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Spanien: Falsches Medikament verwandelt Babys in "Werwölfe"

Problem in Spanien  

Falsches Medikament verwandelt Babys in "Werwölfe"

28.08.2019, 14:58 Uhr | dpa

Spanien: Falsches Medikament verwandelt Babys in "Werwölfe". Ein Baby schläft: In Spanien haben zahlreiche Babys ungewöhnlich starken Haarwuchs. (Quelle: imago images/Symbolbild, PhotoAlto)

Ein Baby schläft: In Spanien haben zahlreiche Babys ungewöhnlich starken Haarwuchs. (Quelle: Symbolbild, PhotoAlto/imago images)

Eine Pharmafirma kennzeichnet ein Haarwuchsmittel falsch. Eltern verabreichen das Mittel ihren Babys zur Linderung von Magenbeschwerden. Die Folgen sind beängstigend.

Die Verabreichung eines falschen Medikaments hat in Spanien bei zahlreichen Babys zu ungewöhnlich starkem Haarwuchs im Gesicht, am Rücken und an anderen Körperstellen geführt. Mindestens 17 Kinder seien vom sogenannten "Werwolf-Syndrom" (Hypertrichose) betroffen, berichteten die Zeitung "El País" und andere Medien unter Berufung auf die zuständigen Behörden und betroffene Eltern.

"Er hatte die Augenbrauen eines Erwachsenen"

"Mein Sohn bekam überall viele Haare, an der Stirn, an den Backen, an Armen und Beinen, an den Händen ... Er hatte die Augenbrauen eines Erwachsenen. Das hat uns viel Angst gemacht, weil man ja nicht wusste, was los war", wurde Ángela Selles aus Granada von "El País" zitiert. Ihr Sohn Uriel sei nur sechs Monate alt gewesen, als der ungewöhnlich starke Haarwuchs anfing, hieß es.

Was war passiert? Das Unternehmen Farma-Química Sur habe aufgrund eines internen Fehlers einige Posten des Blutdruckmedikaments Minoxidil, das auch gegen Haarausfall verschrieben wird, als Magen-Darm-Wirkstoff Omeprazol gekennzeichnet und auf den Markt gebracht, erklärten die spanischen Gesundheitsbehörden.

Nachdem der erste Fall im April bekannt geworden war, nahm sich die Arzneimittelbehörde AEMPS der Sache an. Sie entdeckte die Ursache und ordnete Anfang August an, dass alle falsch gekennzeichneten Medikamente vom Markt genommen werden sollen. Die Fabrik von Farma-Química Sur in Málaga wurde zudem wegen "schwerer Nichteinhaltung der Kontrollregeln" für unbestimmte Zeit geschlossen.

17 bisher bekannte Fälle

Die 17 bisher bekannten Fälle wurden in den Regionen Kantabrien, Andalusien und Valencia registriert. Es kann allerdings mehr Betroffene geben, denn ungeachtet der seit Monaten laufenden Untersuchungen der Gesundheitsbehörden wurde erst am Dienstag in Granada ein weiterer Fall bekannt. Die Staatsanwaltschaft in Kantabrien nahm bereits Ermittlungen auf.

Unter Berufung auf Experten schrieb "El País": "Es gibt in der wissenschaftlichen Literatur keine Fälle von so kleinen Kindern, die solche Mengen Minoxidil eingenommen haben."

Betroffene Eltern erklärten gegenüber "El País", nach Absetzung des falschen Medikaments gehe der Haarwuchs langsam zurück. "Die Haare fallen aber sehr langsam aus, der Arzt meinte, es könne Monate dauern, bis es wieder normal ist", sagte eine Mutter, die ihrem Baby monatelang unwissentlich das falsche Medikament gegen Sodbrennen gegeben hatte.

Dauerhafte Schäden nicht zu befürchten

Auch wenn bei Minoxidil verschiedene Nebenwirkungen auftreten können, müssen sich die Eltern nach Angaben von Behörden und Ärzten im Prinzip keine großen Sorgen wegen dauerhafter Schäden machen.


Die von Hypertrichose betroffenen Personen werden im Volksmund auch "Wolfsmenschen" genannt. Die Überbehaarung kann durch seltene Gendefekte entstehen, aber auch von Medikamenten wie Minoxidil ausgelöst werden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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