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"Die einarmige Prinzessin" will "Miss Germany" werden

Von dpa
Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Gina R├╝hl will "Miss Germany" werden.
Gina R├╝hl will "Miss Germany" werden. (Quelle: Henning Kaiser/dpa./dpa)
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Wuppertal (dpa) - Pl├Âtzlich bleibt Gina R├╝hl stehen und h├Ąlt inne. Sie betrachtet einen dicken Baum, der am Stra├čenrand steht. Es ist ein kalter, aber sonniger Tag, von weiter her h├Ârt man lachende Kinder auf einem Spielplatz.

"Ja, das ist schon sehr akkurat", urteilt die 22-J├Ąhrige beim Betrachten des massiven Baumstamms, der nun einen Moment versinnbildlichen soll, der R├╝hls Leben schlagartig ver├Ąnderte. "Ich war halt am Ende um so einen Baum gewickelt."

Gina R├╝hl hatte 2019 als Beifahrerin einen schweren Motorradunfall. Sie kennt das Datum, den 15. September 2019, noch ganz genau. Ihr Becken war beidseitig gebrochen, der rechte Unterschenkel komplett zertr├╝mmert. Und ihren linken Arm, den verlor sie. Heute tr├Ągt sie eine Prothese. Und ist vielleicht bald "Miss Germany".

Sch├Ânheit wird neu definiert

Die Geschichte der Studentin aus Wuppertal ist eine, die man vor 20 oder 30 Jahren kaum h├Ątte erz├Ąhlen k├Ânnen. Was zu einem gro├čen Teil an R├╝hl liegt - und zum anderen Teil daran, das in der einstigen Trutzburg des Sexismus-Klischees, den Sch├Ânheitswettbewerben, ein Umdenken eingesetzt hat. Der Modus bei "Miss Germany" wurde in den vergangenen Jahren komplett umgekrempelt. Er sieht nun nicht mehr vor, dass sich junge Frauen vor einer ├╝berwiegend m├Ąnnlichen Jury pr├Ąsentieren m├╝ssen, die dann anhand tradierter, ├Ąu├čerer Kriterien den Daumen hebt oder senkt. Nun soll es um Authentizit├Ąt und Pers├Ânlichkeit gehen. Der Begriff Sch├Ânheit wird neu verhandelt.

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Gina R├╝hl hat es so unter die "Top 22" des aktuellen "Miss Germany"-Jahrgangs geschafft, das Finale findet am 19. Februar in Rust statt. Die Bewerbung habe sie verfasst, als sie gesehen habe, dass es nun auch darum gehe, eine Botschaft zu vermitteln, sagt R├╝hl bei einem Winter-Spaziergang durch Wuppertal. "Ich habe ja eine Botschaft. Ich will etwas damit sagen.". Sie will zeigen, dass man auch nach einem Schicksalsschlag gut leben kann.

Der Unfall war nicht umsonst

Auf Instagram macht sie das bereits seit geraumer Zeit. Dort nennt sie sich "Die einarmige Prinzessin". R├╝hl postet Bilder von ihrem vernarbten Arm, von der Prothese, f├╝r die sie auch schon Glitzer-Handschuhe ausgesucht hat. Vor dem Spaziergang hat sie eine Story aus dem Auto hochgeladen. "Hello ihr Lieben, muss mein Knauf erstmal dran bauen", berichtet sie.

Mittlerweile hat R├╝hl mehr als 50 000 Follower und viele Nachrichten im Postfach. Sie merke, dass sie mit ihrem Account anderen helfen k├Ânne, sagt sie. "Der Unfall war nicht umsonst, wenn ich anderen damit etwas geben kann und als Vorbild dienen kann", sagt sie. Auch ihr selbst helfe das.

Es gibt Wichtigeres als makellose Bilder

Wobei sie schon kurz nach dem Unfall offenbar eine bemerkenswerte Gefasstheit hatte. Dar├╝ber r├Ątselt sie selbst noch in Teilen. Eigentlich sei sie ja immer "eine Mimose" gewesen. "Ich habe mich gesto├čen und gef├╝hlt ging die Welt unter. Ich war wirklich wehleidig", sagt sie. Was ebenfalls paradox klinge sei, dass sie mit einem Arm heute mehr Selbstbewusstsein versp├╝re als mit zwei Armen. Sie wisse eben: Es gibt Wichtigeres im Leben, als zum Beispiel tadellos auf einem Foto zu wirken.

Ihr Ziel ist es, f├╝r mehr Sichtbarkeit zu sorgen. Werbung etwa, in der man auch mal eine Prothese sieht, geh├Ârt ja nicht zum deutschen Alltag. Einige Firmen seien bei dem Thema schon vorangekommen, aber oft sei es auch "Diversity-Washing", mein R├╝hl. Was grob gesagt bedeutet, dass in der Werbung zwar nicht mehr nur Menschen nach Schema F gezeigt werden, sondern etwa unterschiedliche K├Ârperformen - dass es den Firmen dabei aber mehr um eine gute Kampagne als um wahre Anerkennung von Vielfalt geht. Bei "Miss Germany" sieht R├╝hl diese Gefahr nach all ihrer Erfahrung mit den Machern nicht. "Die wollen mich. Denen geht's nicht um die Prothese", sagt sie.

Gro├č ist das Interesse an ihrer Geschichte aber auch schon vor dem Finale. Die Studentin gibt Interviews in Reihe. "Letztens bei einem Interview sagte eine Frau: Ich habe zu wenige H├Ąnde, ich habe keinen Platz!", erz├Ąhlt sie. "Da habe ich gesagt: Ja, kenn ich."

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