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Wissen zum Weltfrauentag: Es gibt noch jede Menge zu tun

Wissen zum 8. März  

Weltfrauentag: Es gibt noch jede Menge zu tun

08.03.2019, 21:53 Uhr | cch, t-online.de

 (Quelle: imago/Snapshot)
Zum Weltfrauentag: 100 Jahre Frauenbewegung in Deutschland

Der Kampf um Frauenrechte ist Jahrhunderte alt. Als Erinnerung daran findet jedes Jahr am 8. März der Weltfrauentag statt. (Quelle: t-online.de)

Zum Weltfrauentag: Diese Unterschiede gibt es trotz 100 Jahren Frauenbewegung immer noch in in Deutschland. (Quelle: t-online.de)


Seit über 100 Jahren findet am 8. März der Internationale Frauentag statt. Auch wenn sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft seit 1911 gewandelt hat, wird der Tag dafür genutzt, um auf bestehende globale Probleme aufmerksam zu machen.

Bis 1958 durften Frauen ohne die Einwilligung des Ehemanns kein eigenes Bankkonto eröffnen; bis 1977 nicht ohne seine Erlaubnis arbeiten. Heute ist das zum Glück kaum mehr vorstellbar. Ein langer Weg war es, auf dem sich Frauen ihre heutigen Rechte erkämpft haben.

Diese sind "keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte" – so wie es Clara Zetkin 1910 für Frauen forderte. Die deutsche Sozialistin sprach diese Forderung auf dem Zweiten Kongress der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen aus und stieß damit den internationalen Frauentag an.

Frauen in mehreren Ländern demonstrieren für ihre Rechte

Seit 1911 wird an diesem Tag die Gleichstellung von Frauen und Männern forciert. In dem Jahr gingen Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz an einem Tag im März auf die Straße und forderten ihre Rechte ein – im Fokus damals das Frauenwahlrecht und die Teilhabe an politischer Macht. Vorbild waren dabei unter anderem Frauen in den USA, die schon einige Jahre zuvor für ihre Rechte einen nationalen Kampftag initiiert hatten.

Seit 1921 wird der Weltfrauentag jährlich am 8. März gefeiert und hat damit sein festes Datum. Eine Ausnahme bildet die NS-Zeit, während der dieser Tag als sozialistischer Feiertag verboten war. In der DDR hingegen wurde der Frauentag zu einem staatlich angeordneten Feierritual, bei dem die Interessen der Frauen allerdings den allgemeinen politischen Zielen der Republik untergeordnet waren.

Gleichstellung von Frauen und Männern

Im Laufe der Zeit standen unterschiedliche Themen im Zentrum dieses speziellen Tages. Von 1914 bis 1918 wurde hauptsächlich das Frauenwahlrecht gefordert. (1919 fanden in Deutschland schließlich die ersten Wahlen für alle statt.) Aber auch gegen Krieg und Gewalt wurde protestiert, was in den 1940er-Jahren ebenfalls auf der Agenda stand. Andere Frauenthemen in dieser Zeit waren Mutterschutz, gleicher Lohn für gleiche Arbeit sowie eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnkürzung.

In den 1960er- und 1970er-Jahren rückte der Kampf für das Recht auf legale Abtreibung in den Mittelpunkt. 1977 kannte die UN-Generalversammlung den 8. März offiziell als Internationalen Frauentag an. Im Rahmen des "Frauen-Streik-Tags" demonstrierten 1994 mehr als eine Million Frauen in Deutschland gegen Diskriminierung – einer der Höhepunkte in der Geschichte des Frauentags.

Frauentag 2019: Kampf für mehr Frauenrechte ist noch nicht beendet

Der Kampf für mehr Frauenrechte ist auch in diesem Jahrtausend noch nicht beendet. Der Weltfrauentag greift vielfältige Themen auf. 2003 wurde beispielsweise eine bessere Bildung für Mädchen gefordert, 2004 wurden die Rechte von Frauen in Nepal gestärkt.

International steht derzeit auch die Beseitigung von Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Fokus. Diese Form ist eine der am weitesten verbreiteten und systematisch begangenen Menschenrechtsverletzungen. Darunter fallen zum Beispiel auch Ehrenmorde, weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Frauenhandel, die in manchen Ländern noch immer an der Tagesordnung stehen.

Das fordern Politikerinnen anlässlich des Weltfrauentags

In Deutschland ist Gewalt, vor allem in Form von häuslicher Gewalt, ebenfalls ein Problem. Im Fokus stehen zudem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gehaltsunterschiede und mehr Mitspracherecht in der Politik.

In der Debatte des Deutschen Bundestages zum Internationalen Weltfrauentag im vergangenen Jahr wurden von den Politikerinnen folgende Forderungen laut:

  • die bestehenden Machtverhältnisse verändern, die Frauen benachteiligen, auch wenn sie formal die gleichen Rechte haben wie Männer
  • gleiche Gestaltungsrechte für Frauen und Männer: eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern
  • Gehaltsunterschiede aufheben und Rente für Frauen erhöhen
  • Frauenanteil in Parlamenten steigern
  • sexuelle Selbstbestimmung: Paragraf 219a, der Werbung für Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe stellt, abschaffen

Forderungen von Verdi zum Weltfrauentag 2019

Der Gewerkschaftsbund Verdi will verbindliche europäische Regelungen zur Gleichstellung erlangen. Er fordert:

  • gleichen Lohn für gleiche Arbeit
  • gleiche Chancen im Arbeitsleben
  • eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie, unabhängig vom gelebten Familienmodell
  • mehr Frauen in Führungspositionen und auf allen Führungsebenen in Wirtschaft und Politik
  • gute öffentliche Angebote zur Kinderbetreuung und Pflege sowie gerechte soziale Sicherungssysteme
  • faire Steuersysteme ohne Nachteile für Frauen
  • faire Chancen, die eigene Existenz zu sichern und ein selbstbestimmtes Leben zu führen

Frauentag 2019 ist in Berlin Feiertag

In einigen Ländern ist der Weltfrauentag gesetzlicher Feiertag – zum Beispiel in Georgien, Nepal, Laos und Serbien. Das Motto des Internationalen Weltfrauentags 2019 lautet "Balance for Better".

Auch in Deutschland ist dieser Tag ab 2019 ein Feiertag – allerdings ausschließlich in Berlin. Berlin gehört zu den Bundesländern mit den wenigsten Feiertagen. Mit dem Frauentag am 8. März sind es zehn. Bayern hat dagegen 13 Feiertage.

2019 fällt der 8. März auf einen Freitag, dann bekommen Arbeitnehmer in der Hauptstadt frei. 2020 ist der Tag ein Sonntag. Die Initiative zu einem zusätzlichen Feiertag war vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) ausgegangen.

Verwendete Quellen:

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