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Hier ist der Islam aufgekl├Ąrter und moderner

  • Lamya Kaddor
Eine Kolumne von Lamya Kaddor

Aktualisiert am 02.03.2018Lesedauer: 5 Min.
Unterst├╝tzer der Petition zum Abtreibungsrecht demonstrieren vor dem Reichstagsgeb├Ąude in Berlin: Die ├ärztin H├Ąnel hat eine Petition mit mehr als 150.000 Unterst├╝tzern f├╝r ├änderungen im Abtreibungsrecht an Bundestagsabgeordnete ├╝berreicht.
Unterst├╝tzer der Petition zum Abtreibungsrecht demonstrieren vor dem Reichstagsgeb├Ąude in Berlin: Die ├ärztin H├Ąnel hat eine Petition mit mehr als 150.000 Unterst├╝tzern f├╝r ├änderungen im Abtreibungsrecht an Bundestagsabgeordnete ├╝berreicht. (Quelle: /dpa-bilder)
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Ärzte müssen künftig über Abtreibungen informieren dürfen. Der

Eine Kolumne von Lamya Kaddor.

Die Debatte ├╝ber Abtreibungen in Deutschland krankt an vielen Stellen. Zum Beispiel daran, dass Frauen und ihr Embryo getrennt betrachtet werden. Diese Sichtweise macht die Frau zur Brutmaschine, die mit der Empf├Ąngnis ihre Pers├Ânlichkeitsrechte wie einen Mantel an der Garderobe der Gesellschaft abgibt. Das Embryo wird als Gemeinschaftsgut definiert, ├╝ber das im Zweifel andere mitbestimmen k├Ânnen.

Das Embryo aber ist Teil einer Frau. Es reift in ihrem K├Ârper. Selbstverst├Ąndlich hat der Mann als Vater und selbst als blo├čer Erzeuger ein Mitspracherecht. Es ist schlie├člich auch sein Werk. Aber der Liebe Gott oder Mutter Natur, je nach Belieben, hat das Heranwachsen der menschlichen Leibesfrucht nun einmal eindeutig verortet. Abtreibung oder nicht ist also zuvorderst ein Thema von Schwangeren.

K├Ârperliche Selbstbestimmung

Sie ist es, die sich in "anderen Umst├Ąnden" befindet. Ihr K├Ârper ver├Ąndert sich, psychisch wie physisch. Ihr Magen, ihr Darm, ihre Harnblase, ihre Lungen werden gequetscht, wenn sich die Geb├Ąrmutter ausdehnt. Sodbrennen, Verstopfung, Harndrang, Krampfadern, H├Ąmorrhoiden, R├╝ckenschmerzen etc. sind Folgen f├╝r sie. Ihr Gewicht nimmt zu, ihr Hormonhaushalt wandelt sich, ihre Seele muss mit allem fertig werden und am Ende gibt ihr Scho├č das Kind unter gro├čen Schmerzen und manchmal schweren Verletzungen frei.

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All das kann kein Mann nachempfinden (ist nicht b├Âse gemeint, ist einfach Fakt). Dennoch sind es von der Antike bis zu den heutigen sogenannten "Lebenssch├╝tzern" und radikalen Abtreibungsgegnern vor allem M├Ąnner, die sich bei dem Thema besonders hervortun. Versuchen sie vielleicht gerade deshalb seit Jahrtausenden, Herrschaft ├╝ber die Geb├Ąrm├╝tter zu erlangen, weil sie von der Empf├Ąngnis bis zur Geburt ausnahmsweise weitgehend au├čen vor sind?

Bis vor wenigen Jahrzehnten konnten Frauen dem aufgrund ihrer geringeren K├Ârperkraft nicht viel entgegensetzen. Es galt das Recht des St├Ąrkeren. Doch mit der Etablierung des modernen Rechtsstaats hat sich das ge├Ąndert. Das sollten Frauen weiterhin nutzen. Welcher Mann l├Ąsst sich schon die Entscheidung ├╝ber eine erhebliche Ver├Ąnderung seines K├Ârpers freiwillig von au├čen diktieren. Die wenigsten. Genauso muss es bei Frauen sein. Das letzte Wort in Sachen Schwangerschaft liegt bei ihr. Punkt.

Verfechter der staatlichen Zensur

Dazu ist es n├Âtig, dass sie alle Hintergr├╝nde des Vorgangs kennt. Frauen in unserer Medien- und Informationsgesellschaft de facto wichtige Ausk├╝nfte vorzuenthalten, indem man ├ärzte, die ├╝ber Abtreibungen aufkl├Ąren wollen, kriminalisiert, sodass sie lieber keine ├Âffentlichen Beratungsangebote machen, ist sachlich nicht zu begr├╝nden. ├ťber alles muss heute aufgekl├Ąrt werden, fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. Und ausgerechnet bei Schwangerschaft wird der Zugang zu Informationen eingeschr├Ąnkt?

Wer abtreiben will, geht oft als erstes ins Netz. Wenn qualifizierte ├ärzte dort aber nichts ├╝ber Abtreibungen einstellen, weil Fanatiker sie wie aktuell wieder in Kassel wegen ┬ž 219a StGB (Werbung f├╝r den Abbruch der Schwangerschaft) anzeigen, macht man Frauen, die die unglaubliche Last einer ungewollten Schwangerschaft tragen, das Leben noch schwerer und treibt sie in die Arme von Scharlatanen. In einschl├Ągigen Internetforen kann man lesen, wie Frauen mit obskuren Mitteln und bizarren Methoden selbst zur Tat schreiten und somit letztlich vielleicht statt der Absto├čung die Sch├Ądigung der Frucht bewirken.

