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Nach Tod von Queen Elizabeth II.: Wie wird ein Leichnam eigentlich konserviert?


So wird die Queen vor der Verwesung bewahrt

  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld

Aktualisiert am 18.09.2022Lesedauer: 5 Min.
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Sarg von Königin Elizabeth II.: Er wird vier Tage lang im Palace of Westminster aufgebahrt. Die britische Königin Elizabeth II. starb im Alter von 96 Jahren.
Sarg von Königin Elizabeth II.: Er wird vier Tage lang im Palace of Westminster aufgebahrt. Die britische Königin starb im Alter von 96 Jahren. (Quelle: Christian Charisius/dpa/dpa-bilder)
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Am Montag wird die Queen beigesetzt, eineinhalb Wochen nach ihrem Tod. Ein Experte erklärt das Verfahren, mit dem ein Leichnam konserviert wird.

Noch hat Queen Elizabeth II. ihre letzte Ruhe nicht gefunden. Ihr Sarg reiste quer durch Großbritannien: Nach dem Tod der Monarchin am 8. September wurde ihr Leichnam von Schloss Balmoral nach Edinburgh überführt, später nach London gebracht.

Dort können die Anhänger der Queen, die derzeit in der Westminster Hall des Parlaments aufgebahrt ist, ihr noch bis Montagfrüh Respekt zollen. Später am Montag wird ihr Sarg dann beigesetzt. Wie aber gelingt es, ihren Leichnam über all die Tage hinweg zu erhalten?

Das hat t-online den Thanatopraktiker Fabian Lenzen aus Berlin gefragt. Er erklärt, mit welchem Verfahren eine solche Konservierung möglich ist, was dabei im Körper des oder der Toten passiert – und dass eine Einbalsamierung nichts (mehr) mit Balsam zu tun hat.

t-online: Wie gelingt es, einen Leichnam tagelang zu konservieren?

Fabian Lenzen: Durch eine Einbalsamierung. In Deutschland nennt man das thanatologische Behandlung. Im Wesentlichen wird dabei das Blut gegen ein Konservierungsmittel ausgetauscht. Dieses gelangt dann über die Blutbahn in alle Körperregionen.

Wurde die Queen denn einbalsamiert?

Ja, davon gehe ich aus. Es ist sehr naheliegend, da der Leichnam elf Tage lang bei Umgebungstemperaturen, die im Wesentlichen Zimmertemperatur entsprechen, aufgebahrt werden muss. Zumal das Einbalsamieren in Großbritannien deutlich verbreiteter ist als in Deutschland. Hierzulande haben wir das fast nur bei Auslandsüberführungen. Ansonsten werden hier Verstorbene in der Regel gekühlt, was die Zersetzung auch etwas aufhält.

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Welches Mittel setzen Thanatopraktiker ein?

Meistens nutzen wir ein formaldehydhaltiges Konservierungsmittel. Je nachdem, wie hoch man es konzentriert – wir reden hier von Unterschieden von wenigen Prozent –, ist dann die Dauer der konservierenden Wirkung.

Wird das Mittel über die Arterien in den Leichnam geleitet?

Ja, in der Regel sogar nur über eine: über die Arteria carotis communis dextra, also die rechte Halsschlagader. Man muss sich das ein wenig wie bei einem Zugang bei einem Lebenden im Krankenhaus vorstellen. Man nimmt dieses Gefäß, weil es relativ nah am Herzen ist und so das Konservierungsmittel über das Herz über die gesamte Blutbahn verteilt werden kann.

(Quelle: Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.)

Zur Person

Dr. Fabian Lenzen, 45 Jahre alt, ist Bestattungsunternehmer in Berlin und geprüfter Thanatopraktiker. Er ist zudem als Dozent zu diesem Thema im Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt tätig.

Und das Blut bleibt im Körper?

Nein, es wird abgeleitet. Andernfalls würde ein Überdruck entstehen, was zu Schwellungen führt.

Wird als Erstes das Blut abgeleitet oder wie gehen Sie vor?

Das passiert gleichzeitig. Man öffnet neben der Halsschlagader noch eine Vene, über die man das Blut rausdrainiert. In diesem ganzen geschlossenen System entsteht eine Art Überdruck und das Blut läuft quasi automatisch über dieses Gefäß ab.

Was bewirkt das eingesetzte Mittel im Körper?

Es findet dadurch ein chemischer Prozess statt: Das Formaldehyd verkettet die Eiweißstrukturen miteinander. Durch diese Vernetzung lösen sie sich im Zuge des Autolyseprozesses (Selbstauflösung abgestorbener Körperzellen durch im Körper vorhandene Enzyme, Anm. der Redaktion) nicht, sondern bleiben erhalten, werden konserviert.

Stecken in dem Mittel noch weitere Stoffe?

