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AttentĂ€ter konnte ĂŒber 30 Minuten lang morden

Von afp, dpa, dapd
Aktualisiert am 23.07.2011Lesedauer: 5 Min.
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Das Sondereinsatzkommando in Norwegen ist erst 30 Minuten nach Beginn des Massakers in einem Jugendcamp auf der Ferieninsel Utoya am Tatort eingetroffen. Damit habe der SchĂŒtze mindestens eine halbe Stunde Zeit gehabt, um das Blutbad unter den Jugendlichen anzurichten und mindestens 85 Menschen zu erschießen, bevor er festgenommen wurde. Das erklĂ€rte die Polizei.

"Es dauert, so lange wie es dauert, schnell dorthin zu fahren", sagte Johan Fredriksen von der Polizei ĂŒber die Anfahrtszeit des Sondereinsatzkommandos. Bis die Beamten bis in die letzten Winkel der Insel vorgedrungen sind, hat es wohl noch lĂ€nger gedauert - Zeugen sprechen von 45 Minuten und mehr.

Nach der Bombenexplosion im Regierungsviertel am Freitagnachmittag fuhr der mutmaßliche AttentĂ€ter nach Überzeugung der Polizei mit dem Auto zur 40 Kilometer entfernten Insel Utoya. Dort eröffnete der als Polizist verkleidete 32-JĂ€hrige das Feuer auf die etwa 600 Jugendlichen in dem Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF. Überlebende berichteten im TV-Sender NRK von Panik und Chaos.

"Ich töte Euch alle!"

Dabei nutzte der TĂ€ter eiskalt die UmstĂ€nde nach seinem Bombenattentat in Oslo aus. „Er sagte, er sei geschickt worden, um die Sicherheit zu ĂŒberprĂŒfen. Dass sei reine Routine nach dem Terroranschlag”, sagte Wachmann Simen Braenden Mortensen der norwegischen Zeitung „Verdens Gang”. „Es wurde ein Boot gerufen und das brachte ihn hinĂŒber nach Utoya."

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Dort versammelte er die Jugendlichen und jungen Erwachsenen um sich und begann mit einem Maschinengewehr und einer Pistole zu schießen. Viele der Teenager - die meisten im Alter von 14 bis 17 Jahren - sprangen aus Todesangst ins Wasser, um schwimmend von der Insel zu entkommen. Der AttentĂ€ter habe auch auf sie geschossen. "Ich war vielleicht fĂŒnf oder sieben Meter von ihm entfernt, als er schrie 'ich tötet euch alle!' und 'ihr werdet alle sterben!'", zitiert CNN einen Augenzeugen. "Er richtete die Waffe auf mich, aber er drĂŒckte nicht ab." Im Wasser um Utoya wird noch nach weiteren Opfern gesucht.

KunstdĂŒnger fĂŒr Bombe gekauft?

Schließlich konnte eine Sonderkommando den mutmaßlichen Massenmörder festnehmen. Nach unbestĂ€tigten Angaben wurde er von Antiterror-Spezialisten aus der Luft angegriffen und mit TrĂ€nengas betĂ€ubt. Der TV-Sender NRK berief sich am Samstag auf "Polizeikreise" mit entsprechenden Angaben.

Der VerdĂ€chtige wird zur Zeit verhört und soll sich kooperativ verhalten. Er wird der rechten Szene zugeordnet und soll "christlich-fundamentalistisch" orientiert sein. Der 32-JĂ€hrige habe bisher nicht im Blickfeld der Polizei gestanden. Zwar sei er bereit auszusagen, man stehe aber vor "Ă€ußerst umfassenden und langfristigen Ermittlungen".

Auf einer als islamkritisch geltenden Webseite sind unter seinem Namen veröffentlichte nationalistische Äußerungen zu finden. Multikulturalismus wird darin als kultureller Marxismus und als anti-europĂ€ische Hassideologie bezeichnet, deren Ziel es sei, die europĂ€ische Kultur, IdentitĂ€t und das Christentum zu zerstören.

Zudem hat sich der AttentĂ€ter bei einem schwedischen Internet-Forum fĂŒr Neonazis registriert. Wie die schwedische Organisation Expo angab, war der 32-JĂ€hrige seit 2009 in dem Forum "Nordisk" aktiv. Hier diskutierten 22.000 registrierte Nutzer Themen wie "weiße arische Macht" und politische Strategien zur BekĂ€mpfung der Demokratie, hieß es weiter. Expo gilt als fĂŒhrende schwedische Organisation zur Beobachtung der rechtsradikalen Szene. Sie wurde bekannt durch ihr GrĂŒndungsmitglied Stieg Larsson, der die weltberĂŒhmt gewordene Millennium-Krimitrilogie geschrieben hat. Larsson starb 2004.

