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"Ich habe einen Sohn verloren und er feiert eine Party"

Von dpa
Aktualisiert am 10.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Boris Johnson Leaves 10 Downing Street For Prime Minister s Questions British Prime Minister Boris Johnson leaves 10 Do
Boris Johnson: Trotz Lockdowns hatte der Premierminister an mehreren Feiern teilgenommen. (Quelle: NurPhoto/imago-images-bilder)
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Dass der britische Premierminister Boris Johnson w├Ąhrend des Lockdowns Partys feierte, st├Â├čt der Bev├Âlkerung sauer auf. Langsam zeigt sich die Wut dar├╝ber auch in den Umfragen.

Seit Susan Whatmough aus dem ostenglischen Boston w├Ąhlen darf, hatte die konservative Tory-Partei ihre Stimme sicher. "Ich habe immer die Tories gew├Ąhlt ÔÇô aber ich w├╝rde es nicht wieder tun", sagt die rothaarige Frau im Pelzmantel, w├Ąhrend ├╝ber den Fachwerkgassen der Kleinstadtidylle langsam die Sonne untergeht. Dass der britische Premier Boris Johnson w├Ąhrend des Lockdowns in der Downing Street nicht nur Partys zugelassen, sondern wohl sogar selbst mitgefeiert hat, hat das Fass f├╝r sie zum ├ťberlaufen gebracht. "Ich habe in dieser Zeit einen Sohn verloren und die Queen ihren Ehemann ÔÇô und er feiert eine Party."


Fotoshow: So exzentrisch gibt sich Boris Johnson

Nicht zu stoppen: Boris Johnson rennt bei einem kurzen Rugbyspiel mit Sch├╝lern in Tokio den 10-j├Ąhrigen Toki Sekiguchi um.
Nicht bei allen beliebt: B├╝rgermeister Johnson weiht eine neue Radspur in London ein. Ein anderer Radfahrer zeigt ihm, was er von ihm h├Ąlt.
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Susan und Lesley Whatmough: Sie haben einen Sohn verloren.
Susan und Lesley Whatmough: Sie haben einen Sohn verloren. (Quelle: Larissa Schwedes/dpa-bilder)
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Sucht man Orte, an denen die Menschen zu den Tories halten, ist die Kleinstadt Boston eine sichere Bank. Bei der j├╝ngsten Parlamentswahl 2019 erzielten die Tories rund 77 Prozent der Stimmen, der Wahlkreis ist schon immer eine Bastion der Partei gewesen. Beim Brexit-Referendum stimmten in Boston drei von vier B├╝rgern daf├╝r. Was denkt man hier also ├╝ber die "Partygate"-Aff├Ąre, die seit Wochen in Westminster Gespr├Ąchsthema Nummer eins ist? Will man in Boston weiter von Partyk├Ânig Boris Johnson regiert werden? Oder interessiert das Thema in der "echten Welt" gar nicht, wie es der neue Brexit-Staatssekret├Ąr Jacob Rees-Mogg zuletzt vermutete?

Lockdown-Party? "Haben alle gemacht"

"Ich bin f├╝r ihn", sagt Kelly Brandon, die auf dem Marktplatz Obst und Gem├╝se verkauft. "Alle haben das gemacht", meint sie zu den Lockdown-Partys. "Ich wei├č, er sollte ein Vorbild sein, war er aber nicht. Kommt dar├╝ber hinweg, es ist keine so gro├če Sache." Es ist nicht das einzige Mal auf diesem Streifzug, dass jemand eingesteht, auch selbst das ein oder andere Mal gefeiert zu haben ÔÇô nur eben nicht erwischt worden zu sein. Ein Rentner mit dickem, braunem Schn├Ąuzer hofft, dass Johnson von seinen Kollegen nicht so bald gest├╝rzt wird. Zwar sei der Premier ein "bisschen ein Clown" ÔÇô aber auch "brillant f├╝r unser Land".

Doch so klare F├╝rsprecher finden sich nicht an jeder Ecke. Die Tories gew├Ąhlt, ja, das haben in Boston viele ÔÇô der Mann im Karohemd, der in der blauen Daunenjacke, Susan Whatmough und ihr Mann und viele andere mehr. Dass die Zeit des Premiers abgelaufen ist, finden sie trotzdem.

