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Lockdown-Trend Eisbaden: Heilsversprechen oder Risiko?

Von dpa
Aktualisiert am 13.02.2021Lesedauer: 4 Min.
Der Winterschwimm-Verein in Rostock verzeichnete im Corona-Jahr 2020 einen deutlichen Mitgliederzulauf im Vergleich zu den Vorjahren.
Der Winterschwimm-Verein in Rostock verzeichnete im Corona-Jahr 2020 einen deutlichen Mitgliederzulauf im Vergleich zu den Vorjahren. (Quelle: Bernd W├╝stneck/dpa-Zentralbild/dpa./dpa)
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M├╝nchen (dpa) - Ob Model Eva Padberg (41), Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann (56) oder Handballspieler Silvio Heinevetter (36): Viele Menschen haben das Eis- oder Winterbaden f├╝r sich entdeckt.

Bei eisigen Temperaturen ins Wasser zu gehen, scheint f├╝r einige Leute gerade in Zeiten des Corona-Lockdowns eine Medizin geworden zu sein. Ob an Nord- und Ostsee, am Starnberger See oder an der Isar in M├╝nchen - vielerorts sieht man auf einmal Menschen im kalten Wasser johlen, mit Pudelm├╝tze, ganz nackt oder im Bikini.

Kai Diekmann bezeichnete es auf Instagram als Vergn├╝gen, bei drei Grad Wasser- und einem Grad Lufttemperatur an einem Sonntagmorgen im Potsdamer Jungfernsee zu schwimmen. Silvio Heinevetter zeigte sich zum Jahreswechsel, wie er nur mit Badeshorts bekleidet aus dem Berliner Schlachtensee stieg. Seinen Instagram-Followern w├╝nschte er lakonisch ein "gesundes neues Jahr, ihr Warmduscher".

Das war allerdings noch vor der Polark├Ąlte der vergangenen Tage, die viele Gew├Ąsser in Deutschland zufrieren lie├č. Eva Padberg pr├Ąsentierte sich schlie├člich beim Eisbad irgendwo in der Uckermark und schrieb stolz bei Instagram, es sei viel ertr├Ąglicher als gedacht. Auf einem Foto war sie im eiskalten Wasser in einem Loch in einem ansonsten zugefrorenen See zu sehen.

Dass jedoch vor allem beim Bad in vereisten Gew├Ąssern Vorsicht geboten ist, zeigte sich dieser Tage in Berlin. Dort starb ein Mann, nachdem er mit mehreren Begleitern in den vereisten "Karpfenteich" im Treptower Park gestiegen und pl├Âtzlich verschwunden war. Erst zweieinhalb Stunden sp├Ąter fanden Rettungstaucher den vermissten 43-J├Ąhrigen, der in dem eisigen Wasser nur eine Badehose trug. Der Mann wurde reanimiert und stark unterk├╝hlt in ein Krankenhaus gebracht - doch er ├╝berlebte nicht. "Das Baden im Eis ist lebensgef├Ąhrlich", warnte die Feuerwehr.

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Winterschwimmen und Eisbaden locken offensichtlich immer mehr Interessenten an. Zwar habe es bereits vor der Corona-Pandemie verst├Ąrkte Anfragen gegeben, sagt Jelena Bundesmann von den "Berliner Seehunden". Inzwischen sei der Verein aber von 60 auf mehr als 125 Mitglieder gewachsen und habe einen Aufnahmestopp erlassen. "Aber wir sehen auch, dass derzeit noch mehr Menschen ins kalte Wasser gehen. Das Interesse ist gestiegen. Vielleicht auch, weil die Freizeitm├Âglichkeiten eingeschr├Ąnkt sind und die Menschen mehr Zeit haben und raus wollen."

Eine Art Guru der Szene ist Wim Hof. Der niederl├Ąndische Extremsportler alias "The Iceman" zeigt sich bei Instagram im Spagat im Schnee oder im Lotussitz auf zugefrorenen Seen, die H├Ąnde vorm Herz. Er sei kein Superheld, schreibt er ├╝ber sich selbst, jeder k├Ânne so sein wie er. Dieses Versprechen hat Hof mittlerweile ├╝ber 1,7 Millionen Follower und Unmengen an Nachahmern beschert.

Mit all dem nichts am Hut haben will Martin Beck, der zu einer Gruppe von Eisschwimmern im M├╝nchner Umland geh├Ârt. "Ich will keine Rekorde, ich will keine Gurus, ich will kein Instagram", sagt Beck. Das st├Ąndige Wetteifern interessiert ihn nach eigener Darstellung nicht. "Ich will einfach nur ins Wasser, solange es guttut." Wer es schaffe, ins Wasser zu gehen, habe schon genug erreicht. "Der ganze Tag ist dann superduper entspannt", sagt Beck. Statt wie zun├Ąchst nur zu dritt seien die Eisschwimmer bei ihren Ausfl├╝gen in die Isar und an die Seen im M├╝nchner Umland nun im Schnitt zu f├╝nft.

Auch Winterschwimm-Verein "Rostocker Seehunde" verzeichnete im Corona-Jahr 2020 einen "riesigen Mitgliederzulauf" im Vergleich zu den Vorjahren. In Zahlen hei├čt das: "Jetzt haben wir endlich mal die 90 ├╝berschritten und bewegen uns auf die 100 zu", sagt der Vereinsvorsitzende Dietmar Marquardt.

F├╝r das w├Ąhrend der Pandemie gestiegene Interesse an dem Sport, den er bereits seit ├╝ber 40 Jahren betreibt, hat Marquardt eine Theorie: "Es ist auf jeden Fall ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein." F├╝r Vereinszuwachs sorge zudem der Gedanke an eine Gemeinschaft - auch wenn derzeit nur in Zweiergruppen in der Ostsee gebadet werde.

Auch Jelena Bundesmann von den "Berliner Seehunden" sagt, dass das Gesundheitsbewusstsein eine Rolle spiele. "Manche sagen, das Eisbaden tue ihnen gut, sie h├Ątten weniger Erk├Ąltungen und seien besser durchblutet. Oder es hilft gegen R├╝ckenschmerzen."

Bundesmann r├Ąt Anf├Ąngern, langsam mit der Gew├Âhnung an das kalte bis eiskalte Wasser zu beginnen und vorsichtig zu sein: "Nicht alleine schwimmen, in flach abfallendes Wasser und nicht direkt ins ganz Tiefe reingehen, nicht ohne Sicherung in L├Âchern im Eis baden." Anfangs sei Eisbaden im Stehen oder Sitzen besser als minutenlanges Eisschwimmen. Neopren-Schuhe, eine M├╝tze und warme Kleidung zum schnellen Anziehen danach seien au├čerdem n├╝tzlich.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) registriert bisher keine gestiegene Zahl an Eins├Ątzen wegen des Wintersports. Worauf man trotzdem achten sollte, erkl├Ąrt Tobias Uhing, Landesarzt der DLRG Bayern: "Grunds├Ątzlich ist zu empfehlen, vor dem Eisbaden mit dem Hausarzt zu sprechen." Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf- und Gef├Ą├čerkrankungen m├╝ssten im Zweifelsfall auf den Trend verzichten.

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