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Ganz besonderer 1. Mai: Als Deutschland 100 Prozent Ökostrom hatte


Als Deutschland 100 Prozent Ökostrom hatte

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 02.05.2018Lesedauer: 3 Min.
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Erneuerbare Energien haben am Tag der Arbeit zwischenzeitlich den Strombedarf komplett alleine decken können.
Erneuerbare Energien haben am Tag der Arbeit zwischenzeitlich den Strombedarf komplett alleine decken können. (Quelle: imago-images-bilder)
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Am 1. Mai leisteten die erneuerbaren Energieträger ganze Arbeit: Zwei Stunden lang konnte der deutsche Strombedarf zu 100 Prozent aus Wind, Solarenergie und Biomasse gedeckt werden. Wie weit ist die Energiewende aber wirklich?

Am 1. Mai erlebte Deutschland eine Besonderheit: Zwischen 13.15 Uhr und 15.15 Uhr reichte der Ökostrom aus, um den gesamten deutschen Strombedarf zu decken. Für Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden wir solche Erfolgsmeldungen künftig häufiger erleben. Die Nachricht zeigt aber auch, dass mehr Flexibilität in der Energieversorgung nötig ist.

Wie kam es zu dem Wert?

An Feiertagen ist der Stromverbrauch generell niedriger als an Werktagen. Am Tag der Arbeit lag der Stromverbrauch um 14 Uhr bei gerade einmal 52,2 Gigawattstunden – das sind gut zehn Gigawattstunden weniger als zur gleichen Zeit am Tag zuvor. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Bundesnetzagentur hervor. Zugleich ist die Nettoleistung der Ökostromanlagen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – auf 113 Gigawatt. Für die Solarstromerzeugung in den ersten vier Monaten hat Energieversorger Eon ein Plus von mehr als sieben Prozent gegenüber 2017 und gegenüber 2016 sogar eine Steigerung von knapp 25 Prozent errechnet.

Am 1. Mai kamen zum niedrigen Verbrauch günstige Wetterverhältnisse für Windkraftanlagen und Solarstrom zugleich: Die Solarstromerzeugung um 14 Uhr (19,7 Gigawattstunden) allein überstieg schon die Stromerzeugung aus Kernenergie, Braun- und Steinkohle, Gas und Öl zusammengenommen. Dabei lag das Solarstromaufkommen noch deutlich unter den Rekordwerten.

Mehr Angebot durch Erneuerbare als Bedarf: Am 1. Mai mittags lag der Strombedarf (rote Kurve) niedriger als das Stromangebot aus Biomasse (grün), Wind- (hell- und dunkelblau) und Sonnenenergie.
Mehr Angebot durch Erneuerbare als Bedarf: Am 1. Mai mittags lag der Strombedarf (rote Kurve) niedriger als das Stromangebot aus Biomasse (grün), Wind- (hell- und dunkelblau) und Sonnenenergie. (Quelle: smard.de/Bundesnetzagentur)

Schon einmal in diesem Jahr war das Angebot aus Erneuerbaren höher als der Strombedarf Deutschlands: Am 1. Januar zwischen 5 und 6 Uhr, als Deutschland noch schlief und sehr viel Strom aus Wind gewonnen wurde. Im Jahresmittel liegt der Anteil des Ökostroms nach Angaben der Bundesnetzagentur bei rund einem Drittel mit steigender Tendenz. "Tage wie am 1. Mai werden wir aber immer häufiger auch an normalen Tagen haben", sagt Claudia Kemfert.

Welchen Effekt hat das?

Viele konventionelle Kraftwerke lassen sich nicht von jetzt auf gleich an- und abschalten, deshalb wird deutlich mehr Strom produziert als verbraucht wird. Es gab deshalb einen negativen Strompreis. Wer Strom produzierte, musste für die Megawattstunde sogar rund 36 Euro zahlen.

Wo in der Industrie sehr flexibel Strom verbraucht werden kann (etwa in Kühlhäusern), kann in solche Situationen mit der gezielten Abnahme von Strom sogar Geld verdient werden. Das ist einer der Schlüssel für die Energiewende: "Wir brauchen ein kluges Energiemanagement und müssen auf Schwankungen noch intelligenter reagieren", so Kemfert.

Was blockiert die Erneuerbaren?

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nannte die Zahlen vom 1. Mai auf Twitter "großartig", forderte aber auch: "Jetzt Vorfahrt für Leitungen, damit der Strom auch fließt!"

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Fehlende Leitungen zwischen Regionen, an denen Strom erzeugt wird und Gegenden, an denen er verbraucht wird, werden oft als Hürde für diesen Strom genannt. Deshalb ist die SuedLink-Trasse durch Deutschland geplant.

DIW-Expertin Kemfert lässt das aber so nicht gelten: "Unsere Leistungen sind verstopft mit Strom aus konventionellen Quellen." Sie spricht sich gegen die Mindestleistung aus konventioneller Stromerzeugung aus, eine "Must-run" genannte Quote, die vorsieht, wie viel Strom mit diesen meist wenig flexiblen Großkraftwerken erzeugt werden muss: "Das ist Energiewelt von gestern."

Kemfert sieht kein Risiko, auch wenn aktuell Erneuerbare zu manchen Zeiten nicht einmal 20 Prozent zur Energiegewinnung beitragen: Der Mix von Erneuerbaren sei ausreichend grundlastfähig, damit es bei einem klugen Energiemanagement keine Engpässe gibt. "Wenn erneuerbare Energien endlich weiter konsequent ausgebaut werden, der Einspeisung der Vorrang gegeben und konsequent aus der Kohle ausgestiegen werde, ebnet das den Weg für Vollversorgung mit erneuerbaren Energien."

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Das wirke sich auch auf die Kosten für Speichertechnik positiv aus. "Es gibt die Möglichkeiten, Speichertechnik ist so vielfältig wie die Erneuerbaren Energien es sind." Damit entfalle ein weiteres Argument.

Wie geht es weiter?

Die Bundesregierung will bis 2050 80 Prozent Energiegewinnung aus Erneuerbaren insgesamt erzielen, "100 Prozent Erneuerbare beim Strom werden wir schneller erreichen können", sagt Kemfert – "wenn die Politik sie nicht deckelt und blockiert.". Die Betrachtung isoliert für den Strommarkt sei auch wenig sinnvoll, weil die Kopplung aller Sektoren immer wichtiger wird – also das Zusammenspiel von Strom, Wärme und Verkehr.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Profil Claudia Kemfert beim DIW
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