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Meinung
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Donald Trump, der Virus-Bezwinger

Eine Kolumne von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 03.04.2020Lesedauer: 4 Min.
Donald Trump in Florida (Archivbild vom Oktober 2019): FĂŒr seinen Haussender "Fox News" ist er auch in der Corona-Krise ein Held.
Donald Trump in Florida (Archivbild vom Oktober 2019): FĂŒr seinen Haussender "Fox News" ist er auch in der Corona-Krise ein Held. (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters-bilder)
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Wundermittel gegen Corona! Trump als heroischer KĂ€mpfer gegen das Virus! Der Sender "Fox News" vermittelt US-Amerikanern ein Zerrbild der Corona-Krise – das kann eine Frage von Leben und Tod sein.

Guten Tag aus Washington!


Fotoshow: Die Chronologie von Trumps widersprĂŒchlichen Aussagen zum Coronavirus

Das Coronavirus hat die USA fest im Griff, nirgends steigen die Fallzahlen derart rapide wie in einigen Regionen des Landes. Der US-PrÀsident wollte von der Bedrohung lange nichts wissen. Eine Chronologie seiner Aussagen.
Am 21. Januar war Donald Trump sich sicher, dass das Virus in den USA unter Kontrolle gehalten werden kann: "Wir haben es vollkommen unter Kontrolle. Es geht um eine Person, die aus China gekommen ist. Wir haben es vollkommen unter Kontrolle. Alles wird gut sein."
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Der Takt der dĂŒsteren Schlagzeilen in den USA wird schneller: Insgesamt ĂŒber 6.000 Tote, zehn Millionen neue Arbeitslose, jeder zweite Arbeitnehmer spĂŒrt die Krise schon im Geldbeutel. Das war der Donnerstag.

Die dramatischsten Zahlen dieser Woche werden Sie schon gehört haben: 100.000 bis 240.000 Tote – das ist nun die offizielle SchĂ€tzung des Weißen Hauses mit einem oft vergessenen Nachsatz: Falls sich die Amerikaner streng an die Schutzmaßnahmen halten.

Zwar unterliegen nun 90 Prozent der Amerikaner einer Form der Ausgangssperre. Washington ist, wie viele andere StĂ€dte, leer gefegt. In meinem Viertel gehen wir uns respektvoll aus dem Weg, wenn wir uns beim kurzen Spaziergang begegnen. Die Nachbarn helfen einander bei den Besorgungen. Man kann den Mitarbeitern der stillgelegten CafĂ©s online ein bisschen Trinkgeld ĂŒberweisen. Das ist das eine.

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Doch in der medialen Öffentlichkeit ĂŒberlagert, selbst wenn es um Leben und Tod, Wohlstand und Gemeinschaft geht, die allmĂ€chtige Spaltung wieder einmal alles. Ich habe in dieser Woche, in der ich ohnehin ans Homeoffice, Fernseher und Rechner gefesselt bin, ausfĂŒhrlich "Fox News" geschaut – und zeige Ihnen, wie Trumps Amerika die Coronavirus-Krise serviert bekommt.

"Fox News" ist bekanntlich der Haussender des PrĂ€sidenten. Donald Trump und "Fox News" befruchten sich gegenseitig, verstĂ€rken sich, können nicht ohne einander. Stammzuschauer Trump verbreitet, was er dort sieht, "Fox" bĂŒgelt jede Kritik gegen Trump ab. Diese ganz besondere Beziehung habe ich schon einmal beschrieben, doch ihre Folgen waren wohl noch nie so todernst wie jetzt.

Es gibt zwei Phasen: In der ersten haben sich die Partner daran gemacht, die Bedrohung kleinzureden und Warnungen als parteiisch abzutun. Die Kurzversion: Moderatorin Laura Ingraham redete so lange vom Coronavirus als neuem "Schwindel" der Demokraten, bis es der PrÀsident beim Wahlkampfauftritt auch tat. Trump wiederum setzte parallel zu Quotenkönig Sean Hannity nachhaltig das Virus mit einer harmlosen Grippe gleich.

Moderatorin Ainsley Earhardt gab Mitte MĂ€rz, als Trump mit Verharmlosungen des Coronavirus die Wirtschaft stĂŒtzen wollte, dem Millionenpublikum diesen Rat: Jetzt sei die sicherste Zeit zu fliegen, weil die Airports leerer seien. Und Trump klaute den Satz, mit dem er das Land zu Ostern wieder öffnen wollte, nĂ€mlich, dass das "Heilmittel nicht schlimmer sein darf als das Problem", von Moderator Steve Hilton. Das war Phase eins.

