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Lanz bricht eine Lanze für Lauterbach: Pandemie früher als Drosten eingeschätzt

Lanz bricht eine Lanze für Karl Lauterbach  

Pandemie früher als Drosten eingeschätzt

Eine TV-Kritik von Christian Bartels

25.02.2021, 09:40 Uhr
Lanz bricht eine Lanze für Lauterbach: Pandemie früher als Drosten eingeschätzt. Karl Lauterbach (Archivbild): Der SPD-Gesundheitsexperte ist in der Corona-Pandemie ein häufiger Gast bei "Markus Lanz". (Quelle: H. Hartmann/Future Image/imago images)

Karl Lauterbach (Archivbild): Der SPD-Gesundheitsexperte ist in der Corona-Pandemie ein häufiger Gast bei "Markus Lanz". (Quelle: H. Hartmann/Future Image/imago images)

Bei "Markus Lanz" ringen SPD-Politiker Lauterbach und Journalist Prantl um gemeinsame Nenner in der Pandemie. Was wiegt schwerer: Die dritte Corona-Welle oder die "furchtbare Verletzung der Menschenwürde"?

Markus Lanz sagt sehr oft "Ich freue mich sehr", wenn er seine Gäste vorstellt. Am Anfang seiner Rederunde am gestrigen Mittwochabend freute er sich sehr auf eine scharfe Auseinandersetzung zwischen zwei Gästen, deren Positionen zum Dauerthema Corona "kaum weiter auseinander" liegen könnten. Damit meinte der Moderator seinen Stammgast Karl Lauterbach, der 2020 17-mal und in diesem Jahr bereits zum dritten Mal bei ihm gastierte, und den renommierten Leitartikler Heribert Prantl.

Tatsächlich entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der vor allem die als "Scharnier" (Lanz) zwischen den beiden platzierte, inzwischen ebenfalls aus zahlreichen Fernsehauftritten bekannte Medizinethikerin Alena Buyx überzeugte.

Die Gäste:

  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte
  • Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats
  • Lisa Federle, Ärztin und Pandemiebeauftragte des Landkreises Tübingen
  • Heribert Prantl, Journalist ("Süddeutsche Zeitung") und Jurist

Immer wieder prallten bekannte, konträre Positionen aufeinander, doch zeigte sich auch Bemühen um Einigkeit. Mit der Ankündigung "die dritte Welle ist unabwendbar", setzte Lauterbach den Ton. Doch durch regelmäßiges Testen könne, wenn nun Schulen und Kitas öffnen, die Lage im Griff behalten werden, bis "das rettende Ufer der Impfung" erreicht sei.

Prantl versuchte wortgewaltig dagegen zu halten, sprach einmal etwa von der "furchtbaren Verletzung der Menschenwürde" in Altenheimen während des ersten Lockdowns. Er wünsche sich eine "Zusammenschau aller Gesichtspunkte", bei der außer Virologen etwa auch "Pädagogen, Psychologen, Kinderärzte und Verfassungsrechtler" einbezogen werden sollten. "Grundrechte in der Quarantäne" lautet der Untertitel seines neuen Buchs, dessen Cover eingeblendet wurde.

Der alte Konflikt, der sich hier zeigte:

Während Prantl sich Differenzierung bei der Öffnung von Geschäften und Kulturstätten wünscht, betonte Lauterbach, wie wichtig es sei, überall Kontakte zu reduzieren. Beide hätten recht, fasste Buyx zusammen. Die Medizinethikerin hob hervor, dass das "Ringen darum, was das richtige Maß ist", zwar schmerzhaft sei, insgesamt aber, in zahllosen Gerichtsverfahren wie in der gesellschaftlichen Diskussion, funktioniere. Bei zu scharfer Kritik allerdings drohe "angstbesetzter Vertrauensverlust".

Das richtete sich gegen Prantl. Tatsächlich argumentierte der Journalist oft abstrakt und nicht immer überzeugend. Mit "Sie haben den Löffel abgegeben an die Exekutive", kritisierte er den Bundestag, der sich aus der Verantwortung ziehe. Dabei tragen die Mehrheiten im Bundestag wie in den Landtagen ja so gut wie alles mit, was Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten beschließen. Später brachte er den Begriff "alternativlos" ins Spiel, um sich darüber aufzuregen – obwohl niemand sonst ihn verwendet hatte.

Die Menschen bräuchten ja nur Optimismus, da waren sich Lauterbach und Prantl dann doch einig. Er schlage ja immer auch eine Lösung vor, wenn er ein Problem benenne, so Lauterbach – da kippte die zweite Frau in der Runde Sand ins Getriebe. "Wir haben ein Sterben auf Raten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen", sagte Lisa Federle, die das "Tübinger Modell" des Grünen-Bürgermeisters Boris Palmer vertritt. Da war die nächste altbekannte Streitfrage: Werden, wenn Politiker wie Lauterbach, die bei steigenden Inzidenzwerten stets die steigende Zahl der Toten betonen, die Depressionen und Existenzängste derer vernachlässigt, denen jegliche Perspektive fehlt?

Das Thema Schnelltests kommt in der Runde etwas zu kurz

Leider unterbelichtet blieb die Frage, warum schnelle Coronatests im Ausland, etwa in Österreich, viel früher erfolgreich eingeführt wurden als hierzulande. Lauterbach deutete Vorbehalte des Robert Koch-Instituts (RKI) an. Buyx betonte, "dass wir uns in Deutschland sehr schwer tun, Medizinprodukte in Laienhände zu geben", was im Normalfall eine sinnvolle, in Krisenzeiten aber die falsche Strategie sei. Über dieses Thema hätte die Runde ruhig ausführlicher diskutieren können.

Stattdessen brachte Moderator Lanz, um Prantl wieder ins Boot zu holen, das Thema Sprache zurück aufs Tapet. Wenn nun "Privilegien" für Geimpfte gefordert werden, sei "etwas verrutscht". Schließlich handelt es sich bei Berufs- und Bewegungsfreiheit um Grundrechte. Der Ethikrat rate, von "Rücknahme von Freiheitseinschränkungen" zu sprechen, sagte Buyx.

"Wenn das rettende Ufer ein wanderndes Ufer ist" 

Die relative Einigkeit verschwand ausgerechnet zum Ende der Sendung, als es um künftige Perspektiven ging. "Ich spreche ja nicht über Jahre, sondern über wenige Monate", sagte Lauterbach. Dann erst seien die Hauptrisikogruppen geimpft, meinte der SPD-Mann. Zugleich berge eine schnelle Ausbreitung der südafrikanischen Virusvariante die Gefahr, dass Impfen weniger helfen könne. Das entlockte Prantl den guten Spruch: "Wenn das rettende Ufer ein wanderndes Ufer ist" und Federle den Ausruf: "Jetzt machen Sie den Menschen wieder Angst!". Was wiederum Lanz veranlasste, eine Lanze für seinen Stammgast zu brechen, den man nicht bei jeder Gelegenheit "lang machen" solle: Karl Lauterbach habe die Pandemie von Anfang an, sogar früher als Christian Drosten, meist korrekt eingeschätzt.

Lanz war es offenkundig nicht recht, dass das sympathische Ringen um Einigkeit in seiner Talkrunde am Ende wieder scharfer Konfrontation wich. Dabei war genau das aufschlussreich. Zeigte es doch gut, dass beim Thema Corona eben wenig Einigkeit herrscht und die schwierige Suche nach gemeinsamen Nennern dringend nötig bleibt.

Verwendete Quellen:
  • "Markus Lanz" vom 24. Februar 2021

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