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Warnung vor wirtschaftlichem Druck auf Patientenversorgung

Von dpa
Aktualisiert am 24.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Klaus Reinhardt spricht als Pr├Ąsident der Bundes├Ąrztekammer beim Bundes├Ąrztetag in Bremen.
Klaus Reinhardt spricht als Pr├Ąsident der Bundes├Ąrztekammer beim Bundes├Ąrztetag in Bremen. (Quelle: Sina Schuldt/dpa./dpa)
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Bremen (dpa) - Die ├ärzte warnen vor versch├Ąrftem Personalmangel und wachsendem wirtschaftlichen Druck bei der Patientenversorgung. Preiswettbewerb, Kosteneffizienz und Renditestreben bestimmten mehr und mehr den Alltag, sagte der Pr├Ąsident der Bundes├Ąrztekammer, Klaus Reinhardt, am Dienstag beim Deutschen ├ärztetag in Bremen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach rief die L├Ąnder zum Ausbau der Medizin-Studienpl├Ątze auf. Man k├Ânne dies nicht kompensieren, indem man anderen Staaten ├ärzte wegnehme. "Das ist unethisch." Der SPD-Politiker bekr├Ąftigte, dass f├╝r den Herbst wieder mehr staatliche Corona-Schutzvorgaben ben├Âtigt werden.

Reinhardt kritisierte, ├ärztinnen und ├ärzte w├╝rden von Kliniktr├Ągern und Finanzinvestoren bei Medizinischen Versorgungszentren zunehmend angehalten, nach kommerziellen Vorgaben zu handeln. "Wir d├╝rfen nicht zulassen, dass unser Gesundheitssystem in ein profitorientiertes Franchise-System umgewandelt wird. Und wir wollen auch keine industriegleichen Abl├Ąufe in der station├Ąren Versorgung." N├Âtig sei eine Reform der Krankenhausfinanzierung ├╝ber die bisherigen starren Pauschalen f├╝r Behandlungsf├Ąlle. Der Einfluss von Finanzinvestoren auf ambulante Einrichtungen m├╝sse gesetzlich einged├Ąmmt werden.

Digitalisierung und Pandemie -Folgen f├╝r Kinder

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz monierte, dass es auch bei ├ärzten und gemeinn├╝tzigen Kliniken unn├╝tze Selbstzahler-Leistungen und Doppeluntersuchungen gebe. "Geldmacherei gibt es nicht nur bei Gro├čkonzernen", sagte Vorstand Eugen Brysch.

Der ├ärztepr├Ąsident sagte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, sie habe enormes Potenzial, die Versorgung zu verbessern und die Arbeit zu erleichtern. Anwendungen m├╝ssten aber auch st├Ârungsfrei und sicher funktionieren. "Es ist das Gegenteil von verantwortungsbewusster Gesundheitspolitik, wenn nicht ausreichend getestete Anwendungen auf Biegen und Brechen eingef├╝hrt werden, nur damit die politisch Verantwortlichen einen Haken auf ihrer To-Do-Liste machen k├Ânnen." Lauterbach betonte, dass die Priorit├Ąt auf Anwendungen liege, die einen sofort sp├╝rbaren Nutzen f├╝r Patienten wie ├ärzte bringen.

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Ein Schwerpunktthema beim ├ärztetag sind Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche. "Wir m├╝ssen Strategien entwickeln, um Kitas und Schulen offen zu halten und den Heranwachsenden auf diese Weise ein weitgehend normales Leben erm├Âglichen", sagte Reinhardt. Weiteres Thema der viert├Ągigen Beratungen mit 250 Delegierten soll der ├Ąrztliche Versorgungsbedarf in einer "Gesellschaft des langen Lebens" sein - also mit Blick darauf, dass es mehr ├ältere mit tendenziell mehr Erkrankungen geben d├╝rfte.

Mehr Studienpl├Ątze gefordert

Reinhardt sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur, die Corona-Krise verdeutliche, wie d├╝nn die Personaldecke schon heute sei - in den Pflegeberufen genauso wie bei ├ärztinnen und ├ärzten in Praxen, Krankenh├Ąusern und Gesundheits├Ąmtern. Zudem stehe eine "enorme Ruhestandswelle" insbesondere bei niedergelassenen ├ärzten bevor. "Wir brauchen mindestens 15 Prozent mehr Studienpl├Ątze in der Humanmedizin, um die Versorgung stabil zu halten", forderte er.

Lauterbach bekr├Ąftigte, dass die Corona-Pandemie leider nicht vorbei sei. Das Ministerium erarbeite derzeit eine Strategie f├╝r einen wieder erwarteten Anstieg der Infektionen im Herbst. Dazu geh├Ârten neben einer neuen Impfkampagne, Testregeln und dem Einsatz von Medikamenten auch erneute ├änderungen des bundesweiten Infektionsschutzgesetzes, das zum 23. September ausl├Ąuft. Was derzeit an Instrumenten vorhanden sei, werde nicht ausreichen, um im Herbst gut vorbereitet zu sein, sagte Lauterbach. Dabei gehe es um mehr, als nur eine Maskenpflicht in Innenr├Ąumen wieder zu erm├Âglichen.

Die ├ärzteschaft verurteilte russische Kriegsangriffe auch auf Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine und sicherte den dortigen Medizinern Solidarit├Ąt zu. Bei einem Portal der Bundes├Ąrztekammer zur Vor-Ort-Unterst├╝tzung in der Ukraine und der Fl├╝chtlingsversorgung in Nachbarstaaten h├Ątten sich mehr als 1600 ├ärztinnen und ├ärzte registriert. Sobald Bedarf im Rahmen internationaler humanit├Ąrer Missionen gemeldet werde, k├Ânnten ├ärzte vermittelt werden.

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