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Kindermörder Gäfgen wird für Folterdrohung entschädigt

Kindermörder Gäfgen wird für Folterdrohung entschädigt

10.10.2012, 16:07 Uhr | dpa

Kindermörder Gäfgen wird für Folterdrohung entschädigt. Magnus Gäfgen betritt den Gerichtssaal (Quelle: dpa)

Magnus Gäfgen betritt den Gerichtssaal (Quelle: dpa)

Das Land Hessen muss dem Kindermörder Magnus Gäfgen wegen der Folterdrohung im Polizeiverhör endgültig eine Entschädigung von 3000 Euro zahlen. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt - zehn Jahre nach Gäfgens Mord an dem Bankierssohn Jakob von Metzler - in zweiter Instanz entschieden. Es wies damit die Berufung des Landes gegen ein früheres Urteil ab.

Volkes Seele kocht anscheinend noch immer: Eine wütende Prozessbeobachterin beschimpfte Gäfgen im proppenvollen Gerichtssaal mit drastischen Worten.

Vorlage für fünf Fernsehfilme

Gäfgen hatte den Elfjährigen im Jahr 2002 entführt. Die Polizei schnappte Gäfgen und glaubte, der Junge sei noch am Leben. Der damalige Frankfurter Polizei-Vizepräsident Wolfgang Daschner drohte Gäfgen mit Gewalt, um das Versteck des Kindes zu erfahren.

Daschner wurde deswegen später zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Fall schlug deutschlandweit hohe Wellen und diente als Vorlage für fünf Fernsehfilme - zuletzt zeigte das ZDF Ende September einen "halbdokumentarischen Spielfilm" zu dem Thema.

"Schwere Verletzung der Menschenwürde"

Das Frankfurter Landgericht hatte im August 2011 entschieden, dass Hessen dem Kindermörder deshalb wegen "schwerer Verletzung der Menschenwürde" eine Entschädigung von 3000 Euro plus Zinsen bezahlen muss. Gegen diese Entscheidung war das Land in Berufung gegangen.

Folterdrohung ist unmenschliche Behandlung

Das Landgericht hatte sich in seinem Urteil auf die Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im Fall Gäfgen gestützt. Dieser hatte 2010 festgestellt, dass die Androhung von Folter eine unmenschliche Behandlung im Sinne der Europäischen Menschenrechtskonvention war und ausnahmslos verboten ist.

Gäfgen war 2003 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der inzwischen 37-Jährige verbüßt seine Strafe im nordhessischen Schwalmstadt.

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