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BMW: Eine der letzten Inseln für die gealterten Technologien

MEINUNGAutobranche in der Krise  

Konzerne wie BMW haben staatliche Hilfen nicht verdient

Gastbeitrag von Nick Heubeck, Fridays for Future

14.05.2020, 14:23 Uhr
BMW: Eine der letzten Inseln für die gealterten Technologien. BMW-Werk München: Der Konzern plädiert wie andere deutsche Autohersteller für Staatshilfen in der Corona-Krise. (Quelle: imago images/Lackovic)

BMW-Werk München: Der Konzern plädiert wie andere deutsche Autohersteller für Staatshilfen in der Corona-Krise. (Quelle: Lackovic/imago images)

Autofirmen fordern in der Krise eine staatliche Kaufprämie. Doch dafür müssten sie auch zukunftsfähig sein. Stellt BMW auf seiner Hauptversammlung dafür die Weichen?

Anfang Mai hoffte die Automobilbranche noch auf schnelle staatliche Hilfen in der Corona-Krise. Doch der Autogipfel am 5. Mai mit Bundeskanzlerin Merkel verlief für die Autohersteller ernüchternd: Bis Juni würde man weiter beraten, ob und in welchem Ausmaß Gelder fließen. Bei der heutigen Hauptversammlung von BMW ist eine mögliche Kaufprämie daher noch immer im Gespräch. Doch solche Hilfen hat sich das Unternehmen nicht verdient, erläutert Nick Heubeck von Fridays for Future im Gastbeitrag für t-online.de. 

Es ist ein Novum: Erstmals findet am heutigen Donnerstag die Hauptversammlung des Münchner Autoriesen BMW digital statt. Heißt auch: Kein Rede-und-Antwort-Spiel an den Vorstand, keine Auftritte in der Olympiahalle, keine Massenproteste. Dabei steht für BMW viel auf dem Spiel: Nach einem Rekordjahr in 2019 ist die Bilanz in diesem Jahr mehr als mäßig. Natürlich – und wie könnte es anders sein – schossen längst die Forderungen nach staatlichen Zuwendungen aus der Pistole. Eine Kaufprämie durch die Steuerzahlerinnen soll es sein, um die Branche wieder in Gang zu kriegen. Nur ganz ehrlich: Konzerne wie BMW haben diese gesellschaftliche Unterstützung nicht verdient.

Zeichen der Zeit nicht erkannt

“Power of Choice”: Mit diesem Spruch des Autobauers soll den Kundinnen klargemacht werden, dass sie weiterhin die Wahl zwischen unterschiedlichen Antrieben haben werden – auch Diesel und Benzinern. Doch mehr noch als ein Angebot ist der Spruch vor allem eine Offenbarung: Wir haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt und machen weiter so wie bisher. Und zwar mit all den Risiken, die damit verbunden sind.

Wie das aussieht, hat BMW zuletzt auf der IAA in Frankfurt eindrucksvoll zur Schau gestellt. Mit fünf Metern Länge, einem Meter achtzig Höhe und mindestens 2.400 Kilogramm Gewicht kann der X7 getrost als Mittelfinger in der Klimadebatte des letzten Jahres verstanden werden. Wem das noch nicht gereicht hat, für den warf CEO Zipse noch hinterher: “Die hämische SUV-Debatte ist Panikmache, die nichts mit der Realität zu tun hat”.

Markantes Gesicht: Der X7 trägt die größte Doppelniere (der charakteristische BMW-Kühlergrill), die es je gab. (Quelle: Hersteller)Markantes Gesicht: Der X7 trägt die größte Doppelniere (der charakteristische BMW-Kühlergrill), die es je gab. (Quelle: Hersteller)

Zum bald erscheinenden Folgemodell X8 soll es zumindest eine höchst klimafreundliche 760 PS starke Hybridversion geben. Ein Unternehmen mit Weitblick also?

