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Explosion in Leverkusen – Rauch trug wohl hochgiftige Stoffe in Wohngebiete


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Umweltamt: Rauch trug hochgiftige Stoffe in Wohngebiete

Von dpa, joh, dru

Aktualisiert am 28.07.2021Lesedauer: 3 Min.
Nach Explosion in Leverkusen: So laufen die Suche nach Vermissten und die Luftmessungen. (Quelle: Reuters)
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Nach der Explosion im Chemiepark von Leverkusen sind giftige Stoffe in die Luft gelangt. Die Stadt gibt Empfehlungen an die Anwohner hinaus. Eine akute Gefahr soll derzeit nicht bestehen.

Nach der Explosion mit zwei Toten in Leverkusen rückt die Frage nach möglichen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung in den Vordergrund. Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) teilte mit, man gehe "derzeit" davon aus, dass über die freigesetzte Rauchwolke "Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen" in die umliegenden Wohngebiete getragen worden seien. In welcher Konzentration die Stoffe verbreitet wurden, werde aktuell noch untersucht.


Riesige Rauchwolke nach Explosion in Leverkusen

Im Chempark Leverkusen ist es am Dienstagmorgen aus bisher unbekannten Gründen zu einer Explosion gekommen. Dabei ist mindestens eine Person ums Leben gekommen, mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt. 16 Menschen werden noch vermisst.
Nach der Explosion ereignete sich ein Brand im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Die Rauchwolke hüllte das Gelände großflächig ein.
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Die Betreiber-Firma des von der Detonation erschütterten Chemparks erklärte derweil, dass sie vom Tod der noch vermissten fünf Mitarbeiter ausgehe. Es handele sich bei den Vermissten um vier Currenta-Mitarbeiter und einen aus einer externen Firma. Die Explosion hatte mindestens zwei Menschen getötet, 31 wurden nach Angaben des Betreibers Currenta verletzt.

Obst und Gemüse aus Garten nicht verzehren

Nach Angaben des LANUV seien in den betroffenen Tanks unter anderem chlorierte Lösungsmittel gelagert worden. "Die besondere Problematik bei Stoffen, die Chlor beinhalten, ist, dass bei einem Verbrennungsprozess Chlorverbindungen zu Dioxin- oder PCB-Verbindungen werden können", erläuterte ein Sprecher. Wie hoch die Konzentration sei, werde derzeit untersucht. Vor Ende der Woche sei aber nicht mit Ergebnissen zu rechnen.

Grundsätzlich sei es so, dass Dioxine bei jedem Brandereignis in mehr oder weniger hohen Konzentrationen entstünden, so das Landesumweltamt. Verhaltensempfehlungen und Messungen hätten aktuell einen "starken präventiven Charakter". Derzeit geht man davon aus, dass keine akute Gefahr besteht. Das Amt und die Stadt empfahlen den Anwohnern, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten erst einmal nicht zu essen, da Dioxine überwiegend durch Nahrungsmittel in den Körper gelangen. Zudem solle man in den betroffenen Gegenden Pools und Gartenmöbel meiden und den Ruß nicht in die Wohnungen tragen. Einige Spielplätze blieben vorerst gesperrt, bei Gartenarbeit sollten Handschuhe getragen werden.

Verdächtige Substanzen können unter der Hotline 0214 2605 99333 gemeldet werden.

"Hinter uns liegt ein sehr trauriger Tag"

Die Ursache für die Detonation ist noch unklar. Um zu klären, ob menschliche Fehler zu dem Unglück führten, wurde eine Ermittlungsgruppe bei der Polizei eingerichtet. Das wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion eingeleitete Ermittlungsverfahren richte sich gegen unbekannt, erklärte die Kölner Staatsanwaltschaft.

Auch die Betreiberfirma Currenta versprach, alles zu tun, um das Unglück aufzuklären. Es handele sich um ein noch nie dagewesenes Ereignis. "Hinter uns liegt ein sehr trauriger Tag", sagte der Currenta-Geschäftsführer Frank Hyldmar auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag.

Der Einsatz auf dem Gelände des Chemparks laufe derzeit noch. "Wir kontrollieren regelmäßig die Luft auf Schadstoffe, die Tests laufen nach wie vor", heißt es vom Unternehmen. Bislang habe es keine Hinweise auf Luftverschmutzung durch die Explosion gegeben.

Tanklager brannte stundenlang

Die gewaltige Explosion, die Zeugen zufolge im Umkreis von gut zehn Kilometern zu hören war, ereignete sich nach Angaben des Betreibers im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Eine gewaltige Rauchwolke stieg auf. Die Erschütterung war derart heftig, dass sogar mehrere Stationen des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen sie maßen. Unter anderem wurde sie an einer Station in rund 40 Kilometer Entfernung registriert.

Nach der Explosion brannte das Tanklager mit Lösungsmitteln stundenlang, ehe das Feuer am Mittag unter Kontrolle und weitgehend gelöscht war. "Die Löscharbeiten mussten warten, bis eine Stromleitung vom Netz getrennt war", erklärte die Stadt. Sogar die Feuerwehr im rund 60 Kilometer entfernten Dortmund warnte vor möglichen Geruchsbelästigungen.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) bestand bei einem zweiten Tank Explosionsgefahr. Der Tank habe 100.000 Liter hochentzündliche, giftige Abfallstoffe enthalten, sagte Reul. Die Feuerwehr habe die Gefahr aber bannen können. Nach Reuls Angaben waren allein 300 Feuerwehrleute im Einsatz.

Warnung für die meisten Stadtteile aufgehoben

Anwohner waren aufgefordert worden, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Erst am Nachmittag hob Leverkusen die Warnung für die meisten Stadtteile wieder auf – nur im besonders betroffenen Stadtteil Bürrig galt sie weiterhin. Wegen des möglichen Schadstoffausstoßes wurden Anwohner zudem vor dem Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten gewarnt.

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"Es gibt Meldungen zu Rußablagerungen", sagte Landesgesundheitsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Eine genauere Einschätzung sei erst Ende der Woche möglich.

Der Chempark ist nach Unternehmensangaben einer der größten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind über 70 Firmen angesiedelt.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Charlotta Sieve, Tobias Eßer
Explosion
Justiz & Kriminalität




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