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Deutscher Helfer in Beirut: "Es ist unvorstellbar"

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 05.08.2020Lesedauer: 3 Min.
Serkan Eren: Erschöpft sitzt der 36-jĂ€hrige Stuttgarter in einer Straße in Beirut. Er war in die Innenstadt gefahren, um nach der gewaltigen Detonation zu helfen.
Serkan Eren: Erschöpft sitzt der 36-jĂ€hrige Stuttgarter in einer Straße in Beirut. Er war in die Innenstadt gefahren, um nach der gewaltigen Detonation zu helfen. (Quelle: privat)
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Eigentlich wollte er Hilfsprojekte im Libanon vorbereiten – dann wurde er zum Ersthelfer inmitten des Chaos von Beirut: Der Stuttgarter Serkan Eren hat nach der heftigen Explosion angepackt, bis ihn seine KrĂ€fte verließen.

Es ist 2 Uhr in der Nacht deutscher Zeit, schon 3 Uhr in Beirut. Serkan Eren sagt am Telefon, er wird so schnell nicht schlafen können. "Was ich gesehen habe, kann man nicht mit Worten beschreiben. Unvorstellbare Zerstörung. Viel Blut, dazu die Schreie von Menschen um Hilfe, und wenn man einem geholfen hatte, wartete schon der nÀchste. Ich stehe völlig neben mir und muss jetzt versuchen, erst einmal runterzukommen."


Bilder aus Beirut: Gewaltige Explosion fordert viele Tote

Beirut: In der libanesischen Hauptstadt steigt nach einer gewaltigen Explosion eine Rauchwolke auf.
Die genauen HintergrĂŒnde der Explosion werden noch ermittelt.
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Serkan Eren: Erschöpft sitzt der 36-jĂ€hrige Stuttgarter in einer Straße in Beirut. Er war in die Innenstadt gefahren, um nach der gewaltigen Detonation zu helfen.
Serkan Eren: Erschöpft sitzt der 36-jĂ€hrige Stuttgarter in einer Straße in Beirut. Er war in die Innenstadt gefahren, um nach der gewaltigen Detonation zu helfen. (Quelle: privat)
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Die Pension, in welcher der 36-JĂ€hrige aus Stuttgart untergebracht ist, ist nur 900 Meter von dem Ort entfernt, an dem am Dienstagabend ein Lager mit einer gewaltigen Detonation und einer vernichtenden Druckwelle explodiert ist. "Ich war zu meinem GlĂŒck in dem Moment 40 Kilometer entfernt", sagt Eren. Dorthin gefĂŒhrt hat ihn seine Aufgabe bei der Hilfsorganisation Stelp e.V., die ihm als Stipendiat der Initiative StartSocial schon eine Einladung ins Kanzleramt eingebracht hatte. SĂŒdlich von Beirut wollte er Hilfsprojekte zur Nahrungsmittelausgabe an Mittellose besprechen, als die Nachricht von der Explosion kam. "Ich bin mit einem Freund sofort losgefahren."

Bergungsarbeiten: Uniformierte und BĂŒrger suchten Seite an Seite nach Opfern der Detonation in Beirut.
Bergungsarbeiten: Uniformierte und BĂŒrger suchten Seite an Seite nach Opfern der Detonation in Beirut. (Quelle: Serkan Eren)

Blechlawine stadtauswÀrts aus Angst vor giftigen Gasen

In ihre Richtung fĂ€hrt kaum ein Auto, dafĂŒr ist stadtauswĂ€rts die Straße dicht. "In der Stadt hatte sich verbreitet, dass es giftige Gase gibt." Schon Kilometer von der Detonationsstelle entfernt passieren sie beschĂ€digte HĂ€user. Sie kommen an Straßen, in denen wegen TrĂŒmmern und BĂ€umen kaum ein Durchkommen möglich ist und keines fĂŒr grĂ¶ĂŸere Rettungsfahrzeuge. Sie fahren Bögen um Autos, die von der Druckwelle einfach auf die Seite geworfen wurden.

Und finden sich dann unweit des Hafens wieder zwischen Uniformierten und BĂŒrgern, die Menschen in Not helfen wollen. Es gibt Tausende Verletzte in der Stadt. Viele Menschen standen am Fenster und schauten hin zu dem Brand, als es plötzlich zu der enormen Explosion kam und die Druckwelle zumindest die Scheiben zum Bersten brachte.

Wie schwer Scherben oder herumfliegende TrĂŒmmer die Menschen verletzt haben, denen er begegnet, kann er nicht sagen. Aber zehn, vielleicht fĂŒnfzehn Menschen habe er aus HĂ€usern getragen. "Ich habe sehr viel Blut gesehen, Bilder, die mich so schnell nicht loslassen werden."

Serkan Eren bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen

Zeit zum Verschnaufen bleibt ihm in diesen Stunden kaum in der heißen, schwĂŒlen Luft Beiruts, die erfĂŒllt ist vom Heulen der Sirenen der Rettungsdienstfahrzeuge. "Wenn man bei dem einen fertig war, wartete schon die nĂ€chste Aufgabe." Um kurz vor Mitternacht postet er einige Bilder, die das Ausmaß erahnen lassen. Irgendwann wolle er auch ins Bett gehen, acht Kilometer entfernt bei Freunden, die Pension ist ja zerstört. Und am Mittwoch werde es dann weitergehen, sagt er in der Nacht. "Wir wissen ja noch nicht, was uns da erwartet."

Ein durch die Luft geworfenes Auto: Entlang der Straßen konnte Serkan Eren auf Schritt und Tritt die Wucht der Explosion erahnen.
Ein durch die Luft geworfenes Auto: Entlang der Straßen konnte Serkan Eren auf Schritt und Tritt die Wucht der Explosion erahnen. (Quelle: Serkan Eren)

Die eigentlich geplanten Hilfsprojekte stehen nun erst einmal zurĂŒck. "Wir werden unsere Mittel jetzt wohl in medizinische Versorgung stecken." Er hofft, dass Stelp dazu auch weitere Spenden erhĂ€lt. Den Verein hat er gegrĂŒndet, nachdem er selbst im Mittelpunkt eines UnglĂŒcks gestanden hatte. Nach einem schweren Unfall auf der A5 stand im Rettungshubschrauber sein Herz eine Minute still, ehe die Ärzte ihn zurĂŒckholten. Seine Arbeit als Personal Trainer musste er aufgeben, wurde Lehrer und grĂŒndete Stelp, "Stuttgart helps", um Menschen in grĂ¶ĂŸter Not zu helfen.

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