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Was hinter dem Code der Trump-Anhänger steckt

  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington

Aktualisiert am 17.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Schlachtruf der Rechten: Let's go, Brandon!
Schlachtruf der Rechten: Let's go, Brandon! (Quelle: imago-images-bilder)
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Ein merkwürdiger Ruf schallt neuerdings durch Amerika: "Let's go Brandon!". Damit versuchen Anhänger von Donald Trump, den aktuellen US-Präsidenten Joe Biden zu diffamieren.

Auch US-Präsidenten müssen damit leben, nicht von jedem geliebt zu werden. Mit dem Amt gehen bisweilen sogar öffentliche Beschimpfungen einher. Während etwa Donald Trump Präsident war, hielt der Schauspieler Robert de Niro im Jahr 2018 eine Rede bei den Tony Awards in New York. Der Hollywoodstar trat ans Mikrofon und sagte: "Eine Sache habe ich zu sagen: Fuck Donald Trump!" Jubelstürme brachen im Saal los. De Niro reckte seine Fäuste in die Höhe und rief noch einmal: "Fuck Donald Trump!"

Im Jahr 2021 gibt es einen neuen US-Präsidenten und dazu auch eine neue Beschimpfung. Doch die Art und Weise, wie sie geäußert wird, hat eine neue Qualität. Schon seit Wochen wird Joe Biden mit einem rätselhaften Ausruf geschmäht, der sich ihm auf den ersten Blick gar nicht zuordnen lässt. Und dieser Satz klingt scheinbar auch nicht wie ein Angriff, sondern eher wie ein sportlicher Anfeuerungsruf: "Let's go Brandon!"

Wie bitte? Dieser zunächst vielleicht unverständliche Satz wird mittlerweile von Hunderten und Tausenden in den USA gerufen – ob in Stadien oder bei Konzerten. Die Macher der rechtsalternativen Plattform "Gettr" mieten sogar Sportflugzeuge und lassen sie mit riesigen "Let's go Brandon!"-Spruchbändern über die Baseball- und Footballarenen im ganzen Land fliegen.

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Diverse Songs mit dieser Zeile wurden inzwischen geschrieben, millionenfach heruntergeladen und angehört. Selbst die Sängerin Adele wurde damit kurzzeitig von Platz 1 in den iTunes-Charts verdrängt. Der Fox-News-Moderator Tucker Carlson beschäftigte sich mit "Let's go Brandon!" in seiner Sendung. Auf Donald Trumps Kampagnen-Webseite "Save America", auf der er Geld einsammelt, können seine Anhänger T-Shirts mit diesem Spruch kaufen.

Und Ende vergangener Woche war es schließlich so weit: Ein NBC-Reporter fragte bei der Pressekonferenz im Weißen Haus die Sprecherin des US-Präsidenten, was denn Joe Biden zu diesem Ruf sagen würde. Jen Psakis knappe Antwort: "Ich denke, der Präsident verbringt nicht viel Zeit damit, sich darauf zu fokussieren oder daran zu denken."

Ein Code der Trump-Anhänger

Was also hat es damit auf sich? Tatsächlich bedeutet "Let's go Brandon!" nichts anderes als "Fuck Joe Biden!". Das Lager der Trump-Anhänger und Biden-Gegner verwendet ihn schon seit Wochen, gewissermaßen als Code, manchmal auch in der Abkürzung "LGB!".

Seinen Anfang nahm dieser Spruch im Oktober. Bei einem Autorennen im Bundesstaat Alabama gewann der Rennfahrer Brandon Brown den ersten Platz. Die NBC-Reporterin Kelli Stavast interviewte den Sieger auf der Rennstrecke. Im Hintergrund die Zuschauertribüne, von der aus zahlreiche Trump-Anhänger Joe Biden in Sprechchören beschimpften.

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Kelli Stavast aber kommentierte in ihrem Interview die Rufe mit den Worten "... wie du die Rufe hören kannst ... Let's go Brandon!" Bis heute ist unklar, ob die Journalistin die Sprechchöre einfach falsch verstanden hat oder diese bewusst umdeutete.

Für die politischen Gegner des amtierenden Präsidenten Joe Biden jedenfalls war damit ein neuer Schlachtruf geboren. "Let's go Brandon!" ist dabei mehr als nur eine frivole Beschimpfung und darum selbst bei höchsten Repräsentanten der Republikaner so beliebt. Denn er transportiert nicht nur eine codierte Beleidigung Bidens.

Vermittelt wird damit zugleich die beliebte Erzählung von den angeblichen "Fake News Media", also der vermeintlichen "Lügenpresse". "Let's go Brandon!" steht zugleich für den unbewiesenen Vorwurf, die NBC-Reporterin habe die "Fuck Joe Biden"-Rufe gezielt verschwiegen, um den derart geäußerten Unmut über den US-Präsidenten der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

Damit unterscheidet sich dieser Satz auch von Robert de Niros wenig verklausulierter Schimpftirade gegen Donald Trump aus dem Jahr 2018. Die Phrase "Let's go Brandon!" wirkt als Mechanismus derzeit wie massenhaft praktiziertes Schulhofmobbing. Die Anhänger Trumps feixen über ihren gelungenen Coup, denn sie scheinen so eine Möglichkeit gefunden zu haben, ganz ohne böse Wörter trotzdem "Fuck you!" zu sagen.

Es ist es bemerkenswert, dass selbst republikanische US-Senatoren wie der Texaner Ted Cruz, Floridas Gouverneur Ron de Santis, der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, oder der Kongressabgeordnete Jeff Duncan öffentlich mit diesem Code kokettieren.

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Auch, dass ein ehemaliger US-Präsident, der womöglich wieder ins Weiße Haus will, mit diesem Spruch billige Merchandise-T-Shirts vertreibt, ist neu. Angepriesen wurden sie mit dem E-Mail-Aufruf: "#FJB or LET'S GO BRANDON? Either way, President Trump wants YOU to have our ICONIC new shirt."

"Let's go Brandon": Trumps Merchandise-Artikel
"Let's go Brandon": Trumps Merchandise-Artikel (Quelle: Webseite "Save America")

Auf einer Veranstaltung sagte Donald Trump kürzlich süffisant grinsend, dass er aber immer noch "den ersten Satz präferiere", also die direkte Beschimpfung von Joe Biden. "Der ist präziser", sagte Trump und genoss den Jubel seiner Anhänger.

Joe Biden trat an, um das Land zu versöhnen. Mehr und mehr zeigt sich: Das bleibt eine seiner schwierigsten Aufgaben.

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