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Reisen trotz Corona? Weltenbummler: "Habe noch nie eine Maske getragen"

Berichte von Reisenden  

Weltenbummler: "Ich habe noch nie eine Maske getragen"

21.01.2021, 12:54 Uhr | C. Frentzen, D. Düttmann und G. Forster, dpa, t-online

Reisen trotz Corona? Weltenbummler: "Habe noch nie eine Maske getragen". Nicole Pern aus Unna mit einem Känguru: Sie war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte. (Quelle: dpa/Nicole Pern)

Nicole Pern aus Unna mit einem Känguru: Sie war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte. (Quelle: Nicole Pern/dpa)

Viele Langzeitreisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind auch in Corona-Zeiten weiter in fernen Gefilden unterwegs. Wie haben sie die Pandemie und Lockdowns erlebt?

Manche Weltenbummler lassen sich auch durch Corona nicht von ihren Reiseplänen abhalten. Viele haben es dabei sogar sehr gut getroffen, etwa in Ländern wie Australien oder Neuseeland, die das Virus aktuell unter Kontrolle haben und zu einer relativen Normalität zurückgekehrt sind – teilweise ganz ohne Maskenpflicht. Reisende berichten von Roadtrips, dem Leben im Outback und "der Zeit ihres Lebens". Aber auch von Zweifeln und der Unmöglichkeit, Pläne zu schmieden. Die Deutsche Presse-Agentur hat mit Globetrottern und Backpackern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gesprochen.

Rückkehr nach Deutschland stand nicht zur Debatte

NEUSEELAND: Sascha Seib (29) und seine Freundin Claudia Tran Ngoc (29) aus Gotha sind derzeit auf dem Abel Tasman Coast Track auf der Südinsel des Pazifikstaats unterwegs. Die Thüringer sind im Februar 2020 in Neuseeland angekommen – kurz vor dem ersten Lockdown im Land. "Zuerst war ich geschockt und dachte, wir müssten ausreisen. Aber dann bekamen wir die Information, dass Backpacker bleiben dürfen, wenn sie wollen", erzählt Sascha. Der Lockdown sei hart gewesen, aber nötig. "Wie man jetzt sieht, ist das Leben in Neuseeland fast wieder normal."

Auch Claudia sagt, eine Heimkehr nach Deutschland habe nicht zur Debatte gestanden. "Man bekommt ein Working-Holiday-Visum nur einmal im Leben und nur bevor man 30 Jahre alt ist. So eine Chance hätte ich nie wieder bekommen." Ihre Visa gelten bis August und so lange wollen die beiden auf jeden Fall weiter durch das Land reisen. Sascha fügt hinzu: "Wenn wir die Südinsel bereist haben, schauen wir, wie es in Deutschland aussieht – und entscheiden dann erst, was wir als Nächstes tun."

Upgrades für gebuchte Zimmer in Costa Rica

MEXIKO: Mark Hegedüs ist derzeit in Mexiko unterwegs, zuvor bereiste der 44-Jährige Costa Rica. "Außer dass man manchmal Maske tragen und häufig Desinfektionsgel verwenden muss, hat sich meiner Meinung nach nicht viel verändert", sagt der gebürtige Ungar, der lange Zeit in Wien gelebt hat. Insgesamt ist er schon seit 2014 in Lateinamerika unterwegs und hat mittlerweile fast alle Länder der Region kennengelernt.

Mark Hegedüs im Nationalpark Chirripo: Der 44-Jährige freut sich auf dem höchsten Berg Costa Ricas, dem Cerro Chirripo. (Quelle: dpa)Mark Hegedüs im Nationalpark Chirripo: Der 44-Jährige freut sich auf dem höchsten Berg Costa Ricas, dem Cerro Chirripo. (Quelle: dpa)

Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hat Hegedüs nicht. "Ich fühle mich voll fit, ernähre mich gesund und habe meine Krankenversicherung", sagt er. Bei der Einreise nach Costa Rica musste er eine Krankenversicherung vorlegen, die auch die Behandlung von Covid-19 abdeckt. "So etwas würde ich auch von den anderen Ländern erwarten, dann könnte man wieder fast überall und halbwegs problemlos reisen", sagt er.

