden Ersatz mitzubringen, falls Blusen oder Pullis durch Milch fleckig werden.

Expertin: M├╝tter stillen zu fr├╝h ab

Wie viele Frauen in Deutschland ihr Recht auf Stillzeit am Arbeitsplatz wahrnehmen, l├Ąsst sich nur schwer bemessen. Hebamme von Gartzen sch├Ątzt, dass es eine ├╝berschaubare Anzahl ist. "Mein Eindruck ist, dass die Option 'Stillen am Arbeitsplatz' eher f├╝r freiberufliche Frauen relevant ist. Sie beenden n├Ąmlich h├Ąufiger bereits nach wenigen Monaten ihre Elternzeit."

Ein Gro├čteil der fest angestellten M├╝tter kehrt erst nach einem Jahr an den Arbeitsplatz zur├╝ck. "Dann stillen die meisten ohnehin nicht mehr, da es in Deutschland bedauerlicherweise zur Stillkultur geh├Ârt, die Kinder bereits nach sechs Monaten von der Brust zu entw├Âhnen", sagt von Gartzen.

Dabei sei Muttermilch erwiesenerma├čen die ges├╝ndeste Ern├Ąhrung f├╝r Babys und Kleinkinder. Aus diesem Grund empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Kinder auch nach der Einf├╝hrung fester Nahrung m├Âglichst weiter zu stillen, bis zum Alter von zwei Jahren beziehungsweise so lange, wie Mutter und Kind dies w├╝nschen.

Vorzeigeunternehmen: Berliner Verkehrsbetriebe

Als gro├čer Arbeitgeber mit rund 13.000 Mitarbeitern bem├╝hen sich besonders vorbildlich die Berliner Verkehrsbetriebe um Business-M├╝tter. Stillen am Arbeitsplatz ist hier ausdr├╝cklich erw├╝nscht.

So wurden ein spezielles Eltern-Kind-B├╝ro sowie Ruher├Ąume eingerichtet, wohin sich Mitarbeiterinnen mit ihren S├Ąuglingen zu den Trinkzeiten zur├╝ckziehen k├Ânnen. Zudem bietet das Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle genauso wie einen verl├Ąngerten Mutterschutz an.

Vorteile f├╝r alle: Gesunde Babys, motivierte M├╝tter und zufriedene Arbeitgeber

Profitieren k├Ânnen von diesem Engagement nicht nur junge M├╝tter und ihre Kinder. Auch der Arbeitgeber hat Vorteile. So m├╝ssen Frauen, deren Babys Muttermilch bekommen, seltener zuhause bleiben, weil ihr Kind krank ist. Das bedeutet weniger Fehltage, weniger Arztbesuche und weniger Krankenhausaufenthalte.

Angestellte, die nicht stillen, haben doppelt so viele Fehltage wie diejenigen, die stillen, hei├čt es in der Brosch├╝re des Hebammenverbandes.

Au├čerdem ergaben andere Untersuchungen, dass 83 bis 94 Prozent der Angestellten in stillfreundlichen Betrieben fr├╝her an den Arbeitsplatz zur├╝ckkehren. Auch die Arbeitszufriedenheit und Loyalit├Ąt gegen├╝ber dem Arbeitgeber ist gr├Â├čer, wenn Stillen am Arbeitsplatz unterst├╝tzt wird.

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