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Priorisiert und ungeimpft: "Hoffnungslosigkeit und Warterei machen mich fertig"

Priorisiert und ungeimpft  

"Die Hoffnungslosigkeit und Warterei machen mich fertig"

09.06.2021, 18:19 Uhr
Priorisiert und ungeimpft: "Hoffnungslosigkeit und Warterei machen mich fertig". Seniorin blickt aus dem Fenster: Noch immer warten einige Menschen trotz ihrer Priorisierung auf einen Impftermin. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/ lucigerma)

Seniorin blickt aus dem Fenster: Noch immer warten einige Menschen trotz ihrer Priorisierung auf einen Impftermin. (Quelle: lucigerma/Thinkstock by Getty-Images)

Ständig abgewiesen, keine Unterstützung oder nicht genug Impfstoff. Fünf Leserinnen und Leser von t-online erzählen, warum sie trotz bisheriger Priorisierung noch immer keinen Impftermin haben. 

Schon seit dem Start der Impfkampagne in Deutschland war es besonders für ältere Menschen nicht einfach, Termine für die Impfung gegen das Coronavirus zu vereinbaren. Das Vergabeverfahren über die Impfzentren war für einige zu kompliziert, Hausärzte durften erst später mit der Impfung ihrer Patienten beginnen und beklagen noch immer den Mangel an ihnen zugeteiltem Impfstoff. Manche aus den bisherigen Priorisierungsgruppen warten noch immer auf einen Termin für die Erstimpfung. Jetzt, da die Priorisierung aufgehoben wurde, sind sie zunehmend frustriert und sehen ihre Chancen auf einen Impftermin schwinden.

Nachdem die Priorisierung gefallen war, haben wir die Leserinnen und Leser von t-online gefragt, ob sie nach der Reihenfolge bereits Anspruch gehabt hätten. Wenn ja, ob sie weiterhin auf einen Impftermin warten. Viele haben sich bei uns gemeldet und berichtet, woran eine Immunisierung bei Ihnen bisher gescheitert ist.

Der Hausarzt sagte: "Bis Ende August gibt es keine Erstimpfungen mehr."

t-online-Leser Enrico Barby: "Meine Frau, Priorisierungsgruppe zwei, und ich, Priorisierungsgruppe drei, versuchen schon länger, einen Termin zu bekommen. Wir haben einen neunjährigen Sohn, der bis vor Kurzem alle zwei Tage Unterricht in der Schule hatte. Jetzt wieder dauerhaft.

Wir haben uns sehr um einen Impftermin bemüht – im Impfzentrum und beim Hausarzt. Im Impfzentrum gibt es keine Termine und es scheitert schon daran, einen Vermittlungscode zu bekommen. Mit diesem kann man auf die zurückgegebenen Termine zugreifen. Diese werden einem aber trotz Priorisierung verwehrt. Also blieb nur der Hausarzt als Option. Dort haben wir vor zwei Wochen die Info bekommen, dass wir eine Woche später, also letzten Mittwoch, geimpft werden sollen. Dann war auf einmal nicht genügend Impfstoff vorhanden. Zweitimpfungen haben Vorrang.

Also bin ich am Donnerstag wieder zum Hausarzt gegangen und habe gefragt, wann der nächste Termin frei ist. Die Antwort war: 'Bis Ende August gibt es keine Erstimpfungen mehr'. So langsam habe ich wirklich den Verdacht, dass jetzt die Jugendlichen vorgezogen werden. Ich hatte immer Verständnis für die Situation. Aber langsam kommen Frust und Unverständnis auf. Momentan höre ich verstärkt in meinem Bekanntenkreis, dass viele Personen, die nicht zu Prioritätsgruppen zählen, schon geimpft sind, weil sie jemanden kennen. Die Geduld ist nach über einem Jahr Homeoffice und Homeschooling am Ende. Wir können nur hoffen, dass wir weiterhin ohne Erkrankung durch die Corona-Zeit kommen."

"Er hat schweres Parkinson und ist nicht mobil."

t-online-Leserin Julia Hein: "Mein Vater ist 76 Jahre alt und hat Pflegegrad zwei. Er hat schweres Parkinson und ist nicht mobil. Ein Krankentransport wird für ihn nicht angeboten. Mein Vater wollte dann, dass sein langjähriger Hausarzt einen Hausbesuch macht und ihn impft.

