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Feier von Johnson-Mitarbeitern emp├Ârt Gro├čbritannien

Von dpa
Aktualisiert am 08.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Boris Johnson, Premierminister von Gro├čbritannien, spricht w├Ąhrend einer Pressekonferenz.
Boris Johnson, Premierminister von Gro├čbritannien, spricht w├Ąhrend einer Pressekonferenz. (Archivbild). (Quelle: Hollie Adams/Getty Images Pool/AP/dpa./dpa)
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London (dpa) - Sie sollen gefeiert haben, als Hunderte starben und Millionen ihre Lieben nicht sehen durften - und Tage sp├Ąter scherzten sie vor laufender Kamera ├╝ber den eklatanten Regelbruch.

Ein explosives Video aus der Downing Street ├╝ber eine mutma├čliche Weihnachtsfeier von Regierungsbeamten w├Ąhrend des Corona-Lockdowns vor einem Jahr setzt den britischen Premierminister Boris Johnson erheblich unter Druck. Im Raum steht, dass Johnson, der demnach nicht an der Party teilnahm, ├╝ber das Ereignis gelogen hat.

Aufgeheizte Stimmung

Im britischen Parlament schlug dem Premier am Mittwoch eine aufgeheizte Stimmung entgegen, Buhrufe begleiteten Johnson auf dem Weg zu seinem Platz. F├╝r Oppositionsf├╝hrer Keir Starmer ist klar: Der Premier hat seinen Laden nicht mehr im Griff. Der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei (SNP), Ian Blackford, forderte Johnson mit emotionalen Worten zum R├╝cktritt auf. Mehrmals musste Parlamentspr├Ąsident Lindsay Hoyle zur Ruhe mahnen.

Vor allem geht es um ein Video, in dem engste Vertraute des Premiers sich offensichtlich lachend ├╝berlegen, wie sie die Party sch├Ânreden k├Ânnten. Dazu sagte Johnson im Parlament: "Ich entschuldige mich vorbehaltlos f├╝r den Ansto├č, den es im ganzen Land erregt hat, und entschuldige mich f├╝r den Eindruck, den es erweckt." Es werde eine interne Untersuchung geben. Die Metropolitan Police k├╝ndigte am Abend an, es l├Ągen bislang keine klaren Hinweise auf Regelverst├Â├če vor, daher werde zun├Ąchst nicht ermittelt.

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Weiterhin betonte Johnson aber, ihm sei wiederholt versichert worden, dass es weder eine Party gegeben habe noch Corona-Regeln gebrochen worden seien. Die m├Âgliche Verantwortung schob Johnson den Mitarbeitern zu: Sollten doch Regeln gebrochen worden sein, werde es ernste Konsequenzen geben.

Stratton tritt zur├╝ck

Noch am Mittwoch folgte der erste R├╝cktritt. Johnsons ehemalige Sprecherin Allegra Stratton entschuldigte sich unter Tr├Ąnen f├╝r ihre Bemerkungen in dem ver├Âffentlichten Video und stellte ihr Amt als Regierungssprecherin f├╝r die UN-Klimakonferenz zur Verf├╝gung. Johnson hingegen zeigte sich im Parlament demonstrativ unbeeindruckt von den Anschuldigungen und R├╝cktrittsforderungen. Der Opposition warf er vor, alte Geschichten hervorzukramen, um politische Spielchen zu spielen. Er hingegen blicke nach vorne und f├╝hre das Land aus der Corona-Krise.

Doch in der Bev├Âlkerung scheint Johnsons Verteidigungsstrategie nicht zu verfangen. Wie eine Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders Sky News ergab, sind 63 Prozent der Briten der Ansicht, dass Johnson nicht die Wahrheit sagt. Weniger als jeder Zehnte gab an, den Beteuerungen des Premiers Glauben zu schenken.

Heikler Zeitpunkt

Der Zeitpunkt f├╝r diesen Vertrauensverlust k├Ânnte kaum heikler sein: Noch am Mittwochabend trat Johnson vor die Presse und k├╝ndigte die Einf├╝hrung des sogenannten Plans B in England an. Es sei zunehmend klar, dass sich die Omikron-Variante sehr viel schneller ausbreite als die bislang vorherrschende Delta-Variante, so Johnson. Demnach gilt von kommender Woche an wieder die Aufforderung, von zuhause zu arbeiten. Auch die Maskenpflicht wird versch├Ąrft und bei bestimmten Gro├čveranstaltungen wird k├╝nftig ein Impfnachweis oder ein negatives Testergebnis gefordert.

In der Tory-Partei mehrten sich Stimmen, die zweifeln, ob sch├Ąrfere Regeln ├╝berhaupt noch durchzusetzen sind, wenn in der Bev├Âlkerung der Eindruck erweckt wird, dass die Regierung mit zweierlei Ma├č misst.

Wein und H├Ąppchen, eng an ang

In der Downing Street sollen am 18. Dezember 2020 nach Informationen mehrerer Medien 40 bis 50 Mitarbeiter eng an eng bei Wein und H├Ąppchen gefeiert haben, es sei gewichtelt worden. Mittlerweile ist sogar von weiteren Partys in der Downing Street w├Ąhrend des Lockdowns die Rede. Damals galten scharfe Kontaktbeschr├Ąnkungen; Partys und Versammlungen waren verboten. Die Regierung dementierte die Veranstaltung zwar nicht, betont aber seit Tagen, es seien keine Corona-Regeln verletzt worden - wie nun auch Johnson es erneut tat.

Und das, obwohl der Sender ITV am Dienstagabend ein Video ver├Âffentlichte, das ein paar Tage sp├Ąter, am 22. Dezember 2020, in der Downing Street aufgezeichnet wurde. In der Hauptrolle: Johnsons damalige Sprecherin Stratton, die f├╝r eine Pressekonferenz probt. Scherzhaft befragt ein Mitarbeiter Stratton nach einer Feier, die Anwesenden witzeln ├╝ber "Wein und K├Ąse". "Bei dieser fiktionalen Party hat es sich um ein Gesch├Ąftstreffen gehandelt, und es gab keine sozialen Abstandsregeln", antwortet Stratton lachend.

Das Echo: verheerend. ITV-Moderator Tom Bradby sagte seinem Millionenpublikum: "Sie lachen uns aus. Euch, mich, uns alle." Am schlimmsten d├╝rfte Johnson aber die mittlerweile offene Kritik aus den Reihen seiner eigenen Partei treffen. Der Chef der schottischen Konservativen, Douglas Ross, sagte, sollte Johnson das Parlament get├Ąuscht haben, m├╝sse er zur├╝cktreten. Mehrere Abgeordnete erinnerten daran, dass viele Menschen sich damals nicht von sterbenden Verwandten und Freunden verabschieden durften. Am 18. Dezember 2020 meldete die Regierung 514 Corona-Tote an einem Tag.

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