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"Schweinestau" verursacht schwere Krise in Schlachthöfen


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"Schweinestau" verursacht Krise in Schlachthöfen

Von dpa
Aktualisiert am 05.10.2020Lesedauer: 2 Min.
Schweinemast: Schweinehalter beklagen, dass sie nicht mehr wissen, wohin mit den Tieren – wegen der Corona-Hygieneauflagen.
Schweinemast: Schweinehalter beklagen, dass sie nicht mehr wissen, wohin mit den Tieren – wegen der Corona-Hygieneauflagen. (Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa-bilder)
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Landwirte haben ein großes Problem: Wegen der Corona-Pandemie können sie nicht mehr alle Schweine abgeben, die schlachtreif sind. Darauf reagieren die Bundesländer.

Die coronabedingt geringeren Kapazitäten in deutschen Schweine-Schlachthöfen und Zerlegebetrieben machen den Landwirten Sorgen. Die Schlachthöfe seien nicht mehr in der Lage, alle schlachtreifen Tiere abzunehmen, beklagt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit Sitz im niedersächsischen Damme. Es bestehe ein regelrechter "Schweinestau". Die Landwirte wüssten nicht, wohin mit den Tieren.

Auf den Notruf der Schweinezüchter reagieren die Bundesländer unterschiedlich: Das Arbeits- und Sozialministerium in Nordrhein-Westfalen etwa erlaubte für den 3. Oktober die Schlachtung und Grobzerlegung von Schweinefleisch, bestätigte ein Ministeriumssprecher.

Niedersachsen an den Kapazitätsgrenzen angekommen

Im Nachbarland Niedersachsen hingegen sieht die Landesregierung die Kapazität der Schlachthöfe erschöpft. "Wir kennen das Problem und suchen nach Lösungen, aber so kurzfristig ist das nicht umsetzbar", sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. In NRW und Niedersachsen spielt die Schweinehaltung im bundesweiten Vergleich eine besonders große Rolle.

Vor allem aus Infektionsschutzgründen haben die Schlacht- und Zerlegebetriebe derzeit ihre Schlachtungen heruntergefahren, sagte dazu Heike Harstick, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der Fleischwirtschaft. Der Schutz der Mitarbeiter habe oberste Priorität. Außerdem gebe es bereits einen Mangel an Arbeitskräften wegen des Verbots der Werkarbeit, das zum 1. Januar in Kraft treten soll. Auch deswegen stehe für zusätzliche Schichten an Wochenenden kein Personal zur Verfügung.

Für den Branchenführer Tönnies heiße das, dass der größte Schlachthof im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück derzeit nur zu rund 75 Prozent der sonst vorgesehenen Kapazität produziere, erklärte dazu ein Unternehmenssprecher. Der Tönnies-Schlachthof im niedersächsischen Sögel produziere sogar nur zu 60 Prozent. Das zeige, dass bei den Kapazitäten tatsächlich richtig etwas fehle. In Sögel kommt hinzu, dass dort aktuell Corona-Infektionen aufgetreten sind. "Die Schlachtung am 3. Oktober ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte der Sprecher. Notwendig sei wieder eine langsame Steigerung der Schlachtmengen, natürlich unter Beachtung des Arbeitsschutzes.

Sondergenehmigungen schieben Problem nur auf

Tönnies-Konkurrent Westfleisch in Münster sieht das ähnlich. Da in Nordrhein-Westfalen bis Weihnachten kein weiterer Feiertag anstehe, sei über diesen Hebel keine weitere Entlastung zu erreichen. "Aufgrund der Arbeitszeit- und Arbeitsschutzbedingungen haben Sondergenehmigungen für Wochenenden oder Feiertage zudem lediglich aufschiebende Wirkung, da sich der Freizeitausgleich nur in die kommende Woche verlagert", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Die Landwirte wiederum können nicht so schnell umsteuern, sagte der Vizepräsident des Bauernverbands niedersächsisches Landvolk, Jörn Ehlers. Die Zyklen von der Besamung der Sau bis zur Mast im Stall seien lang – "wir haben einen langen Bremsweg". Inzwischen reiche der Rückstau bis zu den Ferkelerzeugern, die auch ihre Tiere nicht mehr an die Mäster loswerden.

Der Markt sieht für Schweineerzeuger derzeit ohnehin finster aus. Nachdem die Afrikanische Schweinepest in Deutschland nachgewiesen worden ist, stehen viele Auslandsmärkte nicht mehr für den Export zur Verfügung – die Preise sinken. Aktuell liegt der Schlachtpreis bei 1,27 Euro pro Kilo. Ende 2019 lag der Durchschnittsschlachtpreis noch bei rund 2 Euro, vor allem wegen der großen Nachfrage aus China.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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