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Seilbahn-Unglück in Italien: Notbremse seit Jahren abgeschaltet?

Justiz geht ZDF-Bericht nach  

Seilbahn-Unglück in Italien: Notbremse seit Jahren abgeschaltet?

02.06.2021, 16:25 Uhr | AFP

Festnahmen nach Seilbahnunglück in Norditalien

Nach einem Gondelunglück in Norditalien am Pfingstsonntag mit 14 Toten sind Medienberichten zufolge drei Menschen festgenommen worden. Ein Sicherheitsbremssystem soll "manipuliert" worden sein. (Quelle: t-online/Reuters)

Norditalien: Nach einem Gondelunglück am Lago Maggiore mit 14 Toten sind drei Menschen festgenommen worden. (Quelle: t-online)


Nach dem tödlichen Seilbahn-Unglück in Italien sind Hinweise eines Schweizers aufgetaucht, wonach die Notbremse bereits 2014 abgeschaltet worden war. Jetzt werden seine Videoaufnahmen ausgewertet.

Nach dem Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore mit 14 Toten geht die italienische Justiz einem ZDF-Bericht nach, wonach die Notbremse der Seilbahn möglicherweise schon jahrelang absichtlich abgeschaltet wurde. Die zuständige Staatsanwältin Olimpia Bossi bestätigte am Mittwoch, dass ihr das Material aus der ZDF-Sendung "Frontal 21" vom Dienstagabend vorliege. Es werde nun ausgewertet.

In dem Beitrag hatte der Schweizer Seilbahn-Experte Michael Meier gesagt, in seinen privaten Aufnahmen der Seilbahn in Stresa aus den Jahren 2014 bis 2018 sei ebenfalls eine Gabel zu sehen, die die Fangbremse zur Verhinderung eines Gondelabsturzes außer Kraft setzt.

Schon im Jahr 2014 sei diese Gabel "mit Personen in der Kabine eingesetzt" worden, sagte Meier in dem "Frontal 21"-Beitrag. Er hatte seine Aufnahmen nach eigenen Angaben noch einmal genau durchgeschaut, nachdem er von dem Unglück am 23. Mai mit 14 Toten erfahren hatte.

"Bis jetzt Glück gehabt"

"Frontal 21" legte die Aufnahmen auch dem ehemaligen Leiter des Bereiches Seilbahntechnik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, Gabor Oplatka, vor. Zu dem mutmaßlichen Einsatz der Gabel an der Notbremse bei der Bahn in Stresa sagte er: "Offensichtlich hat man das praktiziert und bis jetzt Glück gehabt."

Nach monatelanger Corona-bedingter Pause war die Seilbahn erst Ende April wieder in Betrieb gegangen. Am Pfingstsonntag stürzte eine Seilbahn-Kabine kurz vor Erreichen der Gipfelstation am Berg Mottarone ab, nachdem ein Seilbahn-Kabel gerissen war. 14 Menschen starben. Nur ein Insasse, ein fünfjähriger Junge, überlebte schwer verletzt.

Den Ermittlungen zufolge war das Sicherheitsbremssystem der Seilbahn offenbar absichtlich abgeschaltet worden, um einen Betriebsausfall wegen technischer Probleme zu vermeiden. Die Seilbahn verbindet das Dorf Stresa mit dem Berg Mottarone. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Agi war die Bahn 2014 für Umbauarbeiten geschlossen worden, die bis August 2016 dauerten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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