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Flutkatastrophe: Warum wurden nicht mehr Menschen gewarnt?

Vorwürfe gegen Behörden  

Warum wurden nicht mehr Menschen vor den Fluten gewarnt?

17.07.2021, 14:42 Uhr | dpa, t-online

Tränen vor der Kamera: Fischhändler in Schuld hat alles verloren

Während die Zahl der Toten allein im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz auf über 90 steigt, ist ein Fischhändler in Schuld einfach nur froh, dass er überlebt hat. (Quelle: Reuters)

Tränen vor der Kamera: Ein Fischhändler in Schuld steht mitten in den Fluten – und hat alles verloren. (Quelle: Reuters)


Bei der Flutkatastrophe in Westdeutschland wurde nur ein Teil der Menschen gewarnt, zum Beispiel durch Sirenenalarm. Denn laut Innenministerium gibt es vielerorts kaum noch solcher Anlagen.

Die Hydrologin Hannah Cloke von der britischen Universität Reading erhebt schwere Vorwürfe gegen den Katastrophenschutz in Deutschland. Die hohen Todeszahlen durch die Flutkatastrophe seien ein "erhebliches Versagen des Systems". Sie hätte erwartet, dass Menschen evakuiert werden "und nicht, dass im Jahr 2021 so viele Menschen in einer Flut sterben", sagte die Wissenschaftlerin dem Magazin "Politico".

Tatsächlich hatte das Europäische Hochwasserwarnsystem (EFAS), für das auch Hannah Cloke arbeitet, schon zu Anfang der Woche eine "extreme Flutwarnung" herausgegeben. Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) habe die Warnung an die Behörden weitergeleitet, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche "Politico". Trotzdem gab es Vorwarnungen durch Sirenen oder Lautsprecherdurchsagen oft nicht oder erst zu spät. Nur ein Teil der Bevölkerung sei mit Sirenengeheul gewarnt worden, räumte jetzt auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ein.

Niemand weiß genau, wo die Sirenen stehen

Das liegt laut Seehofer daran, dass es vielerorts gar keine oder nur noch wenige funktionsfähige Sirenen gibt. Ein von seinem Ministerium aufgesetztes Förderprogramm für die Länder, die für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten die Verantwortung tragen, ist zwar geplant, aber noch nicht umgesetzt. "Seit dem Frühjahr laufen mit den Ländern Abstimmungen zum Förderprogramm für den Aufbau und die Ertüchtigung der Sirenen", so Ministeriumssprecher Steve Alter. Der Prozess sei auf der Zielgeraden.

Der Bund hatte den Ländern insgesamt 88 Millionen Euro angeboten. Die Wartungskosten für die Anlagen müssen die Länder aber selber aufbringen. Hinzu kommt, dass es aktuell keine bundesweite Übersicht gibt, wo überall Warnsirenen stehen und wo nicht. An der Erstellung einer solchen Übersicht, zu der alle Länder und Kommunen beitragen müssen, arbeitet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit dem Frühjahr. Gegen Ende des Jahres soll es fertig sein.

In einem Konzept zur Neuausrichtung der Bonner Behörde vom März heißt es: "Ungeachtet der Möglichkeiten, die sich aus der fortschreitenden Digitalisierung ergeben, ist auch der Ausbau und Betrieb analoger Warnmedien, wie zum Beispiel ein modernes Sirenennetz, wichtig." Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass Sirenen mit ihrem Weckeffekt auch Teile der Bevölkerung zügig und zuverlässig warnen könnten, die andere Warnmittel – etwa per Smartphone – nicht nutzen.

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