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Initiative "Wir sind der Osten" zeigt fortschrittlichen Osten

Ein Gastbeitrag von Christian Bollert

Aktualisiert am 16.10.2019Lesedauer: 3 Min.
Verfallenes Haus in Loitz: Der Osten hat längst mehr zu bieten als Ruinen.
Verfallenes Haus in Loitz: Der Osten hat längst mehr zu bieten als Ruinen. (Quelle: BildFunkMV/imago-images-bilder)
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Das Bild vom unproduktiven Jammer-Ossi hält sich selbst heute noch hartnäckig. Dabei gibt es genügend Beispiele für kreative Köpfe aus den neuen Bundesländern, schreibt Christian Bollert.

Noch immer herrschen im Westen Deutschlands Vorurteile über die Leistungsfähigkeit der Bürger aus den ostdeutschen Bundesländern. Selbst Ostdeutsche, die zum Zeitpunkt des Mauerfalls noch Kinder waren, treffen auf Vorbehalte. Eine Initiative will mit dieser Wahrnehmung nun aufräumen. In einem Gastbeitrag erzählt Christian Bollert, wie es dazu gekommen ist.

Am 8. Juli dieses Jahres fragt die Journalistin und Moderatorin Melanie Stein auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ihre Follower nach erfolgreichen Ostdeutschen. Das oft einseitig gezeigte Bild von Ostdeutschland ernüchtert sie. Denn es spiegelt die Stärke und Leistungen ihrer Eltern- und Großelterngeneration, die sich schnell an gesellschaftliche Veränderungen anpassen mussten, selten wider. Noch am gleichen Tag melden sich bei ihr viele Leute mit Vorschlägen und Impulsen. In ihr reift die Idee, ostdeutschen Macherinnen und Machern ein Gesicht und eine Plattform zu geben.

Denn das, was ältere Generationen erlebt haben, wurde auch an Jüngere weitergegeben: die Fähigkeit, mit gesellschaftlichem Wandel umzugehen. Schnell hat sie Kontakt mit einer Handvoll junger Ostdeutscher, die etwas an der öffentlichen Wahrnehmung des Ostens ändern wollen. Anfang August treffe ich mich mit Lutz Mache (Public Policy Manager Google), Jeanette Gusko (Lead GoFundMe), Greta Taubert (Autorin und Journalistin) und Michael Bohmeyer (Initiator Mein Grundeinkommen e.V.) in Berlin und wir beschließen gemeinsam, ehrenamtlich genau daran zu arbeiten. Das war der Startpunkt für die Initiative "Wir sind der Osten".

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Christian Bollert ist Mitgründer von detektor.fm. Zudem moderiert er regelmäßig Sendungen und Podcasts, wie zum Beispiel das "brand eins Magazin zum Hören".

Viele Ostdeutsche sehen Berichterstattung über den Osten kritisch

Ja, der Osten hat ein Problem mit Rechtsextremismus; Ostdeutschland liegt auch 30 Jahre nach dem Mauerfall in Sachen Wirtschaftskraft noch immer nur bei etwa 80 Prozent des westdeutschen Niveaus und es gibt weiterhin kaum Ostdeutsche in Führungspositionen. Aber genauso gilt: Nur wenige Menschen in Nordrhein-Westfalen, dem Saarland oder Bayern wissen, wie vielfältig und progressiv große Teile des Ostens heute sind. In den vergangenen 30 Jahren ist viel für die Wiedervereinigung getan worden, egal ob Infrastrukturförderprogramm oder die zahllosen Vorzeigeprojekte, welche die Lebensverhältnisse angleichen sollen.

Trotz all der schönen Innenstädte und gut ausgebauten Autobahnen zeigt sich aber, dass viele Ostdeutsche mit dem Fortschritt beim Zusammenwachsen offenbar unzufrieden sind. Das liegt auch an der Berichterstattung über Ostdeutschland, die vor allem auf Probleme fokussiert ist. Dabei haben die heftigen Veränderungen der 1990er-Jahre bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern zu konstruktiven Lösungen und Ideen geführt.

Hunderte Ostdeutsche erzählen ihr Geschichte

Die Initiative "Wir sind der Osten" stellt die positiven Aspekte und Erfahrungen in den Mittelpunkt. Sie macht ostdeutsche Menschen mit Ideen und Tatendrang sichtbar und zeigt damit ein differenziertes Bild der ostdeutschen Mehrheitsgesellschaft. Damit werden Ostdeutsche, die häufig zu ihrer Herkunft schweigen, ermutigt, diese sichtbar zu machen.


Mittlerweile erzählen über 200 Ostdeutsche auf der Seite wirsindderosten.de ihre persönliche Geschichte und sprechen über ihr Verhältnis zu Ostdeutschland. Ab heute sind auf der Webseite alle Ostdeutschen, die sich für die Gesellschaft, die Demokratie oder eine gemeinsame Zukunft engagieren, eingeladen, ihre eigene Geschichte zu erzählen. Auf der Seite gibt es Geschichten von Menschen, die geblieben sind, die gegangen sind und von Leuten, die wieder zurückgekommen sind. Im ehrenamtlichen Team arbeiten mittlerweile mehr als 20 Leute für die Initiative "Wir sind der Osten".

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten spiegeln die Meinung des Autors wider und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online.de-Redaktion.

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