Er wurde vom seinem Hausarzt immer wieder vertröstet. Der sagte, dass zu wenig Impfstoff da sei. Er würde angeblich bereits auf der Liste stehen. Das ist Monate her. Inzwischen haben wir aufgegeben. Ich habe auch online versucht, einen Termin im Impfzentrum zu bekommen. Leider vergebens. Dort wird man direkt abgewiesen. Traurig aber vermutlich hält man es nicht mehr für wichtig, da Menschen wie mein Vater nicht mehr systemrelevant sind."

"Mein Hausarzt teilte mir mit, dass ich bei ihm keine Chance habe."

t-online-Leser Hartmut Coleman: "Ich bin 63 Jahre alt und komme aus Schleswig-Holstein. Ich bin in anderer Sache zu meinem Hausarzt gegangen und wollte mich in diesem Zusammenhang auf eine Warteliste für die Impfung setzen lassen. Zu diesem Zeitpunkt war die Priorisierung für Astrazeneca bereits aufgehoben, aber die Priorisierungsgruppe drei noch nicht zum Impfen eingeladen. Mein Hausarzt teilte mir mit, dass ich mit meinen 63 Jahren, gesund – außer Rückschmerzen –, bei ihm keine Chance habe, irgendwann geimpft zu werden.

Als im Impfzentrum die Priorisierungsgruppe drei aufgerufen wurde, war ich in der Warteschleife im Internet immer so weit hinten, dass keine Impftermine mehr frei waren. Telefonisch war immer besetzt oder die Ansage, dass alle Termine vergeben sind. Letzte Woche Donnerstag bis Montag konnten sich alle aus der Priorisierungsgruppen eins bis drei registrieren lassen, um dann im Losverfahren einen Impftermin zugewiesen zu bekommen. Wann das sein wird ist nicht abzusehen. Hiermit wollte man wohl den Frust vermeiden, wenn nach der Freigabe von Impfterminen die Leute in der Warteschleife hingen und keinen Impftermin bekommen haben."

"Sogar Kinder haben jetzt das Recht, sich noch vor uns impfen zu lassen."

t-online-Leser Jürgen und Angela Paffrath: "Auch meine Frau und ich selber sind bisher noch nicht geimpft. Mein Hausarzt hat uns im Januar nicht für einen Impftermin aufgenommen und uns auf das bayerische Impfzentrum verwiesen. Alsbald habe ich mich und meine Frau dort registriert, wobei wir beide – ich 58 Jahre, meine Frau 60 Jahre – dann mit Priorisierung drei eingestuft wurden.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass wir beide Diabetiker Typ eins sind und meine Frau noch dazu als Patientin mit schwerer Herzerkrankung und einem Schlaganfall besonders gefährdet ist. Sie hat unzählige Stents und Bypässe in ihrem Leben bekommen.

Momentan sind wir dran, uns wegen eines Impftermins zu kümmern. Wir haben es auch erneut viele Male beim Hausarzt versucht. Nichts als Absagen haben wir bisher bekommen. Mir platzt der Kragen, weil die Priorisierung aufgehoben wurde. Sogar Kinder haben jetzt das Recht, sich noch vor uns impfen zu lassen. Wie lange sollen wir auf eine uns zustehende Impfung noch warten?"

"Ich bekomme meinen Job womöglich nicht, weil ich nicht geimpft bin." 

t-online-Leserin Barbara Sterzenbach: "Ich bin fast 66 Jahre alt und gehöre zur Priorität drei. Ich bin wirklich obersauer. Ich habe ab September einen Job an der VHS angeboten bekommen und bekomme meinen Job womöglich nicht, weil ich nicht oder nicht vollständig geimpft bin. Selbst wenn ich ungeimpft anfangen darf zu arbeiten, riskiere ich als Raucherin eine schwere Infektion. Ich brauche diesen Job dringend, um meine karge Rente aufzubessern.

Ich habe keine Chance auf eine Impfung bei meiner Hausärztin. Im Impfzentrum stehe ich auf der Warteliste, bei sofort-impfen.de, einer Plattform für die Vergabe freigewordener Termine bei Hausärzten, ebenfalls. Die Hoffnungslosigkeit und Warterei machen mich psychisch fertig. Und ehrlich gesagt, bin ich neidisch auf alle, die es auf welchen Wegen auch immer schaffen, einen Impftermin zu ergattern."

Verwendete Quellen:
  • Einsendungen von Leserinnen und Lesern von t-online

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