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Proteste im Iran: Die Opfer des Regimes – Eltern bettelten verzweifelt um Gnade


"Mein Urteil ist Hinrichtung, aber sag Maman nichts"

Von Charlotta Sieve

Aktualisiert am 08.01.2023Lesedauer: 3 Min.
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Die ersten Hinrichtungen: Zwei Männer wurden nun zum Opfer des Mullah-Regimes. (Quelle: Reuters)
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Zwei Menschen hat das iranische Regime im Zusammenhang mit den systemkritischen Protesten am Samstag hinrichten lassen. Wer waren sie?

"Mein Urteil ist Hinrichtung, Baba, aber sag Maman nichts davon" – so soll Mohammad Mehdi Karami seinem Vater im Dezember von seinem Todesurteil erzählt haben. Am Samstagmorgen hat das iranische Regime ihn und Seyed Mohammad Hosseini hingerichtet.

Seit knapp vier Monaten gehen die Menschen im Iran gegen das Regime des Landes auf die Straße. Durch das brutale Vorgehen des Regimes sind nach aktuellen Schätzungen der in den USA ansässigen Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) mindestens 517 Protestierende gestorben, über 19.000 Menschen inhaftiert. Am Samstag wurden die zwei Männer vom iranischen Regime hingerichtet. Die Zahl der offiziellen Hinrichtungen im Zusammenhang mit den Protesten steigt damit auf vier. Wer waren die beiden jüngsten Opfer?

Seyed Mohammad Hosseini und Mohammad Mehdi Karami hatten beide im November an einer Demonstration in Karadsch, einer Großstadt westlich von Teheran, teilgenommen. Während dieser Demonstration soll laut dem Regime ein Vertreter der Basij-Miliz, einer paramilitärischen Freiwilligen-Einheit der mächtigen Revolutionsgarde, getötet worden sein. Hosseini und Karami wurde vorgeworfen, für den Tod hauptverantwortlich gewesen zu sein. Sie streiten das ab. Die beiden Männer wurden verhaftet, im Dezember wurden sie wegen "Korruption auf Erden" verurteilt – nicht wegen Mordes. Am Samstagmorgen hat das iranische Regime sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit hingerichtet.

Seyed Mohammad Hosseini war Kampfsportler

Seyed Mohammad Hosseini war nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) 39 Jahre alt. Er soll vor mehreren Jahren beide Elternteile verloren haben, berichtet unter anderem die iranische Journalistin Ghoncheh Habibiazad, die aktuell aus London arbeitet. Hosseini sei Kampfsportler gewesen, habe benachteiligte Kinder kostenlos in seinem Sport unterrichtet. Der 39-Jährige habe in einer Fabrik gearbeitet und sei der einzige Versorger seines Bruders gewesen, der an einer Suchtkrankheit leide, berichtet die deutsch-iranische Journalistin Gilda Sahebi bei Twitter. Hosseini selbst litt demnach an Angstzuständen, gegen die er Medikamente nahm.

Der Anwalt, den Hosseini treffen durfte, erklärte, der 39-Jährige sei unschuldig und habe unter physischer und psychischer Folter ohne Rechtsgrundlage Geständnisse abgegeben. Weil er keine lebenden unmittelbaren Familienangehörigen hat, die seinen Leichnam in Empfang nehmen könnten, weigern sich die iranischen Behörden dem Journalisten Ali Javanmardi zufolge, seinen Leichnam für eine Bestattung zu übergeben.

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Eltern von Mohammad Mehdi Karami setzten sich für Sohn ein

Mohammed Mehdi Karami war nach IHR-Angaben 22 Jahre alt. Er war Karateprofi, hat für das iranische Nationalteam gekämpft. Seine Eltern setzten sich in den vergangenen Wochen intensiv für die Rechte ihres Sohnes ein, versuchten vergeblich, seine Hinrichtung zu verhindern. In einem veröffentlichen Video sitzen Karimis Eltern auf dem Boden und bitten verzweifelt um Gnade für ihr Kind. "Ich bin seine Mutter und ich bitte die Justiz, (...) die Hinrichtung meines Sohnes zurückzurufen", sagt die Frau sichtlich gebrochen.

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In einer Sprachaufnahme, die das Dokumentationsnetzwerk "1500 Tasvir" auf Twitter veröffentlichte, erklärt Karamis Vater: "Mein Sohn hat mir gesagt: Vater, ich schwöre bei deinen Händen, ich habe den Stein auf den Basij nicht geworfen." Er habe die Richter angefleht, den 22-Jährigen zu 50 Jahre Haft zu verurteilen, nur damit er sicher sein könne, dass sein Sohn lebe und atme. "Die bringen mein unschuldiges Kind um. Was soll ich tun? Mit wem soll ich reden?", fragt er verzweifelt. Dass die iranischen Behörden auch ihn verhaften, weil er sich öffentlich äußere, sei möglich. "Aber ich bin aufgestanden für die Rechte von meinem Kind."

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Karami durfte seine Familie vor der Hinrichtung nicht sehen

Aktivisten hatten zuvor das "unfaire Schnellverfahren" angeprangert. Es habe "nichts mit einem aussagekräftigen Gerichtsverfahren" gemeinsam, erklärte Amnesty International. Karamis Vater sagte iranischen Medien, ein Anwalt der Familie habe keinen Zugang zu den Akten seines Sohnes erhalten. Der Anwalt schrieb bei Twitter, ein letztes Treffen mit der Familie sei Karami verwehrt worden, aus Protest habe er auf Essen und Wasser verzichtet.

Karami war Kurde, berichtet unter anderem Ali Javanmardi bei Twitter. Auch die im September in Polizeigewahrsam gestorbene Jina Mahsa Amini war Kurdin. Nach ihrem Tod begannen die weiterhin anhaltenden regimekritischen Proteste. Kurden bilden unter anderem im Iran eine ethnische Minderheit. In den vergangenen Monaten ging das iranische Regime in den kurdischen Gebieten besonders brutal gegen die Demonstrierenden vor.

Im Zuge der landesweiten Proteste waren im Dezember bereits Todesurteile gegen den Rap-Musiker Mohsen Shekari und Madschid Resa Rahnaward vollstreckt worden. Die Hinrichtungen sorgten im In- und Ausland für Entsetzen. Die EU beschloss daraufhin auch wegen der schweren Menschenrechtsverletzungen weitere Sanktionen gegen den Iran.

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Verwendete Quellen
  • iranhumanrights.org: "Two More Men Executed in Iran in Connection with Protests, Others at Imminent Risk" (englisch)
  • twitter.com: @DuezenTekkal
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Von Patrick Diekmann
HinrichtungIranLondonTwitterUSA

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