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Italien verschärft Ausgangssperre: Nicht lebensnotwendigen Unternehmen geschlossen

Hunderte Corona-Tote täglich  

Italien schließt alle nicht lebensnotwendigen Unternehmen

22.03.2020, 12:19 Uhr | dpa

Video-Botschaft von Ärzten: "Wir können die Toten nicht mehr zählen"

Italien hat weltweit die meisten offiziell gemeldeten Covid-19-Todesfälle. Gleichzeitig ist die Zahl der Infizierten auf über 41.000 gestiegen. Ärzte und Pfleger erzählen, in welche Notlage sie das bringt. (Quelle: t-online.de)

"Wir können die Toten nicht mehr zählen": Ärzte und Pfleger aus Italien erzählen, in welche Notlage sie die Coronavirus-Krise bringt. (Quelle: t-online.de)


Das öffentliche Leben ist in Italien schon komplett zum Erliegen gekommen. Doch angesichts neuer Rekordwerte bei den Corona-Totenzahlen zieht die Regierung nun alle Register. 

Italien schließt angesichts immer weiter steigender Totenzahlen im Zuge der Coronavirus-Pandemie die gesamte nicht lebensnotwendige Produktion. Davon seien Supermärkte, Banken, Post und Apotheken ausgenommen, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend. "Es ist die schwerste Krise für das Land seit dem Zweiten Weltkrieg." Nun werde jede produktive Tätigkeit eingestellt, "die nicht entscheidend und unerlässlich dafür ist, uns essenzielle Güter und Dienstleistungen zu garantieren". Diese drastische Maßnahme in der drittgrößten Volkswirtschaft in der Eurozone soll zunächst bis 3. April gelten.

Das Land hatte am Samstag an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch des Virus im Land. Bisher starben 4.825 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Das waren 793 mehr als am Vortag. Besonders stark betroffen ist die nördliche Region Lombardei, wo das Virus Ende Februar ausgebrochen war und die Krankenhäuser mittlerweile vor dem Kollaps stehen. Die wirtschaftlichen Schäden für das hoch verschuldete Land sind jetzt schon unermesslich.
 

 
Italien ist das Land mit den meisten offiziell gemeldeten Toten wegen des Coronavirus auf der Welt. Die Regierung hatte daher erst am Freitag die Ausgangssperren verschärft, die seit dem 10. März landesweit gelten. Allerdings forderten Regionalpolitiker im Norden weitere Maßnahmen, auch weil sich einige Menschen immer noch nicht an die Auflagen halten. In der Lombardei war der Ausbruch vor einem Monat bemerkt worden. Bisher waren zum Beispiel viele Fabriken und Büros noch geöffnet, in die die Menschen zur Arbeit gingen. Dort wo möglich, arbeiteten allerdings schon viele im Homeoffice. Auch waren bisher noch Tabakläden geöffnet.

Ministerpräsident Giuseppe Conte: "Es ist die schwerste Krise in unserer Nachkriegszeit". (Quelle: imago images)Ministerpräsident Giuseppe Conte: "Es ist die schwerste Krise in unserer Nachkriegszeit". (Quelle: imago images)

Viele Todesopfer über 70 Jahre alt

Die Zahl der Toten ist in Italien im Vergleich zu den offiziell gemeldeten Infizierten auffällig hoch. Sie stieg auf 53.578 Menschen, das waren wieder tausende mehr als am Vortag. In Deutschland gibt es bisher insgesamt rund 90 Tote bei mehr als 24.600 Infizierten.


Unklar ist die genaue Ursache für die hohe Sterberate. Es könnte mehrere Gründe geben: Italien hat eine der ältesten Bevölkerungen weltweit - und die meisten Toten waren ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Allerdings ist die Bevölkerung in Deutschland auch nicht wesentlich jünger. Viele Großeltern wohnen in Italien mit ihren Kindern und Enkeln im Haus oder sind mehr als in Deutschland in das tägliche Leben eingebunden. Daher sind Ansteckungen einfacher. Auch gehen Experten davon aus, dass die Dunkelziffer bei den Infizierten wesentlich höher ist als angegeben, viele mild oder symptomlos verlaufende Fälle werden nicht erfasst. Daher ergibt sich eine höhere Sterberate.

Zivilschutzchef Angelo Borrelli betonte in Rom, dass bei den Verstorbenen die Todesursache nicht abschließend geklärt sei: Also ob die Menschen nur an Covid-19 starben oder ob der Grund eine andere Krankheit war. Die allermeisten Opfer sind über 70 Jahre alt, viele litten an einer oder mehreren Krankheiten, zum Beispiel an Diabetes, Krebs oder Atemwegsproblemen. Allerdings warnen Experten auch, dass die Krankheit bei jüngeren Menschen einen schweren Verlauf nehmen kann.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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