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Machtkampf in den USA: Donald Trump ist sich selbst sein liebster Feind

MEINUNGMachtkampf in Amerika  

Die Weicheier waren zu hart für Donald Trump

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

28.01.2019, 13:37 Uhr
Machtkampf in den USA: Donald Trump ist sich selbst sein liebster Feind. Donald Trump: Der US-Präsident hat in kurzer Zeit zwei Rückschläge erlitten. (Quelle: imago images/Olivier Douliery)

Donald Trump: Der US-Präsident hat in kurzer Zeit zwei Rückschläge erlitten. (Quelle: Olivier Douliery/imago images)

Doppelschlag für Präsident Trump: Seine mexikanische Mauer bekommt er nicht gebaut und verliert deshalb an Nimbus. Dazu gerät ein alter Vertrauter, der Kontakt zu einem russischen Hacker hatte, in Haft.

Donald Trump ist seit zwei Jahren im Amt. Für einen Mann von 72 Jahren besitzt er ein unfassbares Stehvermögen und ein absonderliches Gemüt. Er lebt auf seinem eigenen Planeten, der nur um einen kreist: ihn selber. Seine größte Stärke ist seine größte Schwäche: er selber. Wenn ihn jemand zu Fall bringen sollte, dann nur einer: er selber.

Das Glück des Selbstbeweihräucherers verließ ihn jetzt und die Frage ist, für wie lange. Er machte, was er immer macht. Er redete abfällig wie ein Schiffsschaukelbremser über den Kongress und versuchte, ihn zu erpressen: Wenn nicht Geld für die Mauer an der mexikanischen Grenze, dann Stillstand der Bundesverwaltung. Wenn ihr nicht macht, was ich will, dann sind die fabelhaften Vereinigten Staaten von Amerika kein souveränes Land mehr. Und ich habe den längsten Atem, den je ein Präsident hatte. Ich bin aus Stahl und ihr seid Weicheier.

Trumps Freunde sind nicht erfreut

Der Schiffsschaukelbremser ist gegen die Wand gelaufen. Die Weicheier erwiesen sich aus Stahl. Zu seinen Wählern gehören die Leute, die unter dem Stillstand litten und deshalb ging Trumps Popularität zurück. Er musste klein beigeben und einen Kompromiss eingehen. Jetzt dürfen 700.000 Angestellte der Bundesverwaltung wieder arbeiten und Gehaltsschecks ausstellen und die Empfänger von milden Gaben vom Staat können erleichtert sein. Bis zum 15. Februar werden Präsident und Kongress darüber verhandeln, wie es weitergehen soll.

„Shutdown“: Darum geht es im US-Haushaltsstreit. (Quelle: t-online.de)

An diesem Machtkampf ist zweierlei interessant. Die erstaunliche Kritik am Präsidenten von seinen besten Freunden und parallel dazu die Verhaftung eines Ratgebers, der im Wahlkampf an seiner Seite stand.

Da gibt es Ann Coulter, eine fundamentalistische Konservative, die solche Bücher schreibt wie "Hochverrat: Der Verrat der Linken vom Kalten Krieg bis zum Terrorismus." Als Trump einlenkte, nannte sie ihn den größten Schwächling unter den Präsidenten, den es je gegeben habe. Wie der Mann im Weißen Haus besitzt sie eine Vorliebe für schreiende Superlative. Coulter schrieb auch, wenn er die Mauer nicht baue, habe er das Volk betrogen und werde 2020 nicht wieder gewählt. Fehlt nur noch, dass sie ihm Hochverrat vorwirft.

Große Enttäuschungen

Auch ideologische Fanfarenbläser wie der "Drudge Report" oder "Breitbart" zeigten sich enttäuscht darüber, dass es keine Mauer gibt. Fox News, der Trump-Haussender, der seinen treuesten und gläubigsten Zuschauer im Weißen Haus nicht verlieren möchte, kaschierte die üble Niederlage und bemühte sich um Verständnis.

Es gibt den schönen Aphorismus: Freunde laufen dir zu, sei vorsichtig in der Auswahl deiner Feinde. Wer die Feinde für die amerikanischen Nationalisten sind, lässt sich unschwer lesen, jeden Tag: Die Demokraten in Gestalt von Nancy Pelosi und die liberalen Medien. Washington in der Inkarnation eines Verteilungsstaates. Internationale Bündnisse.