Ja. Dem Bestatter oder Thanatopraktiker geht es darum, einen ansprechenden Eindruck der verstorbenen Person zu erhalten. Deswegen sind neben dem Formaldehyd zum Beispiel noch rückfeuchtende Stoffe enthalten, die die Haut geschmeidig halten, Farbstoffe, die für einen etwas lebhafteren Teint des Verstorbenen sorgen, sowie Desinfektionsmittel.

Mit dem Auftragen von Balsam hat das Einbalsamieren also gar nichts zu tun.

Da haben Sie recht, mit Balsam hat es nichts zu tun. Das Wort Einbalsamierung, die deutsche Form von Embalming, stammt noch aus der Antike. Wir kennen es insbesondere von den Ägyptern. Sie haben die Verstorbenen tatsächlich äußerlich, aber auch innerlich, mit Balsam eingerieben. Daher kommt der Begriff. Damit hat die Thanatopraxie, wie wir es heute auch nennen, aber nichts mehr zu tun.

Wobei dieser Begriff auch nicht so viel Auskunft über den Vorgang gibt ...

Das stimmt. Er leitet sich von Thanatos ab. Der Thanatos ist in der griechischen Mythologie der Wegbegleiter in die Jenseitswelt.

Wie lange dauert es, einen Leichnam zu balsamieren, also thanatologisch zu behandeln?

Das wird immer auch von der Konstitution des Verstorbenen bedingt, aber zwei bis drei Stunden sind realistisch.


Queen Elizabeth II.: Menschen nehmen Abschied von der britischen Königin

Menschen versammeln sich vor dem Buckingham Palace, um der verstorbenen Queen ihren Respekt zu zollen.
Ein Regenbogen erscheint am Buckingham Palace, wo viele sich von Königin Elizabeth verabschieden.
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Und wie lange hält die Konservierung?

Das hängt zunächst einmal von der Konzentration des Formaldehyds ab. Aber man kann nicht pauschal sagen: Wenn ich diese Konzentration nehme, habe ich dieses Ergebnis. Das hängt ebenfalls von der Konstitution des Verstorbenen ab. Hat der zum Beispiel viel Wasser eingelagert? Ist er fettleibig? Hat er Medikamente genommen, die mit dem Konservierungsmittel zusammenwirken?

Ist auch eine andauernde Konservierung möglich?

Ja, mit einer sehr hohen Konzentration Formaldehyd kann man Dauerpräparate herstellen. Das machen etwa medizinische Institute. Aber als Bestatter wollen wir den Verstorbenen in der Regel nur über einige Tage oder wenige Wochen konservieren. Die Wirkung hört zudem nicht von jetzt auf gleich auf. Sie wird davon beeinflusst, welchen äußerlichen Einflüssen der Verstorbene nach der Konservierung ausgesetzt ist. Ob er weiterhin gekühlt wird, ob er bei Zimmertemperatur oder einer besonders hohen Temperatur aufgebahrt wird.

Wie wird ein Leichnam für eine solche Aufbahrung wie bei der Queen noch vorbereitet?

Es gehört nicht unbedingt zur thanatopraktischen Behandlung mit dazu, aber natürlich geht damit ebenso die normale Versorgung eines Verstorbenen einher. Er wird gewaschen, frisiert, gegebenenfalls rasiert. Es werden Körperöffnungen geschlossen, er wird angekleidet, eingecremt, damit die Haut nicht austrocknet; und Damen werden geschminkt, wenn das der Wunsch ist.

Wann würde der Verwesungsprozess ohne Balsamierung einsetzen?

Nach 24 bis 48 Stunden bei Zimmertemperatur und durchschnittlichen Rahmenbedingungen. Aber das hängt auch wieder stark von der Konstitution des Verstorbenen ab.

Hygienischer Versorgungsraum im Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt: Hier können Bestatter auch die Thanatopraxie erlernen.
Hygienischer Versorgungsraum im Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt: Hier können Bestatter auch die Thanatopraxie erlernen. (Quelle: Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.)

War die thanatopraktische Behandlung bei der Queen aus irgendwelchen Gründen besonders schwierig?

Das ist schwer zu beurteilen, wenn man sie nur von Fotos kennt. Darüber hinaus weiß man nicht so genau, unter welchen Umständen sie gestorben ist. Ich würde aber davon ausgehen, dass das ein sehr erfahrener Einbalsamierer gemacht hat.

Ist eine Einbalsamierung bei älteren Menschen denn komplizierter als bei jüngeren?

Nicht unbedingt. Wenn wir junge Menschen haben, die verstorben sind, sind sie häufig an Krankheiten wie etwa Krebs gestorben. Das bringt eine medikamentöse Behandlung mit sich, die das Verfahren beeinflussen kann. Insofern ist es bei älteren Leuten, die einfach friedlich eingeschlafen sind, unproblematischer. Wenn sie dazu noch relativ schlank sind, wird es einfacher, die Vene zu finden. Das ist bei jemandem, der adipös ist, schwieriger.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lenzen.

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Verwendete Quellen
  • Telefoninterview mit Dr. Fabian Lenzen
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