Hegedüs hat bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht. "Ganz im Gegenteil. In Costa Rica haben sich alle über meinen Besuch gefreut", sagt er. "Ich erhielt öfter ohne Anfrage Upgrades für gebuchte Zimmer und wurde in den Nationalparks herzlich begrüßt."

"2020 war das beste Jahr meines Lebens"

AUSTRALIEN: Nicole Pern aus Unna im Ruhrgebiet war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte. Nach dem Abitur war sie mit einem Visum für einen Ferien-Arbeits-Aufenthalt nach Down Under gekommen, arbeitete in Sydney, dann auf einer Farm und reiste zudem quer durch das Land. 

Trotz der Pandemie entschied sich die 20-Jährige, zu bleiben. "Es war schwierig, weil die Situation sehr schlecht einzuschätzen war, aber objektiv betrachtet war die Lage im Vergleich zu Deutschland viel besser." Zudem seien die Kosten für Flüge damals massiv gestiegen.

Nicole Pern aus Unna mit einem Känguru: Sie war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte. (Quelle: dpa/Nicole Pern)Nicole Pern aus Unna mit einem Känguru: Sie war schon eine Weile in Australien, als plötzlich Corona zuschlug und ihre Pläne durcheinanderwirbelte. (Quelle: Nicole Pern/dpa)

Mittlerweile habe sie schon etwas Heimweh, sagt Nicole. Manchmal vermisse sie einfach "den Komfort in Deutschland und nicht immer "on the move" zu sein". Aber die dramatische Corona-Lage in Deutschland schrecke sie ab. "In Australien, speziell hier in Perth, stehen mir alle Optionen offen, ich habe bis jetzt noch nie eine Maske getragen und war noch nie auf so großen Festivals wie hier", sagt sie. Also alles richtig gemacht? "Deutsche können das vielleicht nicht nachvollziehen, aber 2020 war das beste Jahr meines Lebens!"

Unbeschwerte Reisen ohne Tests sind vorbei

AFRIKA: Das pensionierte Schweizer Ehepaar Heidi und Werner Gloor ist seit Februar 2019 mit einem Mercedes-Sprinter auf Weltreise, derzeit in Afrika. "Warum Afrika? Wir dachten: "Lass uns mit einem schwierigeren Kontinent beginnen"", sagen die beiden. Corona hat zu einigen Planänderungen geführt – beirrt hat das Virus das Paar aber nicht. "Nach Hause zu fliegen war nie ein Thema", betonen die beiden. Stattdessen beschlossen sie, sich in Tansania – wo sie sich im Frühjahr 2020 befanden – für einige Monate auf einer Farm niederzulassen. Dort hätten sie "die Zeit unseres Lebens" gehabt.

Heidi und Werner Gloor in Afrika: Das pensionierte Schweizer Ehepaar ist seit Februar 2019 mit einem Mercedes-Sprinter auf Weltreise. (Quelle: dpa/Privat/Fam. Gloor)Heidi und Werner Gloor in Afrika: Das pensionierte Schweizer Ehepaar ist seit Februar 2019 mit einem Mercedes-Sprinter auf Weltreise. (Quelle: Privat/Fam. Gloor/dpa)

Als die Grenzen allmählich wieder öffneten, machte sich das Paar aus dem Kanton Obwalden mit seinem Reisemobil wieder auf Achse. Weihnachten und Neujahr verbrachten sie in Namibia im Südwesten Afrikas. "Natürlich ist das ganz unbeschwerte Reisen ohne Tests vorbei", sagen Heidi und Werner Gloor. Sie seien nun langsamer und bewusster unterwegs. Doch sie zeigen sich optimistisch: "Da unsere Reise zeitlich unbegrenzt ist, Visa wegen Covid problemlos verlängert werden und es in jedem Land schöne abgelegene Regionen zu entdecken gibt, machen wir uns keine allzu großen Sorgen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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