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Curevac-Rückschlag: Wie es jetzt um die deutsche Impfkampagne steht

Rückschlag für Curevac  

Kann die Bundesregierung ihr Impfversprechen jetzt noch halten?

Von David Ruch

17.06.2021, 16:47 Uhr
Curevac-Rückschlag: Wie es jetzt um die deutsche Impfkampagne steht. Impfaktion bei den MV Werften in Wismar: In der vergangenen Woche würden über 5,7 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)

Impfaktion bei den MV Werften in Wismar: In der vergangenen Woche wurden über 5,7 Millionen Impfdosen in Deutschland verabreicht. (Quelle: Gregor Fischer/dpa)

Der Impfstoffkandidat des Tübinger Herstellers Curevac fällt vorerst aus, Biontech will seine Liefermengen herunterfahren. War es das mit dem deutschen Impfturbo? 

Es war ein empfindlicher Dämpfer für die Tübinger Biopharmafirma Curevac. Am späten Mittwochabend musste das Unternehmen in einer Pflichtbörsenmitteilung einräumen, dass der eigene Impfstoffkandidat CVnCoV in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung "jeglichen Schweregrades" erzielt hat. Die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien sind nicht erfüllt. An der Börse schmierten Curevac-Aktien ab.

Der Mainzer Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer legten am Mittwoch zudem Lieferzahlen für das dritte Quartal vor, die im ersten Moment einen Rückschritt für die deutsche Impfkampagne befürchten ließen. Laut Gesundheitsministerium nämlich wird sich die wöchentliche Lieferung von Biontech/Pfizer von knapp 5,7 Millionen Dosen Ende Juni auf 3,2 Millionen in der ersten Juliwoche reduzieren. Für die zweite Juliwoche werden sogar nur 3 Millionen Dosen angekündigt.

Der Rückschlag für Curevac, die Lieferreduzierung bei Biontech – was hat das für Auswirkungen auf die deutsche Impfkampagne? Geht der Schwung der letzten Wochen verloren? Wackelt nun das Ziel, allen Erwachsenen bis Ende Juli, Anfang August ein Impfangebot zu machen, das Gesundheitsminister Jens Spahn gestern noch einmal betonte?

Impfkampagne reitet auf Erfolgswelle

Zuletzt konnte man eigentlich ziemlich sicher davon ausgehen, dass der Minister sein Versprechen einhalten kann. Der Impffortschritt seit April hat den zähen Start der Kampagne zu Jahresbeginn vergessen gemacht. Vorige Woche gelang es erstmals, an vier aufeinanderfolgenden Tagen mehr als eine Million Impfdosen zu verabreichen.

Seit Anfang Juni wurden zudem zwei Meilensteine erreicht: Inzwischen sind über 60 Millionen Impfdosen verabreicht worden, über 20 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Und der nächste Meilenstein ist schon in Sichtweite: Noch in dieser Woche könnten 30 Prozent der Deutschen vollständig geimpft sein.

Den Löwenanteil der Impfstoffdosen stellt bislang Biontech/Pfizer. Ende der vergangenen Woche hatten die beiden Partnerunternehmen insgesamt rund 47,6 Millionen Dosen an Deutschland geliefert. Mit großem Abstand folgen Astrazeneca mit knapp 11,8 Millionen Dosen, Moderna mit 5,9 Millionen und Johnson & Johnson mit gut 2,2 Millionen. Insgesamt hat Deutschland damit bis jetzt knapp 67,6 Millionen Dosen erhalten.

Zusagen sollen eingehalten werden

Dass Biontech und Pfizer ihre Lieferungen nun zurückfahren, hat einen einfachen Grund: Bislang haben die beiden Hersteller weit mehr geliefert als ursprünglich beabsichtigt. Ein Teil der für das Gesamtjahr geplanten Liefermengen wurde nämlich auf den Mai und Juni vorgezogen, Deutschland bekam dadurch zehn Millionen Dosen mehr als eigentlich zugesagt. In konkreten Zahlen heißt das: Von den für 2021 verabredeten 120 Millionen Impfdosen wurden allein im zweiten Quartal 50 Millionen geliefert. Für die zweite Jahreshälfte sind noch einmal 60 Millionen Dosen angekündigt.

Das Gesundheitsministerium machte deshalb am Mittwoch deutlich: "Es war immer klar, dass die Gesamtmenge, die Biontech liefert, im dritten Quartal sinken wird und insgesamt bei 40,2 Millionen liegen wird." Bei der Gesamtmenge sei im dritten Quartal ein Durchschnitt von wöchentlich rund 3,3 Millionen zu erwarten. Diese Zahlen seien den Ländern gegenüber immer transparent kommuniziert worden, erklärte das Ministerium.

Kompensiert wird dieses Minus durch größere Liefermengen von Hersteller Moderna. Das US-Unternehmen hat den deutschen Impfzentren für die Kalenderwochen 27 bis 30 (Juli) jeweils rund 733.000 Dosen zugesagt. Im Vergleich zu den Lieferungen im Juni (zwischen 537.000 und 621.000 Impfdosen) ist das ein deutliches Plus.

Erfolg für Impfstoffkandidat ungewiss 

Und die Verzögerung bei Curevac? Für die Tübinger Firma, die mit dem Pharmariesen Bayer zusammenarbeitet, bedeutet das erst einmal, weiter forschen und Daten sammeln zu müssen. Wann und ob eine Zulassung des Impfstoffs bei einer Wirksamkeit von unter 50 Prozent möglich sein wird, ist unklar. Zudem dämpfen Experten Hoffnungen auf einen plötzlichen Quantensprung. Nach der Zwischenauswertung könne die Effizienz eines Impfstoffes bis zur finalen Zulassung noch um wenige Prozent steigen, sagte ein Sprecher des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa). "Eine enorme Zunahme ist aber nicht zu erwarten."

Dramatische Auswirkungen auf die Impfkampagne befürchtet der Verband indes nicht. Es gebe bereits mehrere zugelassene Corona-Impfstoffe, die deutlich wirksamer seien, sagte der Sprecher. Zudem seien bereits mehrere weitere Impfstoffkandidaten in fortgeschrittenen Studienphasen. Ein Rückschlag wie bei Curevac sei nicht ungewöhnlich und könne in jeder Studienphase geschehen.

Bundesregierung gibt sich gelassen

Die Europäische Union hat sich von dem Impfstoff bis zu 405 Millionen Dosen gesichert. Berichten zufolge war das Präparat in Deutschland lange Zeit für die zweite Jahreshälfte eingeplant. Laut dem Portal "Business Insider" ging die Bundesregierung in internen Lieferprognosen noch bis Ende Mai von einer zweistelligen Millionenmenge an Impfstoffdosen von Curevac bis Jahresende aus.

Auf der jüngst vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Liste der Lieferplanungen war das Vakzin aber nicht aufgeführt. Das könnte eine Erklärung für die gelassene Reaktion auf die Enttäuschung bei Curevac sein. Eine Auswirkung auf das Tempo der deutschen Impfkampagne habe dies nicht, erklärte ein Sprecher des Ministeriums.

Der vfa hofft nun auf die zweite Generation des Curevac-Impfstoffkandidaten. Diese verfüge über eine grundlegende Veränderung im Aufbau des Präparats, so der Sprecher des Verbandes. Sollte sich dieser Impfstoff bewähren, wäre Curevac bei der künftigen Impfstoffversorgung sicher dabei.

Verwendete Quellen:

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