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Wie Kinder besser vor Missbrauch geschĂŒtzt werden

Von dpa
Aktualisiert am 17.06.2019Lesedauer: 3 Min.
Polizeiauto vor dem versiegelten Campingwagen des mutmaßlichen TĂ€ters von LĂŒgde.
Polizeiauto vor dem versiegelten Campingwagen des mutmaßlichen TĂ€ters von LĂŒgde. Kinderschutz- und SozialverbĂ€nde fordern Konsequenzen aus dem Missbrauchsfall auf dem Campingplatz. (Quelle: Guido Kirchner./dpa)
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DĂŒsseldorf (dpa) - Der jahrelange massenhafte Missbrauch von mehr als 40 Kindern auf einem Campingplatz in LĂŒgde (Nordrhein-Westfalen) wirft die Frage auf, warum die SchwĂ€chsten der Gesellschaft nicht besser geschĂŒtzt werden.

Kinderschutzorganisationen sollen am 24. Juni in einer Anhörung im NRW-Landtag Empfehlungen abgeben. Drei Tage spĂ€ter (27. Juni) beginnt der Prozess gegen drei Angeklagte im Fall LĂŒgde. Auch die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung will in KĂŒrze ein Konzept zum Kinderschutz vorlegen. Die sogenannte Bosbach-Kommission hat ebenfalls VorschlĂ€ge gemacht. Die Experten-Empfehlungen fĂŒr die Anhörung liegen schriftlich vor.

JUGENDÄMTER: Die LandschaftsverbĂ€nde LWL und LVR beklagen einen dramatischen FachkrĂ€ftemangel in den NRW-weit 186 JugendĂ€mtern. Die Fallzahlen, in denen die Ämter Risiken einschĂ€tzen oder Hilfe gewĂ€hren mĂŒssen, seien im bevölkerungsstĂ€rksten Bundesland seit 2012 um mehr als 11.000 auf fast 39.500 gestiegen. Landesfamilienminister Joachim Stamp (FDP) will nun "Fallobergrenzen" prĂŒfen. Die VerbĂ€nde und Stamp wollen bundesgesetzliche Regelungen fĂŒr sogenannte FallĂŒbergaben bei JugendĂ€mtern. Damit soll verhindert werden, dass wie im Fall LĂŒgde LĂŒcken beim Kindesschutz durch die ZustĂ€ndigkeit von gleich zwei JugendĂ€mtern entstehen.

KINDERSCHUTZBEAUFTRAGTER: VerbĂ€nde plĂ€dieren fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Kinderschutzbeauftragten. Er soll nicht nur die bestehenden Strukturen unter die Lupe nehmen, sondern auch Anlaufstelle fĂŒr "Whistleblower" werden, die Hinweise auf VerdachtsfĂ€lle geben. Einmal im Jahr soll er dem Landtag Bericht erstatten. Die NRW-Regierung steht dem offen gegenĂŒber. Vorstellbar wĂ€re ihrer Ansicht nach auch eine Kommission zur PrĂ€vention sexueller Gewalt gegen MinderjĂ€hrige.

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KINDERSCHUTZHOTLINE: In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben solche Hotlines nach Angaben der KinderschutzverbĂ€nde dazu gefĂŒhrt, dass deutlich mehr Hinweise auf KindeswohlgefĂ€hrdungen eingingen.

NETZWERKE:Fast unisono fordern Experten die Bildung von berufsĂŒbergreifenden Netzwerken aus Kitas, Schulen, Jugendhilfe, Vereinen, KinderĂ€rzten und BetreuungsstĂ€tten. Denn die unzureichende Kooperation der verschiedenen Stellen stelle ein Risiko dar. Vielfach wird zudem bemĂ€ngelt, dass besonders auf dem Land das Netz von Beratungsstellen zu dĂŒnn sei.

ÄRZTE:KinderĂ€rzte sollten sich untereinander besser austauschen können. Dies wird aber durch die Schweigepflicht und den Datenschutz erschwert. Die Bosbach-Kommission fordert eine Regelung, die einen internen Austausch rechtlich ermöglicht. Denn mögliche TĂ€ter wechselten oft den Kinderarzt, um Übergriffe zu verschleiern.

INTERNET:Nach wie vor kommen Meldungen zu kinderpornografischem Material ĂŒberwiegend aus den USA. Internet-Service-Provider in Deutschland sollten laut Deutscher Kinderhilfe wie in den USA dazu verpflichtet werden, VerdachtsfĂ€lle zu melden.

STRAFEN:Die Mindeststrafandrohung fĂŒr einfachen sexuellen Missbrauch von Kindern ist mit derzeit sechs Monaten laut Deutscher Kinderhilfe zu niedrig - bei WohnungseinbrĂŒchen liege sie bei einem Jahr. Auch die Innenminister der LĂ€nder reagieren. Sie wollen Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornografie kĂŒnftig hĂ€rter bestrafen. Die Höchststrafe fĂŒr die Verbreitung von Bildern und Videos soll von derzeit fĂŒnf auf zehn Jahre steigen, die Höchststrafe fĂŒr die Beschaffung von drei auf fĂŒnf Jahre. Einige Experten fordern zudem, dass VerjĂ€hrungsfristen bei sexuellem Missbrauch aufgehoben werden. Denn Opfer seien oft erst Jahrzehnte spĂ€ter in der Lage, ĂŒber ihre Erfahrungen zu sprechen.

OPFERSCHUTZ:Mehrfachbefragungen von Kindern sollten vermieden werden. In jeder Polizeidienststelle sollte ein Beamter oder eine Beamtin zur Kinderschutzfachkraft weiterqualifiziert werden, empfiehlt die Deutsche Kinderhilfe. VerbĂ€nde und Bosbach-Kommission sprechen sich fĂŒr verstĂ€rkte Videovernehmungen aus.

PRÄVENTION:Kinder sollen besser aufgeklĂ€rt werden. Über schulische PrĂ€ventionsprogramme könnten potenziell alle Kinder erreicht werden, erklĂ€rt die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BZgA). Gute AnsĂ€tze gebe es schon mit Theaterprojekten, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz. VerstĂ€rkt sollten bei der PrĂ€vention auch digitale Medien einbezogen werden.

AUSBILDUNG:Kinderschutz mĂŒsse Pflichtfach in der Erzieherausbildung, im Studium sowie in der Ausbildung an Familiengerichten und bei KinderĂ€rzten werden, fordert der Deutsche Kinderverein. Medizinisches Personal, Rettungsdienste, Polizei, Lehrer und Erzieher sollten in der FrĂŒherkennung geschult werden.

KINDERRECHTE:Kinder, die Hilfe zur Erziehung erhalten, sollten nach Ansicht des Deutschen Kindervereins einen Rechtsanspruch auf regelmĂ€ĂŸige persönliche GesprĂ€che mit dem Jugendamt haben. Dabei sollten sie ohne die Eltern ĂŒber ihr Befinden, ihre WĂŒnsche und mögliche GefĂ€hrdungen sprechen können.

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