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Kitas ärgern sich über Bastelsätze für Masken

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 08.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Einmal Masken zum Selbstbauen am Wochenende: In manchen Kitas kam die Sendung nicht gut an.
Einmal Masken zum Selbstbauen am Wochenende: In manchen Kitas kam die Sendung nicht gut an. (Quelle: Screenshot/Facebook/Mathias Dopatka)
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Der Mangel an Masken war groß in der Corona-Krise und die Landesregierung NRW froh: 29 Millionen Masken konnte sie sich sichern – zum Zusammenbauen. Die sorgen nun für Unmut.

Zum Hochfahren der Kitas in Nordrhein-Westfalen an diesem Montag sollten in vielen Einrichtungen am Wochenende die Erzieherinnen und Erzieher selbst Masken basteln. Das Land hat an rund 10.000 Kitas die Masken in Einzelteilen zum Selbstbauen verteilen lassen. Ist das respektlos?

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Ein ursprünglich vom Aachener SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Mathias Dopatka verbreitetes Fotos hielten manche Nutzer für einen Witz.* Es zeigt einen Karton mit Gummibändern, mit Vlies und Metallklammern: Die Bausätze zum Selbstbasteln von Mundschutzmasken sind aber so an Kitas in NRW verschickt worden – oder auch in Müllsäcken. So war es zumindest bei einer Einrichtung in Soest, die die Sendung gleich zurückschickte.

"Eine Ohrfeige", zitiert der "Westfälische Anzeiger" eine Erzieherin. "Ich bin entsetzt, dass die ja angeblich so hohe Wichtigkeit der Kinderbetreuung eine so geringe Wertschätzung erfährt."

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Land: Es gibt doch weitere Masken

Im Sozialministerium versteht man den Ärger allerdings nicht. Die "unentgeltlich und unbürokratisch zur Verfügung gestellte" Gabe sei schließlich Teil einer größeren Lieferung: Pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter habe das Land demnach auch je 20 KN95-Masken verschickt. Das entspricht den hochwertigen FFP2-Masken. Demnach hätte niemand übers Wochenende basteln müssen, um am Montag eine fertige Maske nutzen zu können.

Die Masken-Bausätze waren laut Land "als zusätzliche Unterstützung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch für Besucher zum Beispiel in der Bring- und Abholsituation" gedacht. Die Aufregung wäre also kaum nachvollziehbar.

Das Ministerium kann aber nicht sagen, ob in den Kitas auch überall die höherwertigen Masken ausgegeben worden sind. Die Weitergabe sei Aufgabe der 186 Jugendämter im Land. An die habe das Land sowohl die Bauteile für Mund-Nase-Schutzbedeckungen ("rund 30 pro Mitarbeiter") als auch die zertifizierten Schutzmasken in der vergangenen Woche geliefert, so eine Sprecherin zu t-online.de.

320.000 Bausätze pro Tag ans Land

Sie müssen montiert werden, entsprechen dann aber laut Ministerium qualitativ medizinischen Gesichtsmasken, "sodass wir davon ausgehen, dass diese auch ihre Verwendung finden". Sie sind für Kitas, Krankenhäuser und Altenheime.

Das Land bekam seit April täglich das Zubehör für 320.000 Masken. Als die Versorgungslage kritisch und die Ausmaße der Pandemie nicht absehbar waren, haben Beschaffungsbehörden zum Teil nach jedem Strohhalm gegriffen. Ein Hilfsangebot vom Zulieferer Dr. Freist Automotive Bielefeld GmbH kam da gerade richtig.

Sozial. und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): „Das ist einer schweren Situation einer der Fortschritte, die unser Land braucht", sagte er Anfang April zum Vertragsabschluss für die Bastel-Masken. Inzwischen löst das Land Unmut damit aus, wenn es sie verschenkt.
Sozial. und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU): „Das ist einer schweren Situation einer der Fortschritte, die unser Land braucht", sagte er Anfang April zum Vertragsabschluss für die Bastel-Masken. Inzwischen löst das Land Unmut damit aus, wenn es sie verschenkt. (Quelle: Marcel Kusch/dpa-bilder)

Das Unternehmen stellt eigenes Mikrofaservlies aus Polypropylen her, eigentlich für Schallschutzmaterial für Armaturentafeln in Autos, hatte aber am 20. März schnell reagiert. Es konnte jetzt den Filter anbieten – plus selbstklebende Nasenklammer, Gummiband und Montageanleitung. Das Land meldete am 8. April Vollzug: "29 Millionen Schutzmasken 'made in NRW': Gesundheitsministerium vergibt Auftrag an Bielefelder Unternehmen." Vorräte hatte es kaum gegeben, Schutz zum Selbstbauen war da besser als kein Schutz.

Die Masken bekamen eine Sonderzulassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Stadt Essen rümpfte aber schon am 16. April öffentlich die Nase, als dort 60.000 Masken-Bausätze eingingen: Experten dort hielten sie nicht geeignet, um sie an Pflegeeinrichtungen auszugeben, teilte die Stadt mit.

58 Cent plus Steuer je Bausatz

Inzwischen gibt es ausreichend Mund-und-Nasenschutz im Handel, sie werden nicht mehr wie Gold gehandelt und die Wertschätzung für Bausätze ist nicht mehr hoch. Das Land spricht davon, dass im Landeslager nun "sowohl fertige als auch noch zu montierende Masken [liegen], die (....) dort, wo sie gebraucht werden, auch zu Verfügung gestellt werden sollen".

Der Autohersteller bietet sie derzeit bei einer Menge von 10.000 Stück zum Netto-Stückpreis von 58 Cent an. Bei größerer Abnahme wie durch das Land gelten individuelle Preise.

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*Wir haben an dieser Stelle die ursprüngliche Quelle des Fotos ergänzt.

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