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Corona-Ausbruch in Deutschland: In diesen Landkreisen ist es am schlimmsten

7-Tage-Inzidenz  

In diesen Landkreisen häufen sich die Corona-Neuinfektionen

Von Laura Stresing, Cem Özer und Manfred Schäfer

18.10.2020, 06:23 Uhr
Corona-Ausbruch in Deutschland: In diesen Landkreisen ist es am schlimmsten. Grafik: Neuinfektionen in den Landkreisen. (Quelle: Getty Images)

Grafik: Neuinfektionen in den Landkreisen. (Quelle: Getty Images)

Bund und Länder wollen das Coronavirus lokal und regional bekämpfen. Dabei steht ein bestimmter Wert im Fokus: die sogenannte 7-Tage-Inzidenz. Wir zeigen, wo sich die Neuinfektionen aktuell häufen. 

Die Coronavirus-Pandemie nimmt erneut an Fahrt auf. Quer durch Deutschland entstehen regionale Corona-Hotspots. Die Zahl der neu gemeldeten Infektionen steigt seit dem Sommer kontinuierlich an und übersteigt mittlerweile sogar die im Frühjahr registrierten Fälle.

Die Bundesregierung und das Robert Koch-Institut mahnen zur Vorsicht. Die Maskenpflicht wird wieder ausgeweitet, in Berlin zum Beispiel gilt sie jetzt auch in Büros. Und in einigen Städten gilt auf öffentlichen Plätzen zeitweise Alkoholverbot. 

Corona-Obergrenze: Ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern wird es kritisch

Ähnliche Einschränkungen drohen überall dort, wo sich die Neuinfektionen häufen. Ausschlaggebend für Gegenmaßnahmen ist die sogenannte 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Eine Häufung von mehr als 35 Fällen gilt laut einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern als kritisch. Bei einem Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche müssen die Landesregierungen und Kommunen neue Maßnahmen verhängen, z. B. ein regionaler Lockdown. 

Unsere interaktive Karte zeigt, welche Landkreise die Obergrenze sprengen oder an ihr kratzen.

Fahren Sie mit dem Mauszeiger über einen Landkreis, um zu erfahren, wie viele Neuinfektionen es in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gab. Die Daten stammen vom Robert Koch-Institut und werden täglich aktualisiert. Bitte beachten: Landkreise und gleichnamige Kreisstädte werden gesondert ausgewiesen. Um beispielsweise den Wert für die Stadt Rosenheim im Landkreis Rosenheim zu sehen, müssen Sie gegebenenfalls in die Karte hineinzoomen.

Darum ist die 7-Tage-Inzidenz aussagekräftiger als andere Werte

Die 7-Tage-Inzidenz wurde eingeführt, um aktuelle Hotspots in der Coronavirus-Epidemie identifizieren und mögliche Risiken für die Bevölkerung besser bewerten zu können. Im Gegensatz zu der Gesamtzahl der labordiagnostisch bestätigten Fälle gibt der Wert eher das aktuelle Infektionsgeschehen wieder. Trotzdem muss man davon ausgehen, dass nicht alle Fälle erkannt werden. Außerdem gibt es einen Meldeverzug, der dazu führt, dass generell eher zu niedrige Fallzahlen gemeldet werden. 

Für diese Statistik wird die Zahl der Neuinfektionen ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt. Das ist wichtig, da bei der Betrachtung der absoluten Zahlen vor allem die Hotspots in den Großstädten auffallen würden, nicht aber in kleineren Gemeinden mit wenigen Einwohnern. Durch die Berechnung von 7-Tages-Intervallen werden zudem statistische Schwankungen durch Wochend- und Feiertage zumindest teilweise aufgefangen.

Die nachfolgende Karte zeigt die Gesamtzahl der bisher gemeldeten Fälle nach Landkreis. 

Warum wurde 50 als Obergrenze festgelegt?

Anfang Mai haben sich Bundesregierung und Ministerpräsidenten darauf geeinigt, dass die Ausnahmeregelungen und Einschränkungen, die zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie erlassen wurden, schrittweise gelockert werden. An die Stelle der bundes- und landesweiten Verbote sollten regionale Maßnahmen treten, um Ausbrüche lokal zu unterbinden.

Dazu wurde die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche festgelegt. Die Entscheidung basiert auf Erfahrungswerten und Einschätzungen aus der Politik und hat keine wissenschaftliche Grundlage. Hintergrund ist unter anderem, dass die lokalen Behörden in der Lage sein müssen, den Ausbruch verwaltungstechnisch zu bewältigen. Es muss beispielsweise ausreichend Personal zur Kontaktverfolgung zur Verfügung stehen. Auch die Gesundheitsversorgung muss sichergestellt sein – etwa für den Fall, dass Massentests notwendig werden.

Gütersloh, Mamming, Dithmarschen: Wo die Obergrenze auf die Probe gestellt wurde

Nach einem heftigen Coronavirus-Ausbruch in den Tönnies-Fleischereibetrieben im Landkreis Gütersloh wurde die Regelung erstmals auf die Probe gestellt und am 23. Juni ein "regionaler Lockdown" verhängt. Dieser wurde am 6. Juli gerichtlich aufgehoben. Mehr dazu hier. Anfang Oktober gibt es mehrere Landkreise, in denen die Lage angespannt ist. 

Kunden mit Mundschutz in einem Supermarkt: Die Maskenpflicht gilt als eine der wirksamsten Anti-Corona-Maßnahmen. (Quelle: imago images)Kunden mit Mundschutz in einem Supermarkt: Die Maskenpflicht gilt als eine der wirksamsten Anti-Corona-Maßnahmen. (Quelle: imago images)

Inzwischen sind mehrere Bezirke in Berlin und in Nordrhein-Westfalen zu regionalen Risikogebieten eingestuft worden. Ursache sind private Feiern und große Familienfeiern zu Hause oder in gemieteten Räumen.

Vielen Landkreisen in Deutschland ist es aber auch gelungen, die neuen Fallzahlen auf ein Minimum zu reduzieren. Manche Regionen, vor allem im Osten der Bundesrepublik, waren nie besonders stark betroffen. Warum das so ist, können Sie hier nachlesen. 

Trotzdem ist weiterhin Vorsicht geboten, denn eine zweite Welle im Herbst und Winter ist wahrscheinlich, die steigenden Zahlen im Oktober sprechen eine deutliche Sprache. Virologen warnen sogar, dass sich SARS-CoV-2 inzwischen deutschlandweit so verbreitet hat. Abstandsregeln und Hygienevorschriften sollten weiterhin eingehalten werden. Insbesondere das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hat sich wiederholt als effektive Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie erwiesen. 

Verwendete Quellen:
  • Daten vom Robert Koch-Institut
  • Eigene Recherchen

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