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Schnell erklärt: Sicherheitskontrolle am Flughafen – Kontrolle per Zufall

SCHNELL ERKLÄRTSicherheit am Flughafen  

Sicherheitsschleusen – Kontrolle per Zufall

Von Sara Orlos

09.08.2018, 20:15 Uhr
Zahlreiche Flüge nach Teil-Räumung gestrichen

Bereiche des Flughafen Frankfurts wurden nach einer Panne bei einer Sicherheitskontrolle über Stunden evakuiert. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen. (Quelle: t-online.de)

Flughafen-Chaos in Frankfurt: Zahlreiche Flüge nach Teil-Räumung gestrichen. (Quelle: t-online.de)


Sicherheitskontrollen haben in letzter Zeit für Chaos an deutschen Flughäfen gesorgt. Der Fall in Frankfurt wirft viele Fragen auf. Ein Blick hinter die Kulissen.

Keine Kontrolle in München, Panne in Frankfurt am Main und zuletzt Alarm in Bremen: Sicherheitsschleusen sorgten für Chaos in deutschen Flughäfen. Am vergangenen Dienstag kam es wegen einer Panne bei der Sicherheitskontrolle zum Ausnahmezustand im Frankfurter Flughafen. Die Sicherheitsbereiche mussten geräumt werden, 100 Flüge wurden gestrichen. Rund 7.000 Fluggäste waren von der Räumung beeinträchtigt. Der Grund: Ein Fehler in der Sicherheitskontrolle, der sogenannten Sicherheitsschleuse. 

Eine "Fraport"-Mitarbeiterin von hat trotz positivem Sprengstofftest eine vierköpfige Familie in den Sicherheitsbereich entlassen. Der Fehler fliegt auf, die Polizei muss einrücken. Dann stellen die Beamten fest, dass der Sprengstoffalarm falsch war – die Familie darf weiterreisen. Warum die Mitarbeiterin die Familie weiter gelassen hat, ist unbekannt. Der Fall wirft aber ganz andere Fragen zur Sicherheit in deutschen Flughäfen auf:

1. Was muss ein Sicherheitsmitarbeiter in der Regel tun, wenn ein Sprengstofftest positiv ist?

Die Entscheidung der Mitarbeiterin am Frankfurter Flughafen war falsch. Sie hat die Fluggäste in den Sicherheitsbereich gelassen. Bei einem sogenannten Rot-Alarm, einem positiven Sprengstofftest, muss ein Beamter der Bundespolizei informiert werden. Diese sind ebenso in der Sicherheitsschleuse stationiert. Durch die Beamten werden dann weitere Maßnahmen eingeleitet. Wenn sich der Verdacht nicht weiter bestätigt, darf die Person reisen.

2. Nach welchen Regeln kontrollieren Sicherheitsmitarbeiter auf Sprengstoff?

Wer ein wenig Flugerfahrung hat, weiß, dass sich nicht jeder Passagier einem Sprengstofftest unterziehen muss. Dass die Familie am Flughafen Frankfurt genauer kontrolliert wurde, liegt an einem Zufallsprinzip. "Sprengstoffkontrollen erfolgen stichprobenartig und zufallsbedingt", erklärte Saskia Bredewald, Polizeisprecherin des Flughafens Stuttgart gegenüber t-online.de. Dabei kann es passieren, dass die Sprengstoffgeräte einen Alarm senden, obwohl von einem Passagier keine Gefahr ausgeht. Die Geräte sind sehr empfindlich. "Ein Beispiel sind Reisende im Neujahr. Es kann sein, dass Überreste von Silvesterraketen an Haaren von dem Messgerät erkannt werden", so die Polizeisprecherin. 

3. Muss eine bestimmte Anzahl an Fluggästen pro Stunde einer genaueren Kontrolle unterzogen werden?

Es gibt bei den Kontrollen bestimmte Quoten, die für Sicherheitsmitarbeiter einzuhalten sind. Zahlen, wie viele Passagiere pro Stunde gründlicher kontrolliert werden müssen, sind geheim. Dabei variieren die Regeln nicht von Sicherheitsfirma zu Sicherheitsfirma, sondern richten sich nach einem einheitlichen Standard, wie dem Nationalen Luftsicherheitsprogramm.

4. Warum sind die Kontrollen dennoch von Flughafen zu Flughafen unterschiedlich? 

Während an einem Flughafen in der Sicherheitsschleuse die Schuhe immer ausgezogen werden müssen, verzichtet ein anderer auf diese Sicherheitsmaßnahme. Dieselben Unterschiede sind bei der Mitnahme von Gegenständen zu beobachten. Warum? Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Neben einheitlichen Regeln in der Sicherheitsschleuse gibt es auch Punkte, die einer Einzelfallentscheidung unterliegen.

Das betrifft vor allem die Mitnahme von strittigen Gegenständen. "Wenn eine 80-jährige Oma mit einer Stricknadel ins Flugzeug möchte, geht man davon aus, dass die Frau tatsächlich stricken möchte", sagte Polizeisprecherin Saskia Bredewald. Bei einer anderen Person, würde man die Nadel möglicherweise nicht zulassen. Solche Grenzfälle werden allerdings von der Bundespolizei entschieden, nicht von Mitarbeitern der Sicherheitsfirmen. 

5. Sind die Kontrollen am Flughafen immer gleich, unabhängig von Reiseziel?

Nein. In der Regel muss im Sicherheitsbereich vor dem Einstieg ins Flugzeug der Ausweis oder Reisepass vorgelegt werden. Doch nicht zwingend bei innereuropäischen Flügen. Aufgrund des Schengen-Abkommen gibt es keine polizeilichen Grenzkontrollen mehr. Das betrifft auch den Flugraum. Es ist den Airlines selbst überlassen, ob sie die Identität der Fluggäste kontrollieren und mit der Person auf dem Flugticket abgleichen. Somit findet auch hier eine Kontrolle per Zufall statt.

In einer vorherigen Version des Textes stand fälschlicherweise, dass es sich um eine Mitarbeiterin von FraSec handelte. Die Sicherheitsmitarbeiterin, der der Fehler unterlief, war aber bei dem Mutterkonzern Fraport AG angestellt.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche




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