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Corona-Impfung: Stiko-Mitglied warnt vor genereller "Kinderimpfkampagne"

"Wir brauchen Daten"  

Stiko-Mitglied warnt vor genereller "Kinderimpfkampagne"

29.05.2021, 17:43 Uhr | dpa

Corona-Impfung: Stiko-Mitglied warnt vor genereller "Kinderimpfkampagne". Eine Schülerin wird mit dem Biontech-Vakzin geimpft: Die EMA hat grünes Licht für Kinderimpfungen gegeben, die Entscheidung der Stiko steht noch aus.  (Quelle: imago images/Fotostand/K. Schmitt)

Eine Schülerin wird mit dem Biontech-Vakzin geimpft: Die EMA hat grünes Licht für Kinderimpfungen gegeben, die Entscheidung der Stiko steht noch aus. (Quelle: Fotostand/K. Schmitt/imago images)

Immunologe Christian Bogdan ist Mitglied der Ständigen Impfkommission. Er warnt davor, Kinder auf Basis des jetzigen Wissens breit zu impfen. Noch fehlten Daten zu möglichen Nebenwirkungen. 

Stiko-Mitglied Christian Bogdan hat sich in der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder gegen eine "generelle Kinderimpfkampagne" ausgesprochen. "Eine Impfempfehlung kann nicht einfach deswegen ausgesprochen werden, weil es gerade gesellschaftlich oder politisch opportun erscheint", sagte der Erlanger Immunologe, der der Ständigen Impfkommission (Stiko) angehört, den "Nürnberger Nachrichten".

Die Wirksamkeit für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sei zwar nachgewiesen, "aber in Sachen Nebenwirkungen fehlen noch ausreichend Daten", sagte er. "Die Immunantwort eines Kindes kann anders verlaufen als bei einem Erwachsenen. Deswegen braucht man da mehr Daten."

Bogdan: Herdenimmunität auch ohne Kinder erreichbar

Beim Biontech-Impfstoff habe das Paul-Ehrlich-Institut beispielsweise "Hinweise für ein erhöhtes Auftreten von Herzmuskelentzündungen im zeitlichen Kontext zur Impfung, vor allem bei jungen Männern", sagte Bogdan. "Ich will nicht die Pferde scheu machen. Aber wir brauchen eben Daten und sollten nicht eine generelle Kinderimpfkampagne starten."

Ziel müsse es sein, in erster Linie diejenigen durch eine Impfung zu schützen, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken oder sogar zu sterben. "Eine Impfung von Kindern nur zum Zwecke des indirekten Schutzes anderer ist keine ausreichende Impf-Indikation."

Eine Impfquote von 70 bis 80 Prozent, die als Schwelle für eine sogenannte Herdenimmunität gilt, sei auch ohne die umfassende Impfung von Kindern zu erreichen.

Spahn zeigt sich in Afrika "demütig" 

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte am Freitag eine EU-Zulassung eines Biontech-Präparats für Kinder von 12 bis 15 Jahren befürwortet. Die formale Zulassung durch die EU-Kommission steht noch aus, ebenso die Prüfung der Ständigen Impfkommission, ob sie eine Impfung für Kinder generell empfiehlt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das grüne Licht der EMA für eine Zulassung des ersten Corona-Impfstoffes für Kinder begrüßt. Es sei "eine großartige Nachricht", dass das in Deutschland entwickelte Präparat auch sicher und wirksam für Kinder ab zwölf Jahren sei, sagte der CDU-Politiker am Samstag in Pretoria am Rande eines Südafrika-Besuchs.

Spahn hob hervor, dass man jetzt auch impfen und Sicherheit geben könne, wo Kinder und Jugendliche, Eltern und Ärzte entscheiden, dass dies Sinn mache. Es sei eine individuelle Entscheidung.

Mit Blick auf seine Reise nach Afrika, wo weniger als zwei Prozent der Bevölkerung geimpft seien, sagte Spahn, dies mache "schon auch demütig". Auch in Europa wolle man schneller vorankommen. "Aber dass wir schon über das Impfen von 12- und 16-Jährigen diskutieren, während in vielen anderen Ländern auf der Welt noch nicht mal die Schwerstkranken geimpft sind, zeigt auch, in welcher privilegierten Situation wir in Europa sind."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa 

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