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Missbrauch in der Kirche: Deutsche Bischöfe machen Weg für Aufarbeitung frei


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Deutsche Bischöfe machen Weg für Aufarbeitung frei

Von dpa
28.04.2020Lesedauer: 2 Min.
Mangelnde Aufarbeitung: Protest am Rande der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im März in Mainz.
Mangelnde Aufarbeitung: Protest am Rande der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im März in Mainz. (Quelle: Ulmer/imago-images-bilder)
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Seit Jahren erschüttern Fälle sexuellen Missbrauchs die katholische Kirche in Deutschland. Jetzt hat die Bischofskonferenz sich zu einer gemeinsamen Erklärung durchgerungen.

Die katholischen Bistümer in Deutschland wollen sexuellen Missbrauch in der Kirche unabhängig aufarbeiten lassen. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) einigte sich auf eine "Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland", wie die DBK am Dienstag mitteilte. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sprach von einer "historischen Entscheidung".

Ziel der Erklärung sei die umfassende, vergleichbare und abgestimmte Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in den deutschen Diözesen. Dazu sollen Strukturen etabliert werden, die eine transparente und unabhängige Aufarbeitung gewährleisten. Betroffene und Experten sollen ausdrücklich einbezogen werden. Der DBK-Missbrauchsbeauftragte Bischof Stephan Ackermann und Rörig hatten die Erklärung gemeinsam ausgearbeitet.

Auf Forderungen von Betroffenen reagiert

Wie genau die Aufarbeitung aussehen soll, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Rörig und die Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch" hatten im Vorfeld der Sitzung die Einrichtung unabhängiger Kommissionen gefordert, die konkrete Fälle herausarbeiten, und auch thematisieren, von wem mutmaßliche Täter möglicherweise gedeckt wurden. In der Mitteilung hieß es nun: "Zugleich wird sichergestellt, dass sämtliche bereits vorhandenen, zahlreichen diözesanen Anstrengungen zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs fortgesetzt und bereits gewonnene Erkenntnisse in den Prozess eingebracht werden."

Im Jahr 2018 hatte die Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit schockierende Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Die Studie wurde unter anderem kritisiert, weil die Wissenschaftler keinen direkten Zugang zu den Personalakten hatten.

"Historische Entscheidung"

Bischof Ackermann zeigte sich erfreut über die Verabschiedung der Erklärung: "Das gemeinsame Dokument wird den Bistümern bei ihren Bemühungen um Aufarbeitung helfen. Ich erwarte mir von der Gemeinsamen Erklärung einen weiteren Schub für die Aufdeckung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt im Raum der Kirche." Rörig sagte: "Ich bin sehr froh und erleichtert, dass es gestern zu dieser historischen Entscheidung gekommen ist." Betroffene hätten dafür lange gekämpft.

Aus Sicht der Kirche kann die gemeinsame Erklärung sogar beispielhaft sein für andere Institutionen. In der DBK-Mitteilung heißt es: "Die Erklärung und die darin vereinbarten Kriterien und Standards sind ohne Vorbild in Deutschland. So können die Kriterien für eine umfassende, transparente und unabhängige Aufarbeitung, die unter Einbeziehung der Betroffenen geschieht, beispielgebend für andere gesellschaftliche Akteure sein."

Der "Eckige Tisch" rief die Bischöfe auf, sich an die Erklärung zu halten. "Wir begrüßen, dass es gelungen ist, eine Vereinbarung zustande zu bringen, die Mindeststandards für eine unabhängige Untersuchung der Missbrauchsfälle im Bereich der Kirche in Deutschland definiert", teilte die Initiative mit. "Dass es dazu 18 Monate Verhandlungen bedurfte, zeigt aber auch, dass die immer wieder betonte Bereitschaft zur umfassenden Aufklärung schnell an Grenzen stößt, wenn es konkret wird."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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