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22 tote Touristen nach heftigem Schnee in Pakistan

Von dpa
Aktualisiert am 09.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Pakistanische Soldaten gehen durch den Schnee: Nach einem Wintereinbruch sind in einem Bergresort mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen.
Pakistanische Soldaten gehen durch den Schnee: Nach einem Wintereinbruch sind in einem Bergresort mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. (Quelle: ISPR/XinHua/dpa-bilder)
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In Pakistan wurde ein heftiger Wintereinbruch mindestens 22 Urlaubern zum tödlichen VerhÀngnis. Sie blieben auf dem Weg zu einem beliebten Urlaubsort im Schnee stecken.

Bei einem massiven Verkehrschaos im Norden Pakistans sind am Wochenende 22 Menschen in ihren eingeschneiten Autos ums Leben gekommen. Pakistanische RettungskrĂ€fte versuchten am Sonntag, die Zufahrtsstraße zu der Bergstadt Murree vom Schnee zu befreien. Der Stau wurde ausgelöst, weil nach offiziellen Angaben fast 100.000 Besucher nach Murree rund 70 Kilometer nordöstlich von Islamabad strömten, um dort den ungewöhnlich starken Schneefall zu sehen.

Wie die Polizei mitteilte, erfroren zahlreiche Menschen wĂ€hrend eines Schneesturms in ihren Autos. Weitere TagesausflĂŒgler starben an einer Kohlenmonoxidvergiftung, da zahlreiche Fahrer ihre Motoren laufen ließen, um die Heizung in Betrieb zu halten. Unter den insgesamt 22 Todesopfern waren zehn Kinder.

Unter den Toten waren auch ein Polizist, seine Frau und deren sechs Kinder, wie die pakistanische Zeitung "Dawn" berichtete. Der Polizist habe zuvor mit seinem Sohn in der Hauptstadt Islamabad telefoniert und gesagt: "Wir schalten die Heizung ein und gehen schlafen."

Starke Winde und entwurzelte BĂ€ume

Durch den Schneesturm stĂŒrzten zahlreiche BĂ€ume um und blockierten die schmale Straße in das Bergdorf. "Ich habe noch nie in meinem Leben einen so gewaltigen Schneesturm gesehen", sagte der Verwaltungsbeamte Tariq Ullah der Nachrichtenagentur AFP. "Es gab starke Winde, entwurzelte BĂ€ume und Lawinen. Die Menschen in der Umgebung waren verĂ€ngstigt."

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Trauerzug im pakistanischen Rawalpindi: Menschen tragen sechs Leichen einer Familie, die bei dem heftigen Schneesturm ums Leben kamen.
Trauerzug im pakistanischen Rawalpindi: Menschen tragen sechs Leichen einer Familie, die bei dem heftigen Schneesturm ums Leben kamen. (Quelle: Rahmat Gul/AP/dpa-bilder)

Die Regionalregierung der Provinz Punjab erklĂ€rte Murree zum "Katastrophengebiet" und forderte die Menschen auf, sich von der 2.300 Meter hoch gelegenen Stadt fernzuhalten. Pakistans Regierungschef Imran Khan zeigte sich schockiert und bestĂŒrzt. "Der beispiellose Schneefall und der Ansturm von Menschen, die sich ohne PrĂŒfung der Wetterbedingungen auf den Weg machten, hat die Bezirksverwaltung unvorbereitet getroffen", schrieb er bei Twitter.

Schwere VorwĂŒrfe gegen Behörden

Mehrere pakistanische Medien warfen den Behörden jedoch Versagen vor, da die nationale Wetterbehörde bereits am 6. Januar vor dem herannahenden Schneesturm gewarnt habe. "Alle betroffenen Behörden sollten wĂ€hrend des Vorhersagezeitraums besonders wachsam sein", hatte die Wetterbehörde am Donnerstag erklĂ€rt. Die Regionalregierung kĂŒndigte eine Untersuchung an.

Indessen teilte das pakistanische MilitĂ€r mit, dass alle Überlebenden aus den auf der Strecke nach Murree eingeschlossenen Fahrzeugen befreit und in NotfallunterkĂŒnfte gebracht worden seien. Mehr als 1.000 verlassene Fahrzeuge behinderten demnach die BemĂŒhungen der Soldaten, die Straßen vom Schnee zu befreien.

Angelockt durch Bilder und Videos

Viele Besucher dĂŒrften durch Bilder und Videos in den Online-Netzwerken angelockt worden sein, auf denen Menschen zu sehen sind, die vergnĂŒgt im Schnee spielen. Die Stadt mit ihren rund 30.000 Einwohnern gilt als malerischer Urlaubsort.

Derweil hatten auch die Menschen in Murree mit den ungewöhnlich starken SchneefĂ€llen zu kĂ€mpfen: "Die Gasflaschen sind ausgegangen, und in den meisten Gebieten gibt es kein Trinkwasser – es ist entweder gefroren oder die Wasserleitungen sind durch die große KĂ€lte beschĂ€digt worden", sagte ein in der Stadt eingeschlossener Tourist der Nachrichtenagentur AFP. Die Mobilfunkverbindung funktioniere nur lĂŒckenhaft und in den Hotels gebe es nicht genĂŒgend Lebensmittel.

Pakistaner sehen Teilschuld bei Hoteliers

Viele Pakistaner kritisierten am Sonntag in den Online-Netzwerken, dass die Hoteliers in Murree die Lage noch verschlimmert hĂ€tten, indem sie die Preise fĂŒr die Zimmer krĂ€ftig nach oben geschraubt hĂ€tten. Dadurch hĂ€tten sich viele Besucher entschlossen, die Nacht lieber im Auto zu verbringen.

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"Die Dinge wĂ€ren anders gelaufen, wenn die Einheimischen und die Hotels kooperativ gewesen wĂ€ren, aber der Ruf und das Verhalten der Einheimischen in Murree sind in dieser Hinsicht sehr schlecht", sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter zu AFP. Es gab jedoch auch Berichte von BĂŒrgern, die gestrandete Touristen in ihren HĂ€usern aufnahmen oder die Menschen in den Autos mit Decken und Lebensmitteln versorgten.

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  • Sophie Loelke
  • Nicolas Lindken
Von Sophie Loelke, Nicolas Lindken
PakistanPolizeiSchneesturm
Justiz & KriminalitÀt




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