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Terror in Kopenhagen: Polizei kannte mutmaßlichen Attentäter

Polizei stürmt Internetcafé  

Zwei Festnahmen in Kopenhagen

15.02.2015, 19:38 Uhr | AFP, rtr, dpa

Terror in Kopenhagen: Polizei kannte mutmaßlichen Attentäter. Polizisten sichern das Internetcafé in Kopenhagen, in dem zwei Verdächtige festgenommen wurden.  (Quelle: Reuters)

Polizisten sichern das Internetcafé in Kopenhagen, in dem zwei Verdächtige festgenommen wurden. (Quelle: Reuters)

Schwerbewaffnete Polizisten haben am Sonntag ein Internetcafe in der Innenstadt von Kopenhagen gestürmt. Zwei Verdächtige wurden nach Angeben des Fernsehsenders TV2 bei dem Einsatz festgenommen. Ein Polizeisprecher sagte dem Radiosender DR, die Razzia sei Teil der Ermittlungen nach den tödlichen Angriffen auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge.

Am Sonntag durchsuchte die Polizei zudem mehrere Wohnungen in dem Viertel Nörrebro, in dem sie im Morgengrauen den mutmaßlichen Täter erschossen hatte. Nach Überzeugung der Ermittler handelt es sich um den Mann, der offenbar als Einzeltäter beide Anschläge verübt hatte. Möglicherweise habe ihn der tödliche Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" Anfang Januar in Paris zu der Tat angestachelt.

Der 22 Jahre alte Mann wurde laut Polizeiangaben in Dänemark geboren und war wegen Bandenkriminalität sowie Gewalt- und Waffendelikten aktenkundig. Seine Identität wollten Polizei und Sicherheitsbehörde zunächst aber nicht preisgeben. Bei den Anschlägen wurden der 55-jährige dänische Filmregisseur Finn Nørgaard sowie ein junger jüdischer Wachmann getötet.

Der Schütze sei bereits auf dem Radar des Geheimdienstes PET gewesen, sagte der Chef des Dienstes, Jens Madsen. "PET arbeitet auf Grundlage einer Theorie, dass der Täter möglicherweise von den Ereignissen in Paris inspiriert wurde", so Madsen weiter. "Er könnte auch von Material inspiriert worden sein, das von der Terrormiliz Islamischer Staat und anderen veröffentlicht wurde."

Nichts deute bislang darauf hin, dass der Mann einen Komplizen gehabt habe, sagte Madsen. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter sich als Dschihadist in Syrien oder im Irak aufgehalten habe. Die Ermittler fanden eine Waffe, die die Tatwaffe sein könnte.

Entscheidender Tipp von Taxifahrer

Den Ermittlungen zufolge war der Mann nach dem Angriff auf die Diskussionsveranstaltung zum Thema "Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede" am Samstag zunächst in einem dunklen VW Polo geflohen, der später in Kopenhagen gefunden wurde. Danach setzte er seine Flucht in einem Taxi fort und ließ sich nach Hause in seine Wohnung fahren. Der Taxifahrer gab den Ermittlern später den entscheidenden Tipp. 

Als die Beamten den Verdächtigen am frühen Sonntagmorgen vor dem observierten Haus nahe des Bahnhofs Nørrebro ansprachen, habe der Mann das Feuer eröffnet, berichtete die Polizei. Daraufhin hätten die Beamten zurückgeschossen und den Angreifer getötet.

Angriff galt wohl Karikaturenzeichner Vilks

Der Angriff in dem Kulturcafé hatte vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks gegolten. Der 68-Jährige ist seit Jahren in islamistischen Kreisen wegen seiner Mohammed-Karikaturen in der Kritik und war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Islamisten setzten ein Kopfgeld in Höhe von 150.000 Dollar auf ihn aus. Vilks blieb bei dem Anschlag unverletzt. Er hatte sich zusammen mit der Mitorganisatorin der Diskussion, Helle Merete Brix, in einem Kühlraum verschanzt. 

Regisseur Nørgaard war Gast bei der Diskussionsveranstaltung. Er ist in Dänemark für seine Dokumentarfilme bekannt. Nach den Terrorangriffen in Frankreich im Januar hatte er noch auf seinem Facebook-Profil geschrieben: "Es ist erschütternd und erschreckend, dass mutige Menschen von feigen muslimischen Faschisten ermordet werden."

Attentäter kam nicht in die Synagoge

Das zweite Opfer, das in der Nacht vor einer Synagoge in Kopenhagen von einer Kugel in den Kopf tödlich getroffen wurde, ist nach Angaben aus der jüdischen Gemeinde ein 37-jähriger Wachmann jüdischen Glaubens. Er hatte die Menschen kontrolliert, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa (jüdisches Fest, bei dem Kinder zum vollwertigen Mitglied der jüdischen Religionsgemeinde erhoben werden) kamen.

Nach Angaben des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, gelang es dem Angreifer nicht, in das Gebäude vorzudringen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren. Laut Asmussen hatte die jüdische Gemeinde die Sicherheitsvorkehrungen nach den Terroranschlägen in Paris Anfang Januar verstärkt. Zu den Verletzten gehören auch mehrere Polizisten. 

Unter den Besuchern des Cafés war auch der französischen Botschafter François Zimeray. Er blieb unverletzt.

"Ein unendlich trauriger Morgen"

Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt hat sich am Morgen nach den Terrorattentaten in Kopenhagen erleichtert über das Ende der dramatischen Stunden geäußert und von einem "unendlich traurigen Morgen" gesprochen.

"Ich bin froh und erleichtert darüber, dass die Polizei den vermuteten Täter hinter den zwei Schießereien unschädlich gemacht hat", sagte Thorning-Schmidt. "Niemand soll damit davonkommen, die offene, freie und demokratische dänische Gesellschaft anzugreifen." Königin Margarethe beschwor die Dänen: "Es ist wichtig, dass wir in so einer schwierigen Situation zusammenstehen und die Werte schützen, auf die Dänemark gebaut ist".

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