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Brett Kavanaugh weist Missbrauchsvorwürfe zurück

Anhörung im US-Senat  

Kavanaugh weist Vorwürfe zurück – Trump hält zu ihm

28.09.2018, 03:30 Uhr | fab, job, t-online.de, dpa

Trump deutet Meinungswechsel bei Richter-Kandidat an (Quelle: Screenshot Reuters)
"Möglicherweise ändere ich meine Meinung"

Im Senat sollen am Donnerstag Kavanaugh und ein mutmaßliches Opfer, eine Psychologie-Professorin, in einer mit Spannung erwarteten Anhörung aussagen. (Quelle: Reuters)

Trump mit Blick auf umstrittenen Richter-Kandidaten: "Möglicherweise ändere ich meine Meinung". (Quelle: Reuters)


Nach dem mutmaßlichen Missbrauchsopfer Ford spricht Kavanaugh: Der Richterkandidat weist die Vorwürfe gegen ihn entschieden zurück. Präsident Trump hält weiter zu ihm. 

Der Supreme-Court-Kandidat Brett Kavanaugh hat in einer Anhörung vor dem US-Senat die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn energisch zurückgewiesen. "Ich habe niemals irgendjemanden sexuell genötigt", sagte Kavanaugh vor dem Justizausschuss. US-Präsident Donald Trump hatte den Juristen im Juli für den hochrangigen Richterposten vorgeschlagen. "Ich bin unschuldig."

Kavanaugh kündigte an, an seiner Bewerbung für das höchste US-Gericht festzuhalten. "Sie mögen mich in der Endabstimmung besiegen, aber sie werden mich nie dazu bringen, aufzugeben", sagte der aufgebrachte 53-Jährige an die Adresse seiner Gegner.

Trump lobte den Auftritt und stellte sich klar hinter seinen Richterkandidaten. "Richter Kavanaugh hat Amerika genau gezeigt, warum ich ihn nominiert habe", schrieb Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) wenige Minuten, nachdem die Anhörung vor dem US-Senat zu den Anschuldigungen gegen Kavanaugh endete. "Seine Aussage war stark, ehrlich und fesselnd."

Die Strategie der Demokraten, die Ernennung des Richters für den Supreme Court zu verhindern, sei schändlich, beklagte der Präsident. Der Senat müsse nun über die Personalie abstimmen, verlangte Trump in seinem Tweet.

Ford: 100 Prozent sicher, dass es Kavanaugh war

Zuvor hatte die Psychologie-Professorin Dr. Christine Blasey Ford den Kandidaten Kavanaugh in einer hoch emotionalen Ansprache vor dem Justizausschuss schwer belastet. Ford zeigte bei der Befragung keine Zweifel daran, dass es Kavanaugh gewesen sei, der 1982 bei einer Schülerparty versucht habe, sie zu vergewaltigen. Sie sei sich zu 100 Prozent sicher.



Ford beschrieb detailliert, wie ein betrunkener Kavanaugh in Anwesenheit einer seiner Freunde sexuell übergriffig geworden sei und seine Hand auf ihren Mund gelegt habe, um sie am Schreien zu hindern. "Es war schwer für mich zu atmen, und ich dachte, dass Brett mich versehentlich töten würde."

Christine Blasey Ford vor dem US-Senat: Die Professorin bekräftigte ihre Missbrauchsvorwürfe gegen Kavanaugh.  (Quelle: Reuters/Andrew Harnik/Pool)Christine Blasey Ford vor dem US-Senat: Die Professorin bekräftigte ihre Missbrauchsvorwürfe gegen Kavanaugh. (Quelle: Andrew Harnik/Pool/Reuters)

Ford sagte, sie habe wegen des Vorfalls an Angstzuständen, Platzangst, Panik und Symptomen gelitten, die einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnelten. "Ich bin heute nicht hier, weil ich das will", sagte Ford. "Ich habe Angst. Ich bin hier, weil ich glaube, dass es meine Bürgerpflicht ist, Ihnen zu erzählen, was mir passiert ist, als Brett Kavanaugh und ich auf der High School waren." 

Kavanaugh sagte in seiner Stellungnahme im Anschluss an Fords Befragung: "Ich war nicht bei der Party, die Dr. Ford beschreibt." Er ziehe nicht in Zweifel, dass Ford von irgendjemandem irgendwann an irgendeinem Ort sexuell missbraucht worden ist, sagte Ford. Jedoch nicht von ihm. "Ich habe niemals irgendjemanden sexuell genötigt", sagte Kavanaugh in seiner Stellungnahme. Während seiner fast einstündigen Ansprache wurde seine Stimme mehrfach laut. Später kämpfte er wiederholt mit den Tränen.

Kavanaugh: Kalkulierter und orchestrierter Rufmord

Kavanaugh sprach von einem kalkulierten und orchestrierten Rufmord. "Das ist ein Zirkus", sagte er. "Die Konsequenzen werden sich weit über meine Nominierung hinaus hinziehen." Er sagte zu den Anschuldigungen: "Das zerstört meine Familie und meinen guten Namen."

Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Gegenstand einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Trumps Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Für diesen Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss über eine Empfehlung Kavanaughs angesetzt. Danach muss der US-Senat über die Berufung des 53-Jährigen an das höchste US-Gericht abstimmen.

"Dieser Nominierungsprozess ist zu einer nationalen Schande verkommen, sagte der Jurist. Er warf den oppositionellen Demokraten vor, eine politische Kampagne gegen ihn zu fahren. "Seit meiner Nominierung im Juli gab es eine Besessenheit auf Seiten der Linken, irgendetwas zu finden, um meine Bestätigung zu verhindern."

Zwei weitere Frauen erheben Vorwürfe

Trump hatte Kavanaugh im Juli für den hochrangigen Richterposten vorgeschlagen. Kurz vor der Entscheidung des US-Senats über die Personalie waren Fords Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit gekommen. Später meldete sich eine frühere Kommilitonin Kavanaughs an der Universität Yale, Deborah Ramirez. Sie gibt an, Kavanaugh habe sie bei einer Studentenparty Anfang der 80er Jahre sexuell belästigt.

Am Mittwoch – also kurz vor Fords Anhörung – ließ eine weitere Frau, Julie Swetnick, über ihren Anwalt eine Erklärung veröffentlichen. In der Erklärung wirft sie Kavanaugh vor, er habe in den 80er Jahren bei diversen Partys in angetrunkenem Zustand junge Frauen sexuell belästigt. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • dpa

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