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Wetter in Deutschland: Wie der Klimawandel Starkregen und Hitze beeinflusst

Frost, Hitze und Starkregen  

Was der Klimawandel mit dem deutschen Wetter macht

17.06.2019, 07:27 Uhr | dpa

 (Quelle: dpa)
Unwetter: Heftige Gewitter und Regenfälle in Norddeutschland

Dunkler Himmel, starke Winde und Blitze - so stellte sich das Wetter zu Beginn des Wochenendes vielerorts im Norden dar. Polizei und Feuerwehr waren in einigen Teilen Deutschlands gut beschäftigt. (Quelle: dpa)

Land unter: Heftige Unwetter zogen am Samstag über den Norden Deutschlands und beschäftigten Polizei und Feuerwehr. (Quelle: dpa)


Das Wetter in Deutschland ist seit längerem voller Überraschungen: Ein heißer Dürresommer 2018, nun Hitze und Starkregen. Hat das alles mit der Erderwärmung zu tun?

In der ersten Junihälfte sind die Menschen zwischen Nordsee und Alpen häufig ins Schwitzen gekommen. Der Monat war bisher im Bundesgebiet nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) deutlich wärmer als gewöhnlich. Besonders heiß sei es im Osten gewesen, sagt DWD-Meteorologe Jens Bonewitz. Im Mai dagegen hatte es wiederholt Frostalarm gegeben. Und all das nach dem Dürre- und Hitzesommer 2018. Verrücktes Wetter, ganz normal oder Folge des Klimawandels? Einige Fragen und Antworten zu dessen Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland.

Wie stark sind die Temperaturen bislang gestiegen?

Es sei seit Beginn der Industrialisierung in Deutschland schon durchschnittlich 1,4 Grad bis 1,5 Grad wärmer geworden, sagt Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Das heißt aber auch, es gibt immer wieder mal ein Jahr, dass darunter oder deutlich höher liegt. Der letzte Winter zum Beispiel war deutlich zu warm und es gab zumindest im Norden kaum Schnee." Weltweit beträgt der Temperaturanstieg im Schnitt etwa ein Grad. Die Kontinente erwärmen sich schneller als die Ozeane, die 70 Prozent der Oberfläche des Planeten ausmachen.

Der Mai zeigte sich eher frisch – ist also alles gar nicht so schlimm?

"Klimawandel heißt nicht, dass es nicht auch einmal eine kühle Jahreszeit geben kann, einen verregneten, kühlen Sommer oder einen kalten Winter", sagt DWD-Klimaexperte Tobias Fuchs. "Aktuell hatten wir aber gerade von April 2018 bis April 2019 insgesamt 13 aufeinanderfolgende zu warme Monate zu verzeichnen." Der Mai mit einer Durchschnittstemperatur unter dem Referenzwert sei daher kein Zeichen für eine Pause im Klimawandel gewesen.

Gibt es Regionen, in denen der Klimawandel künftig besonders deutlich zu spüren sein wird?

Manche Regionen seien besonders betroffen, zum Beispiel die Alpen, sagt Hattermann, "die Schneegrenze steigt, da es wärmer wird". Das habe Auswirkungen etwa auf den Skitourismus. "Aber auch Lebensräume schrumpfen, etwa die von alpinen Tieren wie den Schneehasen, die im Winter weiß werden." Besonders hart trifft die Trockenheit dem Forscher zufolge wiederum Regionen, die ohnehin keine guten Böden haben. Das sei in großen Teilen Ostdeutschlands und in der Heide der Fall, wo die recht sandigen Böden nur eine geringe Wasserspeicherfähigkeit haben.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf das künftige Wetter in Deutschland?

"Im Zuge des Klimawandels ist zu erwarten, dass sowohl trockene Phasen als auch Phasen mit Hochwasser sowie Hitzephasen – also Extreme –zunehmen werden", sagt DWD-Experte Fuchs. Auch er erwartet im Osten Deutschlands eher Probleme mit Trockenheit. "Wenn es regnet im Sommer, regnet es eher kräftiger", sagt er. "Die Dürrephasen, die wir im vergangenen Jahr gesehen haben, stehen dem nicht entgegen", betont Fuchs. "Kurz anhaltende Niederschläge können zu Sturzfluten führen und die Dürrezeiten können länger anhalten."

Dennoch: "Man soll keine Katastrophenszenarien beschwören, dass jetzt jedes Jahr so extrem wird wie das Dürre- und Hitzejahr 2018." Dazu sei das Wetter zu variabel. "Im Mittel wird es wahrscheinlich im Sommer trockener und im Winter feuchter werden." Man müsse aber auch auf Starkregen vorbereitet sein.

"Wir bekommen unser Wetter normalerweise vom Atlantik, wo die Luft sich auffeuchten kann, und wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen", erläutert Hattermann. Die tatsächliche Wassermenge in der bodennahen Atmosphäre sei in Deutschland dadurch gestiegen. Wenn es zu einem starken Niederschlag komme, sei daher mehr Potenzial dafür da, dass es stärker regne. "Außerdem beobachten wir immer häufiger, dass Wetterlagen nicht wie üblich nach wenigen Tagen weiterziehen, sondern längere Zeit zum Beispiel über Nordeuropa verharren", ergänzt der Forscher. "Dadurch folgt dann, dass wir eine längere Andauer von niederschlagsreichen oder aber trockenen Tagen haben, sodass sich extreme Wettersituationen entwickeln können."

Ändern sich die Jahreszeiten durch den Klimawandel?

"Der Winter wird kürzer", sagt Hattermann. Das sei eigentlich die Zeit, in der Reservoire, Boden- und Grundspeicher, aber auch etwa Seen und Staudämme aufgefüllt werden. Die Vegetationsperiode werde zugleich länger. Beides sei deutlich zu beobachten. "Dadurch haben wir selbst bei gleicher Niederschlagsmenge trotzdem im Sommer weniger Wasser zur Verfügung." Zum einen sei weniger Wasser im Schneespeicher vorhanden, zum anderen beginne das Pflanzenwachstum eher, wodurch auch Wasser verbraucht werde.



Wie viel wahrscheinlicher werden bestimmte Ereignisse durch den Klimawandel?

"Was sehr sicher ist – das Risiko von Hitzewellen oder tropischen Nächten steigt", sagt Hattermann. Fuchs bemerkt: "Aktuell kann man einzelne Ereignisse noch nicht dem Klimawandel zuordnen." Doch mit einer neuen Wissenschaftsmethode, der Attributionsmethode, dürfte sich das ändern. Damit sei zum Beispiel im vergangenen Jahr die Hitzewelle in Europa analysiert worden – für Mitteleuropa mit dem Ergebnis, dass sich die Wahrscheinlichkeit dieser Hitzewelle durch den Klimawandel etwa verdoppelt habe.
 

 
Es ist laut Hattermann immer noch schwierig zu sagen, woran man sich eigentlich anpassen soll – an ein sehr trockenes Jahr wie 2018 oder an ein sehr feuchtes Jahr wie 2017? "Besser ist es, zu diversifizieren und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Und natürlich: Flächen entsiegeln, grüne Lungen schaffen, Oberflächen entsprechend gestalten."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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