Schwierig wird es nur, wenn die Überzeugungstäter unter den Freunden feststellen, dass das Medium ihrer Überzeugungen, nämlich Donald J. Trump, nicht mehr im genügenden Maß der Täter ist, den sie im Fernsehen, in Büchern und im Radio feiern. Sie sind treulos, denn ihnen geht es nicht um die Person, sondern um die Sache. Die Sache ist Amerika, eine Wiedergeburt aus dem Geiste des tiefenscharfen Konservatismus. Ihnen sind die Wünsche/Bedürfnisse/Nöte der Trump-Wähler vollkommen gleichgültig, denn es geht ihnen nicht um Menschen, sondern um das Land.

Trump im Zwiespalt

So gut wie immer trennen sich die Ideologen und ihr Medium irgendwann, weil das Medium im Weißen Haus anderen Zwängen unterliegt, als die Überzeugungstäter draußen. Trump vermochte länger als irgendein anderer Präsident, seine Truppen beisammenzuhalten. Jetzt zeigen sich erste Entfremdungen. Das kann vorübergehen, da er genau weiß, was eine Abkehr der Bannerträger für ihn bedeutet. Das bedeutet aber auch, dass er bis zum 15. Februar eigentlich den Mauerbau durchsetzen muss, wobei sein Erpressungspotenzial geschrumpft ist. Einen neuen Stillstand des Staates kann er sich nicht leisten. Ein interessantes Dilemma.

Roger Stone: Gegen den Trump-Vertrauten ermitteln die Behörden. (Quelle: Amy Beth Bennett)Roger Stone: Gegen den Trump-Vertrauten ermitteln die Behörden. (Quelle: Amy Beth Bennett)

Am vorigen Freitag um sechs Uhr morgens durchsuchten FBI-Agenten ein Haus in Florida und verhafteten den Besitzer. Dabei waren sie allerdings weniger an der Person als an deren iPhones und Laptops und Computern interessiert, auch eine interessante Begleiterscheinung.

Roger Stone ist ein lang gedienter Berater von The Donald. Er hatte im Wahlkampf Kontakt zu "Guccifer 2.0", das ist der Codename des russischen Hackers, der für den Militärgeheimdienst den E-Mail-Account der Demokraten knackte und über Julian Assange verbreitete, was Einfluss auf die Wahl Trumps gehabt haben soll – sehr vorsichtig gesagt. Stone schlug dann Guccifer. 2.0 eine "sichere Verbindung" über WhatsApp vor, die das FBI nun rekonstruieren will. Es geht darum, wie weit die Trump-Leute damals gingen und wie viel der Kandidat darüber wusste und ob er sie dazu antrieb, Verbindung zu allen möglichen Russen aufzunehmen, um deren Wissen abzuschöpfen.

Mueller ist Trumps Gegenteil

Diese Geschichte über den Moskauer Ehrgeiz, die Wahl zu beeinflussen, und die Anfälligkeit der Trump-Kampagne, darauf einzuschwenken, ist ziemlich kompliziert und unübersichtlich. Mit dieser Detektivarbeit ist der Sonderermittler Robert Mueller betraut. Er zieht in großer Ruhe und Verschwiegenheit seine Kreise, was den Präsidenten irritiert. Er lässt sich auch nicht durch Drohungen oder Gehässigkeiten beeindrucken. Mueller ist das krasse Gegenteil zu Trump: ein Melancholiker, weder pompös noch mediengeil, ein klassischer Staatsbeamter.


Ziemlich viele Leute haben sich ziemlich viel Dreck am Stecken im Wahlkampf geholt. Aus Loyalität gegenüber Trump oder auch aus Dummheit haben sie Illegales betrieben und stehen nun dank Mueller unter Anklage oder sind schon im Gefängnis. Roger Stone, ein Pfau, der sich in der Macht wie im Sonnenschein aalt, gesellt sich jetzt zu Michael Flynn (ehemals Nationaler Sicherheitsberater), Michael Cohen (der Anwalt, der die Geliebten Trumps zum Schweigen bringen sollte) und Paul Manafort (Wahlkampfmanager), das sind nur die Prominenten unter den Angeklagten. Ziemlich viel Ärger für Trump.

Doppelte Gefahr

Die Mauer und die Verhaftung haben nicht direkt miteinander zu tun. Es handelt sich um eine Koinzidenz, nicht um Kausalität. Nur im Präsidenten läuft beides zusammen und nur für ihn besteht ein Doppelproblem. Bekommt er seine Mauer nicht, laufen ihm die Gralshüter des Konservatismus davon. Jeder neue Verhaftete ist ein Gefahr für ihn, weil er aus dem Nähkästchen plaudern kann, um nicht ins Gefängnis gehen zu müssen.

Immer dreht sich die Welt um The Donald. Deshalb ist er sich selbst sein bester Feind.

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