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TV-Kritik "Markus Lanz": "Armin Laschet hat die Welle nicht gesehen"

TV-Kritik "Markus Lanz"  

"Laschet hat die Welle nicht gesehen, die ihn fast erschlagen hätte"

Eine TV-Kritik von Christian Bartels

27.05.2021, 07:51 Uhr
TV-Kritik "Markus Lanz": "Armin Laschet hat die Welle nicht gesehen". Christoph Ploß (Archivbild): Der CDU-Politiker war bei "Markus Lanz" zu Gast und verteidigte seine Kritik an der Gendersprache. (Quelle: imago images)

Christoph Ploß (Archivbild): Der CDU-Politiker war bei "Markus Lanz" zu Gast und verteidigte seine Kritik an der Gendersprache. (Quelle: imago images)

Bei "Markus Lanz" ging es mit Besteller-Autor Robin Alexander und einem jungen Christdemokraten um die Krise der CDU, um Corona und viel zu kurz auch um das spannende Thema Gendersprache.

Von einer Fußball-Zusammenfassung wurde die "Markus Lanz"-Sendung am Mittwoch bis kurz vor Mitternacht geschoben. Wirklich spannend wurde es erst kurz vor Schluss, also weit nach Mitternacht. Da sollte der in Fernseh-Talkshows noch unverbrauchte CDU-Politiker Christoph Ploß seine aktuell vieldiskutierte Kritik an der Gendersprache erläutern. 

Die Gäste:

  • Hendrik Streeck, Virologe
  • Christina Berndt, Wissenschaftsjournalistin ("Süddeutsche Zeitung")
  • Robin Alexander, Politikjournalist ("Die Welt") und Buchautor
  • Christoph Ploß, Vorsitzender der Hamburger CDU


Für dieses Thema war der 35-Jährige spürbar gewappnet. Das Verb "verbieten", das Moderator Lanz ihm gerne in den Mund legen wollte, vermied Ploß durch Formulierungen wie: "Die staatlichen Einrichtungen sollten sich an die deutsche Grammatik halten." Unterstriche, Gendersternchen und amtliche Begriffe à la "verunfallte Autofahrende" würden die Gesellschaft spalten, statt für Zusammenhalt sorgen, argumentierte er. Damit schnitt Ploß das so schwierige wie kontroverse Thema Identitätspolitik an und schien auf eine Debatte darüber vorbereitet. "Leichte Stolpersteine in der Sprache" schafften Bewusstsein, und Sprache verändere sich laufend, entgegnete die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt. Dummerweise war die Sendung dann vorbei, und Lanz verabschiedete Ploß, der an seinem Drehort Hamburg aktiv ist, mit "Es war nicht das letzte Mal".

Zuvor war es um Corona- und CDU/CSU-Themen gegangen. Der ebenso gern eingeladene wie umstrittene Virologe Hendrik Streeck nannte die Öffnung der Außengastronomie einen "richtigen Schritt". Obwohl von Lanz wiederholt gedrängt, Blicke in die "Kristallkugel" zu werfen, wollte er sich weder festlegen, ob nach dem Sommer im Herbst eine weitere Infektionswelle bevorsteht, noch, wann Besuche von Fußballstadien oder Rockkonzerten wieder wie einst gewohnt stattfinden können. Zumindest dürften die Menschen 2022 die Mund-Nase-Masken abgelegt haben, sagte die Wissenschaftsjournalistin Berndt.

Erscheinen inzwischen 800 neue Corona-Studien pro Tag, wie Lanz meinte? Nein, es seien nur rund 800 pro Woche, antwortete Streeck, aber die alle könne ja auch niemand lesen. Zum Thema Corona zeigte sich die Runde insgesamt optimistisch gestimmt und, für Talkshows, ungewöhnlich einig. Bloß Robin Alexander goss etwas Wasser in den Wein. Was Öffnungsschritte betrifft, "bekommen wir wieder die gleiche Debatte wie im letzten Sommer", sagte der oft gut informierte "Welt"-Journalist voraus, bloß "in einer deutlich hektischeren Situation", nämlich vor der Bundestagswahl.

"Kinder haben kein Wahlrecht"

Entgegen der Ankündigung eher wenig gesprochen wurde über die Probleme von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie. "Die Rentner dürfen nach Mallorca", aber man zögert, die Schule zu öffnen, obwohl sie viel sicherer geworden seien, beklagte Berndt. Da hakte erneut Alexander ein, um über größere politische Zusammenhänge zu sprechen. Das sei ein strukturelles Problem: "Kinder haben kein Wahlrecht", und Eltern, deren Kinder noch zuhause leben, stellten bloß rund 20 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Wähler, die endlich wieder in Urlaub fliegen wollen, sei größer. "Wir sind ein von Kinderlosigkeit geprägtes Land." Daher werde vor allem für die Interessen einer Mehrheit, die keine Kinder hat, Politik gemacht, argumentierte er.

Das hätte zu einer grundsätzlichen Diskussion führen können, auch mit dem jungen CDU-Landesvorsitzenden Ploß, der bis dahin kaum zu Wort gekommen war, und dem wenig älteren (43-jährigen) Streeck. Doch der Moderator hatte einen anderen Verlauf im Sinn: Im zweiten Block sollte es um Robin Alexanders neues Buch "Machtverfall" gehen, das nicht nur einmal mit "Bestseller"-Aufkleber eingeblendet wurde.

Die Macht, die der Autor verfallen sieht, ist erstens die der Bundeskanzlerin: Ohne Corona wäre Angela Merkel in ihrer letzten Amtszeit oft ins Ausland gereist und etwa in den USA "als Überwinderin von Donald Trump gefeiert worden". In der Pandemie jedoch sei sie dann "in der Ministerpräsidenten-Runde verzweifelt", weil sie "Herrn Haseloff und Herrn Ramelow" nicht überwinden konnte. Außerdem sieht Alexander die Macht der CDU verfallen und schilderte ausgiebig die Laschet-Söder-Auseinandersetzung. Das sei kein CDU-CSU-Streit gewesen, wie es ihn früher oft gab, sondern eine Identitätskrise der CDU, die noch lange nachwirken werde. "Wenn die Jungen in der CDU abgestimmt hätten, hätte Söder 80 Prozent bekommen", sagte Alexander. "Laschet hat die Welle gar nicht gesehen, die ihn fast erschlagen hätte."

Hier nun bezog Lanz Ploß in die Diskussion ein, der bekanntermaßen für Söder gestimmt hatte, und die Phrase, dass die Unionsparteien sich zwischen "zwei herausragenden Kandidaten" entscheiden mussten, wiederholt bemühte. "Sie sind 35 und reden wie jemand, der seit 60 Jahren in einer Partei ist", konterte Lanz. Auf die Frage, ob die CDU Merkels Politik eher fortführen oder ändern müsse, antwortete Ploß, die Partei sollte einiges "neujustieren", etwa die Migrationspolitik. Vertieft wurde das nicht, weil Alexander dann noch ein geheimes Treffen zwischen Söder und Laschet "in einem Flughafen-Hotel in Frankfurt" schilderte, bei dem er selbst allerdings nicht dabei gewesen war. Es sei dabei aber "auch heftig geworden", machte der Autor gespannt auf sein Buch.

Fazit: In dieser Lanz-Show ging es nicht besonders heftig zu – auch weil der Moderator sich, was das Spannungspotenzial der Themen anging, ein wenig verpokert hatte.

Verwendete Quellen:
  • "Markus Lanz" vom 26.5.2021

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