"Vier-Klang" und Zukunftsfähigkeit

BMW propagiert nicht nur seinen Kundinnen, sondern ebenso den Mitarbeitern und – durch geschicktes Lobbying in München – der Öffentlichkeit einen “Vier-Klang” an angeblich zukunftsfähigen Konzepten. Neben dem E-Auto sollen es auf dem Mobilitätsmarkt der Zukunft auch der Wasserstoffantrieb und natürlich nach wie vor Diesel und Benziner richten. Das geht nur so lange auf, wie man sich der Realität jenseits der Werkstore verschließt: Während für einige der Hauptabsatzmärkte wie Indien, Großbritannien und Frankreich längst ein Enddatum für den Verbrenner festgelegt wurde, will man in München weiter auf die Vergangenheit setzen. Das Gelände um die BMW-Türme, die passenderweise an einen Otto-Motor erinnern, wird damit zu einer der letzten Inseln für die gealterten Technologien.

Wie absurd diese Taktik ist, zeigt der Blick auf die Fakten: Soll der globale Temperaturanstieg auf die kritischen 1,5 Grad begrenzt werden, muss in fünf Jahren mit neuen Diesel und Benzinern Schluss sein. Auch Hybride haben da nur unwesentlich länger Zeit. Diese Aussichten hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schon vor zwei Jahren errechnet. Ob BMW also will oder nicht: Der Zeitpunkt, mit der massiven Entwicklung wirklich zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte durchzustarten, liegt bereits in der Vergangenheit.

Nick Heubeck ist 21 Jahre alt und studiert Kommunikation und Politik in Bamberg. Er ist seit Anfang 2019 bei Fridays For Future aktiv und ist dort für Digitales und Presse verantwortlich.

Staatliche Hilfen und milliardenschwere Dividenden

Da ist es nur allzu verständlich, dass die Autobauer nach Jahren des Verschlafens und Blockierens jetzt mit ihren Forderungen nach einer staatlichen Unterstützung den Blick nach vorne lenken wollen. Ein Begriff fällt in der Debatte dabei immer wieder: die Dividenden. Gerade zur Jahreshauptversammlung heute werden sie natürlich Thema sein, wenn rund 1,64 Milliarden Euro ausgeschüttet werden. Dass bei BMW rund die Hälfte dieser Gelder an die beiden Erben Quandt und Klatten geht, kann man sich dabei irgendwie auch schon fast schenken. Man gönnt sich ja sonst nichts. Die Milliarden-Subventionen fürs Auto der letzten Jahrzehnte sind praktisch die Definition einer Umverteilung nach oben. Mit dem Ruf nach Kaufprämien soll da jetzt noch einer draufgesetzt werden.

Bitter wird es auch für die Mitarbeiterinnen von BMW, denen nach jahrelangen Erfolgserlebnissen langsam aber sicher die Perspektive abhanden geht. Wenn sich der Konzern der Mobilitätswende weiter verweigert, gefährdet er damit die Arbeitsplätze Zehntausender Beschäftigter. Eine zukunftsfähige Gesellschaft muss diesen Menschen Unterstützung zusichern, nicht aber die Konzerne für ihr Kopf-in-den-Sand-stecken belohnen. 


Immerhin spricht man inzwischen über die Manager-Boni. Doch die alleinige Streichung dieser Zusatzgelder greift natürlich viel zu kurz. Der Löwenanteil der Mittel, die im wohl größten Konjunkturprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg jetzt gezahlt werden, müssen von der jungen Generation beglichen werden. In Zukunft wird es in den Haushalten vorne und hinten an Unterstützung für Schulen, Stadtwerke und öffentlichem Nahverkehr fehlen. Mit “Power of Choice” hat das dann nichts mehr zu tun. Der Druck, mit klaren Kriterien jetzt nur zukunftsfähig zu investieren, ist also größer denn je.

Stand jetzt darf BMW dabei aber keine Rolle spielen.

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten spiegeln die Meinung des Autors wider und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online.de-Redaktion.

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