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Susanne G.: Die Neonazi-Heilpraktikerin unter Terrorverdacht


Die Neonazi-Heilpraktikerin unter Terrorverdacht

  • Jonas Mueller-Töwe
  • Lars Wienand
Von Jonas Mueller-Töwe, Lars Wienand

Aktualisiert am 28.01.2021Lesedauer: 3 Min.
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Susanne G. als Ordnerin bei einer Demo des "Dritten Wegs" in Bamberg: Der Generalbundesanwalt hat Anklage gegen die Heilpraktikerin erhoben.
Susanne G. als Ordnerin bei einer Demo des "Dritten Wegs" in Bamberg: Der Generalbundesanwalt hat Anklage gegen die Heilpraktikerin erhoben. (Quelle: Anne Wild)
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Sprengmittel und Zündschnüre, Drohschreiben und scharfe Patronen: Eine Neonazi-Aktivistin soll Anschläge vorbereitet haben. Vor ihrer Festnahme war sie untergetaucht.

Auf Anfrage von t-online will ihr Strafverteidiger nichts sagen. Nicht, wie er die Vorwürfe gegen seine Mandantin Susanne G. beurteilt. Nicht, warum sie vor ihrer Festnahme untergetaucht war, wie es der Generalbundesanwalt beschreibt. Nicht, ob ein Zusammenhang zwischen ihrem Engagement für eine Neonazi-Partei und den ihr in einer Anklage des Generalbundesanwalts zur Last gelegten Taten besteht. "Auf Ihre Fragen erfolgt keine Stellungnahme", teilt Frank Miksch, der als Szeneanwalt für Rechtsextremisten gilt, in einer knappen E-Mail mit.

Morddrohungen und Vorbereitungen

Dabei gäbe es guten Grund, sich zur Anklage zu äußern, die seine Mandantin öffentlich mit schwersten Vorwürfen konfrontiert. Susanne G., die in einem kleinen Dorf nahe Nürnberg eine Praxis als Heilpraktikerin betrieb und einen örtlichen Sportverein betreute, soll nicht nur für eine Serie von Morddrohungen gegen Politiker und eine Moschee verantwortlich sein. Die 55-Jährige soll auch bereits sehr konkret Sprengmittel beschafft und ihre Ziele ausgespäht haben. Seit mehreren Monaten befindet sie sich in Untersuchungshaft.

Laut Informationen von t-online bewegte sich die Frau in Kreisen der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Dritter Weg". Bilder von 2019 und 2020 zeigen sie bei Demonstrationen, sie trägt darauf Pullover, Jacke und Mütze mit dem Emblem der Gruppe sowie eine weiße Armbinde, die sie als Ordnerin ausweist. Vor allem die Kundgebung am 1. Mai 2019 in Plauen hatte bundesweit und international Aufmerksamkeit erregt: Damals marschierten die Neonazis zum Entsetzen der Öffentlichkeit quasi uniformiert mit Fackeln, Pyrotechnik und Trommeln durch die Stadt. Sogar die "New York Times" berichtete darüber.

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Die Aufmerksamkeit war damals neu, das Problem aber über Jahre bekannt. Laut Verfassungsschutz lehnt die Partei "das Wertesystem der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ab und strebt nach einer Gesellschaftsordnung in Anlehnung an den historischen Nationalsozialismus". Sie ist Auffangbecken verbotener, weil militanter Neonazistrukturen. Immer wieder finden sich verurteilte Terroristen, vorbestrafte Gewalttäter und Terrorverdächtige in ihren Reihen.

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Auch Susanne G. gilt ab sofort als mutmaßliche Terroristin. Über mehrere Monate hinweg soll sie Drohschreiben in Form von Grußkarten an vermeintliche politische Gegner verschickt haben. Eines, das Anfang März in einem blauen Briefumschlag bei der muslimischen Ditib-Gemeinde in Röthenbach an der Pegnitz einging, lautete: "Ihr werdet niemals sicher sein!" Beigelegt war scharfe Munition. Eine rund 20 Beamte starke Sonderkommission (Soko "Karte") nahm die Ermittlungen auf – und identifizierte wenig später G. als mutmaßliche Absenderin. Offenbar hatte sie die Karten immer im selben Drogeriemarkt gekauft.

Patrone in der Post: Die Ditib-Gemeinde erhielt mit dem Schreiben auch eine Grußkarte mit einem Schweinemotiv. Susanne G. hatte solche Karten gekauft, bei ihr fand sich fand auch die Buchstaben-Schablone.
Patrone in der Post: Die Ditib-Gemeinde erhielt mit dem Schreiben auch eine Grußkarte mit einem Schweinemotiv. Susanne G. hatte solche Karten gekauft, bei ihr fand sich fand auch die Buchstaben-Schablone. (Quelle: Ditib Röthenbach)

Die anschließende Durchsuchung erhärtete den Verdacht: Sowohl ähnliche Grußkarten wurden laut Angaben der Ermittler gefunden, als auch eine Schablone, mit der die Schrift auf den Drohschreiben angebracht werden konnte. Computer und Mobiltelefon wurden sichergestellt. Für die Ermittler war bereits damals der rechtsextreme Hintergrund der Frau offenkundig. Grund für einen Haftbefehl bestand aber offenbar nicht.

"Auf einmal nicht mehr greifbar"

Und so blieb G. auf freiem Fuß – und "war auf einmal nicht mehr greifbar", wie ein Sprecher des Generalbundesanwalts t-online mitteilte. Untergetaucht. Ende August beantragte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth deswegen Haftbefehl. G. wurde polizeilich gesucht, bis sie gut zehn Tage später an einem Fürther Hotel aufgegriffen wurde, wo sie untergekommen war.

Offenbar erfolgte der Zugriff gerade rechtzeitig. Bei der Festnahme am 7. September 2020 durchsuchten Beamte ihr Fahrzeug – wo sie Material sicherstellten, wie es für Brandsätze benötigt wird: Benzin, Kartuschen mit einem Propan-Butan-Gasgemisch, Feuerwerkskörper und Zündschnüre. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte sie sich zuvor im Internet Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen beschafft und mögliche Anschlagsziele ausgekundschaftet. Unter anderem Privatfahrzeuge und Wohnungen von Polizeibeamten und eines fränkischen Mandatsträgers.

Die Anklage der Bundesanwaltschaft legt G. nun die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, die Drohschreiben und -anrufe sowie waffenrechtliche Verstöße zur Last. Entsprechende Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und der Generalstaatsanwaltschaft München hat sie gebündelt und an sich gezogen. Bei ihrer ersten Vernehmung im März hatte G. geschwiegen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Polizeipräsidium Mittelfranken: Pressemitteilung vom 20.3.2020
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