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"Ein Gigant im Kampf gegen S├╝dafrikas Apartheid"

Von dpa
Aktualisiert am 26.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Desmond Tutu: Der Erzbischof starb im Alter von 93 Jahren.
Desmond Tutu: Der Erzbischof starb im Alter von 93 Jahren. (Quelle: i Images/imago-images-bilder)
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Desmond Tutu war einer der bekanntesten Wortf├╝hrer im Kampf gegen S├╝dafrikas

Desmond Tutu ist tot. Der weltbekannte s├╝dafrikanische Friedensnobelpreistr├Ąger, Menschenrechtler und emeritierte Erzbischof starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren, wie S├╝dafrikas Pr├Ąsident Cyril Ramaphosa bekannt gab. Als prominentester Geistlicher des Landes war er jahrzehntelang das moralische Gewissen des Kap-Staates.

Gemeinsam mit Nelson Mandela k├Ąmpfte er gegen das rassistische Apartheidsystem, das eine wei├če Dominanz festschreiben wollte. Nach dessen ├ťberwindung pr├Ągte er einst den Begriff der "Regenbogennation". "F├╝r viele in S├╝dafrika und auch der Welt war sein Leben ein Segen", schrieb seine Stiftung. Er sei ein au├čergew├Âhnlicher Mensch gewesen, dessen Stimme Gewicht gehabt habe. Weitere Institutionen und Politiker gedachten Tutu mit r├╝hrenden Worten.

"Betr├╝bliche Nachricht"

Das Nobelpreiskomitee sprach in einer Stellungnahme von einer "betr├╝blichen Nachricht". Bundeskanzler Olaf Scholz kondolierte in einem Schreiben: "Desmond Tutu hat entscheidend zur Beendigung der Apartheid in S├╝dafrika beigetragen". Er habe sich lebenslang f├╝r die Prinzipien von Menschlichkeit, Freiheit und Gleichheit eingesetzt. "Gerade in der Weihnachtszeit und angesichts seines Todes sind dies Werte, die wir besonders feiern und die wir hochhalten", hie├č es in dem Schreiben.

Der britische Premierminister Boris Johnson w├╝rdigte ihn als wichtige Pers├Ânlichkeit im Kampf gegen die Apartheid und beim Aufbau eines neuen demokratischen S├╝dafrikas. David Sassoli, der Pr├Ąsident des Europaparlaments, bezeichnete ihn als eine echte Inspiration und "einen Giganten im Kampf gegen S├╝dafrikas Apartheid".

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"Hat sein Leben der Freiheit gewidmet"

Frankreichs Pr├Ąsident Emmanuel Macron ├Ąu├čerte sich ├Ąhnlich. EU-Ratspr├Ąsident Charles Michel nannte Tutu einen "Giganten, der gegen die Apartheid aufstand": "Ein Mann, der mit starkem Engagement f├╝r die Menschenw├╝rde sein Leben der Freiheit gewidmet hat."

Bereits am Mittag waren auf TV-Bildern Menschen zu sehen, die Blumen vor seinem Denkmal in Kapstadts Waterfront niederlegten. Die Stadtverwaltung will als Verbeugung vor Tutus Verm├Ąchtnis in den kommenden Tagen das Wahrzeichen der Stadt ÔÇô den alles ├╝berragenden Tafelberg ÔÇô im bisch├Âflichen Violett anstrahlen.

"Er schloss einfach seine Augen"

Ob Rassendiskriminierung oder andere Ungerechtigkeiten: Tutu fand stets klare Worte. Als streitbarer anglikanischer Gottesmann wurde er zur Stimme des Widerstands und erhielt 1984 f├╝r seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregime den Friedensnobelpreis. "Er nahm Gott, Gottes Willen und Gottes Sch├Âpfung todernst", schrieb Kapstadts Erzbischof Thabo Makgoba. Nach Angaben der aus Kapstadt stammenden Infrastrukturministerin Patricia de Lille starb Tutu friedlich im Kreise seiner Familie. "Er sah so friedlich aus ÔÇô er schloss einfach seine Augen", sagte sie bei einer kurzen Gedenkveranstaltung.

Mit seinem au├čergew├Âhnlichen Intellekt sei Tutu inspirierend, prinzipienfest und pragmatisch gewesen, meinte Pr├Ąsident Ramaphosa. Er betonte: "Der Tod des emeritierten Erzbischofs Desmond Tutu ist ein weiteres Kapitel der Trauer im Abschied unseres Landes von einer Generation herausragender S├╝dafrikaner, die uns ein befreites S├╝dafrika hinterlassen haben."

Nach Angaben der amtierenden Koordinatorin von Tutus B├╝ros, Ramphela Mamphele, war Tutu am Morgen in einem Seniorenheim in Kapstadt gestorben. S├╝dafrika und die Welt h├Ątten eines ihrer moralischen Vorbilder verloren. "Der Erzbischof war ein moralischer Kompass f├╝r unsere Gesellschaft", sagte im TV-Sender eNCA Verne Harris von der Nelson-Mandela-Stiftung. Er sei seiner Zeit oft voraus gewesen.

Tutu hinterl├Ąsst vier Kinder

Der am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp bei Johannesburg geborene Tutu war nach dem Ende der Apartheid einer der Verfechter der Auss├Âhnung zwischen Schwarz und Wei├č. Er ├╝bernahm 1996 den Vorsitz der Wahrheits- und Vers├Âhnungskommission, die die Verbrechen der Apartheidzeit aufarbeitete. Obwohl er sich dem heute regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) seines Freundes Nelson Mandela im Anti-Apartheid-Kampf verbunden f├╝hlte, kritisierte er den ANC sp├Ąter f├╝r Missst├Ąnde oder Fehlentwicklungen.

Aus der ├ľffentlichkeit zog er sich nach der Fu├čball-Weltmeisterschaft 2010 in S├╝dafrika immer mehr zur├╝ck. Obwohl er zunehmend zur Behandlung ins Krankenhaus musste, meldete er sich aber bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer stets lautstark zu Wort. Er hinterl├Ąsst seine Frau Leah und vier Kinder.

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Einen seiner letzten ├Âffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine Familie vorstellte und der bereits sehr gebrechlich wirkende Tutu dem kleinen Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

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