Nach den Angaben von Expo soll der am Freitag nach zwei AnschlĂ€gen mit mindestens 92 Toten festgenommene Norweger "wesentlich radikaler" als bisher angenommen in der rechtsradikalen Szene aktiv gewesen sein. Im Onlineforum "Nordisk" habe es auch Aufrufe zu Gewalt gegeben, hieß es aus Stockholm.

Der mutmaßliche AttentĂ€ter habe seit dem FrĂŒhjahr sechs Tonnen KunstdĂŒnger eingekauft, der zur Herstellung von Sprengstoff geeignet war, teilte eine Sprecherin des Agrar-GroßhĂ€ndlers FelleskjĂžbet im TV-Sender NRK mit. Man habe keinen Verdacht geschöpft, weil er einen Agrarhandel fĂŒr GemĂŒse und FrĂŒchte betrieb. Auch auf Utoya soll Sprengstoff gefunden worden sein, der aber nicht explodiert ist.

Gab es einen zweiten TĂ€ter?

Derweil gibt es widersprĂŒchliche Berichte ĂŒber einem zweiten TĂ€ter. Ein Kriposprecher sagte der Online-Ausgabe der Zeitung "Verdens Gang": "Wir haben mehrere ĂŒbereinstimmende Zeugenaussagen, wonach es einen zweiten TĂ€ter geben soll. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, das aufzuklĂ€ren." Die norwegische Polizei hat das auf der Internetseite des norwegischen Fernsehsenders NRK dementiert. "Wir prĂŒfen alle EventualitĂ€ten, aber wir suchen nach niemandem konkreten", sagte Polizeiinspektor Einar Aas der Nachrichtenseite.

WĂ€hrenddessen hat die Polizei außerhalb eines Hotels, in dem sich MinisterprĂ€sident Jens Stoltenberg aufhielt, einen Mann festgenommen. Er sei festgenommen worden, weil er ein Messer bei sich gehabt habe, sagte der rund 20 Jahre alte Mann, als er von der Polizei abgefĂŒhrt wurde. Er sei Mitglieder der Jugendorganisation der Arbeiterpartei, die auf Utoya ihr Sommerlager abgehalten hatte und trage das Messer, weil er sich unsicher fĂŒhle.

MilitÀr sichert Osloer Innenstadt

Die Osloer Innenstadt ist derweil vom MilitĂ€r gesichert. Die Einheiten sollten vor allem die Ermittlungsarbeit der Polizei im Regierungsviertel schĂŒtzen, sagte Stoltenberg.

Die Aufforderung an alle BĂŒrger, sich aus der Innenstadt fernzuhalten, wurde aber wieder aufgehoben. Die norwegische Flagge wehte ĂŒber allen öffentlichen GebĂ€uden auf halbmast. Die von dem Anschlag besonders schwer getroffenen Teile des Zentrums seien am Morgen fast menschenleer gewesen, berichtete ein Reporter. "Das ist heute wie in einer Geisterstadt", sagte der 17 Jahre alte Harald Jakhelln.

Im Laufe des Vormittags sammelten sich Passanten an den Absperrungen des MilitĂ€rs. In vielen Gesichtern stand das Entsetzen ĂŒber das Ausmaß der Zerstörung. "Es ist schrecklich, dass wir jetzt auch eine solche Situation haben. Ich denke dabei auch an die Menschen in London, New York und anderen Orten, wo solches geschehen ist", sagte Oslos BĂŒrgermeister Fabian Stang. "Es wird immer wichtiger, dass wir zusammen halten."

Schlimmste Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg

Norwegens König Harald V. forderte seine Landsleute auf, "in dieser schweren Situation zusammenzustehen und einander zu stĂŒtzen". Regierungschef Stoltenberg sprach von einer "nationalen Tragödie" und sagte: "Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir in unserem Land keine schlimmere Katastrophe erlebt." Beide haben inzwischen Überlebende des Massakers besucht. Die norwegische Fußballiga hat aus Trauer alle ihre Spiele abgesagt.

Internationale Reaktionen

Die internationale Gemeinschaft zeigte sich erschĂŒttert von den AnschlĂ€gen. BundesprĂ€sident Christian Wulff ĂŒbermittelte König Harald V. seine Anteilnahme. FĂŒr die Ermordung friedlicher BĂŒrger gebe es keine Rechtfertigung, schrieb Kremlchef Dimitri Medwedew.

Auch Kanzlerin Angela Merkel hat der norwegischen Bevölkerung das MitgefĂŒhl der Deutschen ausgedrĂŒckt: "Wir fĂŒhlen die ErschĂŒtterung genauso wie die Menschen in Norwegen."

US-PrÀsident Obama rief zu einer stÀrkeren Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf. Der britische Premierminister David Cameron bot Norwegen Hilfe an, unter anderem durch eine enge Zusammenarbeit der Geheimdienste beider LÀnder. Bislang war Norwegen von TerroranschlÀgen verschont geblieben.

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