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Das Zynische dabei: Gerade jene, die auf Meinungsfreiheit pochen, wenn sie Flüchtlinge "kritisieren" wollen, fordern an dieser Stelle besonders vehement die staatliche Zensur ein. Wie so oft bei Ideologen, lautet deren Faustregel: Logisch ist, was wir für richtig erachten. Gut also, dass SPD, FDP, Grüne und Linke derzeit im Bundestag für eine Streichung oder Änderung des Paragrafen 219a streiten.

Hybris der Bevormundung

Bei der Argumentation der Bef├╝rworter bekommt man schnell den Eindruck, Frauen w├╝rden leichtfertig abtreiben ÔÇô und das alle naselang. Als gingen sie um die Ecke zur Manik├╝re. Eine Schwangerschaft, die F├Ąhigkeit, Leben zu schenken, l├Âst jedoch zutiefst weibliche Gef├╝hle aus. Diese mutwillig zu zerst├Âren, geht an keiner Frau spurlos vorbei.

Davon abgesehen empfindet eben nicht jede Frau Muttersein als gr├Â├čtes Gl├╝ck. Und das ist auch ihr gutes Recht. Und die Alternative, ein Kind auszutragen und krampfhaft den Aufbau emotionaler Bindung zu unterdr├╝cken, weil man es am Ende in eine Babyklappe legen soll, kommt mitunter monatelanger seelischer Grausamkeit gleich und kann Mutter wie Kind sp├Ąter in weitere schmerzhafte Lebenssituationen bringen.

Wer Frauen hier bevormunden will, wie es das deutsche Gesetz tut, degradiert sie zu unm├╝ndigen Wesen, die man anleiten muss wie kleine Kinder, die die Folgen ihrer Entscheidungen noch nicht ├╝berblicken k├Ânnen. Was l├Ąsst die Au├čenwelt eigentlich so sicher sein, dass sie bessere Entscheidungen f├Ąllen k├Ânnte als die Betroffene selbst? Das kann nur eine Hybris sein, die sich vor Jahrtausenden zu formen begann, als Frauen noch Verf├╝gungsmasse ihrer M├Ąnner oder Eltern waren.

Abtreibung t├Âtet keine Kinder

In der Weiterentwicklung eben dieses Denkens wird heute immer wieder auch auf einen Schutz von Familie verwiesen. Doch diejenigen, die am lautesten danach rufen, spr├╝hen Feuer und Zorn, wenn es um Familiennachzug von Fl├╝chtlingen geht. Gleichsam gerieren sich jene Krakeeler als Vork├Ąmpfer der Rechte von Frauen, wenn diese wie in der K├Âlner Silvesternacht 2015 von M├Ąnnern mit nordafrikanischem Migrationshintergrund aufs Gr├Âbste verletzt werden, und pochen auf die Errungenschaften der Emanzipation, hinter die man sich von anderen Kulturen nicht zur├╝ckdr├Ąngen lassen d├╝rfe, sprechen denselben Frauen aber das Recht ab, ├╝ber ihren eigenen K├Ârper zu entscheiden. Absurd.

Abtreibung t├Âtet keine Kinder ÔÇô wie es viele behaupten. Der Entwicklungsprozess wird vielmehr zu einem fr├╝hen Zeitpunkt gestoppt, an dem kein normaler Mensch in der Lage w├Ąre, ein Kind zu erkennen. Zudem enden laut Berufsverband der Frauen├Ąrzte in den ersten zw├Âlf Wochen 30 bis 40 Prozent der Schwangerschaften ganz nat├╝rlich in einem Abort. Viele Frauen bekommen davon nur nichts mit. So ungew├Âhnlich ist der Abbruch einer Schwangerschaft also nicht.

Fr├╝hzeitige Aufkl├Ąrung ├╝ber Verh├╝tung

Ein Embryo als Kind zu betrachten, ist in gewissem Ma├če eine religi├Âs fundamentalistische Sicht. Wenn sachliche Argumente nicht mehr tragen, muss am Ende immer ein Gott herhalten. Ich gebe zu, als Muslimin hab ich es da etwas einfacher. Abtreibung gilt nach herrschender islamischer Lehre erst nach vierzig embryonalen Entwicklungstagen als Kindst├Âtung und ist dann har├óm, also verboten. Schon vor Jahrhunderten haben Muslime dar├╝ber debattiert, ob man ein Embryo als K├Ârperteil oder als etwas Eigenst├Ąndiges gegen├╝ber dem K├Ârper der Schwangeren verstehen muss, und ausgerechnet Vertreter der als strenger geltenden Rechtsschulen werten das Embryo als K├Ârperteil. Hier ist der Islam schlichtweg aufgekl├Ąrter und moderner. Das Leben beginnt nicht mit dem Verschmelzen von Ei- und Samenzelle, wie es beispielsweise die Katholische Kirche lehrt.

Wer ernsthaft Leben, Familien und Gesellschaften sch├╝tzen will, sollte sich f├╝r fr├╝hzeitige Aufkl├Ąrung ├╝ber Verh├╝tung stark machen. Wenn ungewollte Schwangerschaften gar nicht erst entstehen, fallen auch viele Probleme weg. Doch wir alle kennen die Situationen, in denen auch die beste Aufkl├Ąrung eine ungewollte Schwangerschaft nicht verhindert (Vergewaltigung, defekte Verh├╝tungsmittel, Unachtsamkeit etc.), und dann muss eine Frau handeln k├Ânnen.

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