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Wetter in Deutschland: Warum fühlt sich dieser Dezember wie Herbst an?

Belaubte Bäume statt weißem Advent  

Warum fühlt sich dieser Dezember wie Herbst an?

Eine Kolumne von Michaela Koschak

06.12.2019, 10:56 Uhr
Wetter: Viel Regen am zweiten Advent

Trübes Wetter mit Temperaturen im mittleren einstelligen Bereich dominieren die Nikolauswoche in Deutschland. Zum zweiten Adventswochenende erwartet uns immer mehr Regen. (Quelle: t-online.de)

Wetter: Zum zweiten Advent erwartet uns in Deutschland immer mehr Regen –die Wettervorhersage im Video. (Quelle: t-online.de)


Es ist Advent und in vielen Teilen Deutschlands tragen die Bäume noch Blätter. Dabei müsste doch schon längst der Winter Einzug gehalten haben – was ist hier los?

Der erste Advent ist vorbei, aber so richtige Weihnachtsstimmung kommt bei mir in diesem Jahr nicht auf. In einigen Landteilen hatte es ja pünktlich zum Adventssonntag angefangen zu schneien und auch die Alpen sind schon tief verschneit. Aber es gibt auch viele Regionen in Deutschland, wo die Bäume noch ordentlich belaubt sind und auf dem Balkon die ein oder andere Pflanze neue Blätterchen bekommt. Was ist hier los?

Wir haben Dezember, eigentlich Winterschlafenszeit für die Natur und nicht die Zeit auszutreiben. Schon letztes Jahr fielen die bunten Blätter an unseren Laubbäumen gefühlt sehr spät herunter, aber ich finde, dieses Jahr ist es noch krasser.

Letztes Jahr war es eigentlich gar nicht so spät, aber durch die Trockenheit verfärbte sich das Laub der Bäume sehr früh und schon im September lagen viele Blätter auf Gehwegen und in Parks herum. Das zog sich bis in den November hinein und fühlte sich daher lang an.

Bei extremer Trockenheit machen Pflanzen das als Schutzreaktion. So ein Baum sagt sich: "Lieber gebe ich die Hälfte meiner Blätter freiwillig her, als dass ich alle verliere." Jedoch werden geschwächte Bäume auch schneller von Schädlingen befallen. Zum Beispiel die Fichte, die kein Laubbaum ist, aber die vielerorts mit dem Borkenkäfer zu kämpfen hat. Die Natur ist schlau und ein in sich schlüssiges System.

Der Mensch liebt den langen Sommer – Schädlinge aber auch

Allerdings ist sie derzeit auch verwirrt, denn durch die Klimakrise werden die Vegetationsperioden weltweit betrachtet länger und verschieben sich. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass die Pflanzen im Frühjahr früher austreiben, schneller blühen und im Herbst länger grün bleiben. Das hat für uns Menschen den Vorteil, länger anbauen zu können und auch exotischere Pflanzen gedeihen jetzt in unseren Breiten. Durch den oft fehlenden strengen Frost im Winter haben es Schädlinge und Krankheitserreger leichter als früher. Sie vermehren sich und breiten sich aus.

Und die Natur ist völlig überfordert. Dort ist es normal, dass Rassen aussterben, Arten regional wandern und sich vieles verändert – aber nicht in der Geschwindigkeit, wie es die Erderwärmung momentan mit sich führt.

Die Erde ist 4,6 Milliarden Jahre alt, es gab schon immer Warm- und Kaltzeiten – aber die dauerten Zehntausende Jahre und nicht 150. So schnell kann sich die Vegetations- und Tierwelt nicht umstellen. Pflanzen, die nun früher blühen, müssen bestäubt werden, aber die Insekten dafür sind noch nicht geschlüpft.

Andere Tiere, die früher Nachwuchs bekommen, haben keine Nahrung für ihre Kleinen, weil die Pflanzen noch nicht ausgetrieben sind. Zugvögeln kann es passieren, dass sie nichts zu fressen finden, weil sie früher als sonst aus dem Süden zurückkommen. Die Natur ist schon immer großen Schwankungen unterlegen. Jedes Jahr sind die phänologischen Jahreszeiten, das heißt die Jahreszeiten, an die sich die Natur orientiert, bedingt durchs Wetter anders. Aber der Trend zu kürzeren Wintern ist eindeutig zu sehen und dass dies ein großes Durcheinander in der Natur nach sich zieht, sehen wir an vielen Beispielen.

Der Baum bemerkt den Winter nicht 

Dieses Jahr halten sich die Blätter an unseren Laubbäumen so lang, weil es noch nicht wirklich viele frostige Nächte gab, zudem stürmte und regnet es meist nicht genug. Die Laubverfärbung und der Laubfall sind nämlich nicht nur von der abnehmenden Tageslänge und dem tieferen Sonnenstand abhängig, sondern auch von den sinkenden Temperaturen in der Nacht.

Der Baum merkt im Herbst, es wird kühler, er sagt sich: "Bevor das lebenswichtige Wasser friert, muss ich mich wappnen." Der Baum zieht deshalb im Herbst alle Nährstoffe aus seinen Blättern und verschließt die Blattstiele, sodass sie von der Wasserversorgung abgeschnitten sind. Der Baum geht in Winterschlaf und kann in Ruhe neue Kraft schöpfen, um im nächsten Frühling wieder auszutreiben.

Wenn es dann richtig kalt wird, es kräftig regnet oder stürmt, taumeln die welken, absterbenden, bunten Blätter zu Boden – für uns Menschen heißt das: Der Herbst ist da.

Nun war es in diesem Herbst wieder recht lang mild und kaum frostig und somit wussten die Bäume nicht, dass sie sich eigentlich ihrer Blätter entledigen müssen.
 

 
Die Klimakrise verursacht so einiges Chaos in der Natur. Wenn wir Menschen die Erderwärmung weiter beschleunigen und nichts tun, zerstören wir unsere Lebensgrundlage, die Natur. Somit bitte ich Sie einmal mehr: Nehmen Sie das Thema Klimaschutz ernst und tun Sie jeder für sich kleine Dinge für das Klima, für die Natur. Wenn das alle machen, bewirkt es etwas.

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin und kennt sich mit der Atmosphäre bestens aus. Wenn Sie manchmal unsicher sind, was es mit der Klimakrise und dem Wetter auf sich hat, lesen Sie die Kolumne unserer Diplom-Meteorologin. Je mehr Sie zum Thema wissen, desto weniger verfallen Sie in Panik und desto bewusster und schonender gehen Sie mit der Umwelt um.

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