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"Welt"-Chefredakteur schockiert – und spricht von "Fehler"

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 06.02.2022Lesedauer: 3 Min.
"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt: Einer seiner Texte sorgt für Aufsehen. Die Empörung ist groß.
"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt: Einer seiner Texte sorgt für Aufsehen. Die Empörung ist groß. (Quelle: Jürgen Blume/epd/imago-images-bilder)
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Ein bei "welt.de" erschienener Kommentar des Chefredakteurs sorgt für Aufruhr: Der Text verhöhnte in einer der Versionen die Opfer der Shoah. Poschardt spricht von einem "Fehler bei der Digitalisierung des Artikels".

Es sind scheinbar unmissverständliche Formulierungen, die den Chefredakteur der "Welt", seine Zeitung und seinen Verlag in Erklärungsnot bringen: Ein am Samstagnachmittag auf der Homepage der "Welt" veröffentlichter Meinungsbeitrag von Ulf Poschardt verhöhnte Überlebende des Holocaust und unterstellte ihnen Diffamierung unschuldiger Bundeswehr-Soldaten. Möglicherweise aufgrund eines technischen Bedienungsfehlers, denn Poschardt hat oft und vehement gegen Antisemitismus Stellung bezogen. Die Redaktion änderte den Kommentar binnen weniger Stunden mehrfach und entschuldigte sich. Doch die Empörung reißt nicht ab.

Kommentar kritisierte Nancy Faeser

Eigentlich sollte der Text die Bundesinnenministerin Nancy Faeser kritisieren: Sie hatte vor ihrer Zeit als Ministerin einen Gastbeitrag in einem Magazin der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA) veröffentlicht, die nach dem Dritten Reich prägend von Sozialdemokraten und Kommunisten gegründet wurde.

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Da KPD und später DKP mit Verbindungen in die DDR innerhalb der Vereinigung immer mehr Einfluss gewannen, gilt sie bis heute bei Verfassungsschutzbehörden als linksextremistisch – obwohl die Kommunisten nach der Wiedervereinigung weniger prägend für den Verein waren. Ehrenpräsidentin war die hoch angesehene und mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte Holocaust-Überlebende Esther Bejarano, die vergangenes Jahr starb.

Kritiker unterstellten Antisemitismus und Provokation

Doch das Thema des Textes geriet über die Formulierungen, die unter Poschardts Namen veröffentlicht wurden, vollkommen in den Hintergrund. Sie könnten Sprengkraft bergen, zumal im Springer-Verlag, der in seinen Unternehmensgrundsätzen unter anderem formuliert: "Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel." Diesen Grundsätzen sind alle Mitarbeiter verpflichtet. Doch auch weit über den Verlag hinaus sorgten die Sätze für Empörung. Auch Satiriker Jan Böhmermann schaltete sich ein.

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Die kritisierte Passage in der Einleitung des Texts lautete zeitweilig wie folgt:

"Da müssen sich unbescholtene Bundeswehr-Offiziere wie Marcel Bohnert von super Holocaust-Überlebenden und deren PR-Abteilungen in der ARD in die braune Ecke treiben lassen, jedem Corona-Demonstranten wird die Nähe zu mitlaufenden irren Rechtsradikalen angekreidet, aber links gibt es kaum Abgrenzungen zu verfassungsfeindlichen Rändern."

Als die Sätze nach Veröffentlichung ruchbar wurden und sich in sozialen Medien verbreiteten, wurde der Text geändert. Aus "super Holocaust-Überlebenden" wurden "superlinken Aktivistinnen". Es ist möglich, dass sich Poschardt mit der zweiten Formulierung auf einen älteren Text eines "Welt"-Kolumnisten beziehen wollte: Der hat die Causa Bohnert zum Gegenstand und bezichtigt eine von der ARD zitierte Wissenschaftlerin des Linksextremismus.

"Holocaust-Überlebenden" könnte dann, wie einige Twitter-Nutzer bereits vermuteten, an heikler Stelle im Stile eines "Copy&Paste"-Fehlers versehentlich eingefügt worden sein.

Redaktion entschuldigt sich und erklärt "Fehler"

Unklar blieb, warum der Text überhaupt in dieser Form erschien. Eine erste Version des Artikels, das zeigt ein Blick ins Internet-Archiv "Waybackmachine", enthielt die gesamte Passage überhaupt nicht und damit auch keine der beiden Formulierungen – dafür aber die falsche Behauptung, die 75 Jahre alte VVN-BdA sei "von Faeser gegründet". Möglicherweise stammte von dieser Stelle der Begriff der "Holocaust-Überlebenden", der an heikler Stelle eingefügt wurde. Darauf wurde der Medienjournalist Stefan Niggemeier aufmerksam.

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Unter der derzeit abrufbaren Version hat die Redaktion einen Hinweis veröffentlicht: "Bei der digitalen Produktion dieses Artikels sind uns mehrere Fehler unterlaufen, die wir nun korrigiert haben. Wir bitten um Nachsicht." Ulf Poschardt selbst schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Da ist ein ärgerlicher Fehler bei der Digitalisierung des Artikels aus der @WELTAMSONNTAG passiert. Wir bedauern das sehr. Danke für Ihr Verständnis." Details dazu nannte er zunächst nicht.

Erst am Sonntagmittag meldete sich die "Welt"-Redaktion bei Twitter erneut zu Wort: Die bisherige Rekonstruktion habe ergeben, dass an der fraglichen Stelle ein Artikel im Text verlinkt werden sollte – es sei aber versehentlich ein falscher Link gesetzt "und auch das Wort, hinter dem dieser Link steht, geändert worden". Die befasste Mitarbeiterin habe zuvor an einem anderen Thema gearbeitet, entsprechende Verlinkungen seien noch im Cache zwischengespeichert gewesen.

Der "obligatorische Vier-Augen-Check", der einer Veröffentlichung vorausgeht, habe sich lediglich auf Überschrift und Anreißer bezogen, da der Text zuvor im Print erschienen sei, alle Kontrollen bereits passiert habe und demnach lediglich Links ergänzt werden sollten. Die Redaktion kündigte an, ihre technischen Systeme und Prozesse anzupassen, "dass sich ein derartiger Fehler möglichst nicht wiederholen kann".

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