F├Ąhrt man in diesen turbulenten Wochen durchs Land, h├Ârt man viele Bezeichnungen f├╝r Boris Johnson ÔÇô "Clown" ist eine der harmloseren davon. Verl├Ąsst man die Tory-Hochburg Boston, werden die Begriffe derber und sind die Unterst├╝tzer schwieriger zu finden. So auch in der Hafenstadt Hartlepool an der Nordostk├╝ste Englands ÔÇô und das, obwohl die jahrzehntelange Bastion der sozialdemokratischen Labour-Partei seit einer Nachwahl im vergangenen Jahr ebenfalls fest in Tory-Hand ist. Die gr├╝ne Aufschrift "Jill Mortimer MP" auf den Scheiben des Wahlkreisb├╝ros gl├Ąnzt noch.

Region ist jetzt "Red Wall Seat"

Boris Johnson fuhr damals, im Fr├╝hjahr 2021 auf dem H├Âhepunkt der Impfkampagne, gute Umfragewerte ein und seine Parteikollegin Mortimer zog mit 60 Prozent der Stimmen als erste konservative Abgeordnete f├╝r Hartlepool ins Unterhaus. Die Region ist damit der j├╝ngste "Red Wall Seat" ÔÇô so werden die Wahlkreise genannt, die traditionell in Labour-Hand waren und erst k├╝rzlich an die Tories gingen.

"Er muss zur├╝cktreten. Er hat das Parlament angelogen, er muss gehen!", sagt der Rentner Dougie Maclean, den man am Abend im "Three Brass Monkeys"-Pub beim Pint antrifft, und der sein Kreuz auf dem Wahlzettel ├╝blicherweise bei Labour setzt. Die Maskottchen des Pubs sind die drei ber├╝hmten Affenk├Âpfe, von denen sich einer den Mund, einer die Augen und der dritte die Ohren zuh├Ąlt. Nicht ganz so genau hinzuschauen, was denn nun eine Party war und was nicht, h├Ąlt auch Carol Brown vom Nebentisch f├╝r angebracht. Sie und ihr Mann haben nie gew├Ąhlt, interessieren sich nicht besonders f├╝r Politik. Johnson habe es wirklich schwer gehabt ÔÇô und wenn jemand anderes Premierminister gewesen w├Ąre, h├Ątte der sicher auch gefeiert. "Ich finde, er sollte bleiben. Ich mag ihn", sagt Brown.

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F├╝r einige ist es unvorstellbar, wie man in Hartlepool leben und die Tory-Partei unterst├╝tzen kann. "Hartlepool hat nichts, die Menschen in Hartlepool haben rein gar nichts", sagt einer von wenigen Spazierg├Ąngern am Strand der Stadt, ein 77 Jahre alter Anwohner, der sich noch daran erinnert, wie in seiner Jugend die heute fast verfallene Pier gebaut wurde.

"Eigentlich egal, wer Premierminister ist"

Mit seinem breiten Sandstrand und den sanften D├╝nen k├Ânnte Hartlepool eigentlich ein Touristenparadies sein. Doch es gibt keine Strandk├Ârbe, keinen Steg, nicht einmal einen Kiosk, an dem man sich im Sommer ein Eis kaufen k├Ânnte. An einem sonnigen Februartag liegt die K├╝ste fast verlassen da, ein paar Gassi-G├Ąnger lassen sich an einer Hand abz├Ąhlen. Wer in Hartlepool lebt, kann es sich meist nicht leisten, einfach nur die Natur zu genie├čen.

In der Innenstadt stehen viele Ladenlokale leer oder haben ihre Rolll├Ąden bis ganz nach unten gezogen. An einem ehemals prachtvollen Bau fehlt eine der gro├čen Lettern, das einstige "Grand Hotel" ist heute nur noch "Rand Hotel". Viele hier eint, dass sie wenig Hoffnung haben. "Es ist eigentlich egal, wer Premierminister ist", meint Rosemary Sladden, die schon in aller Welt, auch in Deutschland, gelebt hat. "Der eigentliche Schaden ist entstanden, als wir Europa verlassen haben." Sie selbst hat mit der Politik abgeschlossen.

So geht es auch zwei Taxifahrern, die vor dem Bahnhof auf Fahrg├Ąste warten und f├╝r Boris Johnson nur ein m├╝des Lachen ├╝brighaben. Beide hatten zumindest gehofft, dass der Brexit ihr Leben verbessern w├╝rde ÔÇô doch sind bislang auch sie davon entt├Ąuscht. Sie emp├Âren sich, dass sich politische Kontrahenten in Westminster im Parlament scharf angehen und danach zusammen im Pub ein Bier trinken. Eine korrupte, elit├Ąre Hauptstadtblase, die nichts davon wisse, was die Menschen hier im Norden besch├Ąftigt. "Die sind doch alle gleich", meint einer von beiden. Ob Boris Johnson oder nicht ÔÇô das ist hier eine Nebensache.

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