Phase zwei begann in dieser Woche: Die Zeit, in der Warnungen vor hohen Totenzahlen nicht mehr lĂ€cherlich gemacht werden. Der mĂ€chtigste Meinungsmacher Hannity bezog am Montag Stellung vor dem schwimmenden Marinehospital, das Trump nach New York verlegen ließ. "Der PrĂ€sident baut die KrankenhĂ€user, der PrĂ€sident schickt das Schiff, der PrĂ€sident erfĂŒllt alle Versprechen", sagte er. Nur die Demokraten, die New York regierten, die hĂ€tten "das Volk im Stich gelassen". Hannity, der wochenlang die Warnungen verĂ€chtlich gemacht hatte, setzte den neuen Ton: Das Land stehe vor "ein paar sehr schweren Wochen".

Am Dienstag kam das Echo aus dem Weißen Haus: Trump warnte bei der tĂ€glichen Pressekonferenz vor "zwei sehr schmerzvollen Wochen", gekoppelt mit den erwarteten Totenzahlen, war das ein besonderer Moment: Der PrĂ€sident schien die Bedrohung erstmals ernst zu nehmen. Kurz danach hatte Hannity wohl eine positiv gemeinte Botschaft fĂŒr die Zuschauer: "Das ganze Land packt jetzt an – nur mit der Ausnahme der ĂŒblichen VerdĂ€chtigen: dem Medienmob und den untĂ€tigen Trump hassenden Demokraten."

Das Umschalten von Phase eins zu Phase zwei fÀllt so leicht, weil die Feinde dieselben bleiben: Demokraten und die Medien. Erst haben sie eine Bedrohung aufgebauscht, deren Lösung sie jetzt behindern. Teuflisch!

Die "Fox News"-Medienmacher regen sich jeden Abend so wunderbar ĂŒber "die Medien" auf, als seien sie nicht selbst Teil der Branche, sondern, sagen wir, aus der Baubranche. Das ist wirklich das beste Rezept des erfolgreichen Medienunternehmens Fox News.

Interessieren Sie sich fĂŒr US-Politik? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ĂŒber seine Arbeit im Weißen Haus und seine EindrĂŒcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Neuester Dreh der Fox-Meinungsmacher ist es, so wie Trump im Weißen Haus, voreilig die mögliche Wirkung von Medikamenten wie mit dem Malariamittel Hydroxychloroquin gegen Covid-19 zu preisen. Abend fĂŒr Abend gibt es neue Erfolgsmeldungen, oft tritt ein Arzt auf, der von einem "Game Changer" spricht – auch wenn die Wissenschaft skeptisch bleibt. Ein US-Arzt, den ich interviewte, setzt zwar selbst Hoffnung in die Forschungen, findet die Art, wie Trump darĂŒber spricht, aber schlichtweg "gefĂ€hrlich".

Trump als Held, Chloroquin als Wundermittel, die Demokraten und Medien als Feinde Amerikas – so erleben Sie diese Krise, wenn Sie die Meinungsshows auf "Fox News" schauen. Trumps Reisesperre gegen China ist laut Hannity ĂŒbrigens die "wichtigste Entscheidung der Geschichte". Nur vom Mangel an Tests und medizinischer AusrĂŒstung, die den Kampf gegen das Virus erschweren, hört man wenig.

Warum ich Ihnen das alles schildere? Weil es Auswirkungen hat. Wer sich vor allem ĂŒber "Fox News" informiert, blickt anders auf die Krise. Das hat nun auch eine Umfrage des Pew Research Center belegt:

  • 79 Prozent der Fox-Zuschauer sagen, dass die Medien (der wunderbare Trick mit "den Medien") die Bedrohung ĂŒbertrieben.
  • Nur 51 Prozent sagen (wie die Wissenschaft, aber anders als Trump), dass es ein Jahr dauern werde, bis eine Impfung gegen Covid zur VerfĂŒgung stehe.

Wird sich jemand, der glaubt, die Medien ĂŒbertrieben und ein Impfmittel stehe bald bereit, also wirklich streng an die Maßnahmen halten, woran die Experten im Weißen Haus die Prognose der US-Totenzahlen knĂŒpfen? "Fox News"-Zuschauer sind jedenfalls besonders gefĂ€hrdet, denn sie sind im Schnitt deutlich Ă€lter als das Publikum der Konkurrenz.

Ein Opfer hat die Desinformationskampagne des Senders ĂŒbrigens schon gefordert: Die Moderatorin Trish Reagan vom Zwillingssender "Fox Business" wurde suspendiert, nachdem sie vor einer Schautafel zum "Coronavirus-Impeachment-Schwindel" behauptet hatte, die Demokraten wĂŒrden mit dem Virus die MĂ€rkte zum EinstĂŒrzen bringen und den PrĂ€sidenten zerstören wollen.

Ein klassisches Bauernopfer. Sie hatte auch nichts anderes gesagt als Sean Hannity oder Laura Ingraham. Doch die großen Stars von "Fox News" sind weiter Abend fĂŒr Abend auf Sendung, nach Regeln, die auch die so einschneidende Corona-Krise nicht erschĂŒttern kann.

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