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NASA-Berechnungen: Chile-Beben hat Erdachse verschoben

Nasa-Berechnungen  

Chile-Beben hat Erdachse verschoben

| Von Axel Bojanowski, Spiegel Online, Spiegel Online

NASA-Berechnungen: Chile-Beben hat Erdachse verschoben. Das schwere Erdbeben in Chile wirkt sich auf den gesamten Globus aus (Foto: Reuters)

Das schwere Erdbeben in Chile wirkt sich auf den gesamten Globus aus (Foto: Reuters)

Das Erdbeben vor der Küste Chiles hat weite Teile des Landes ins Chaos gestürzt, die Zahl der Todesopfer stieg laut Regierung auf fast 800, es kam zu Plünderungen und Gewaltausbrüchen.

Aber auch die Erdkugel hat die Erschütterungen nicht so einfach weggesteckt. Das Beben - es war das fünftstärkste, das je gemessen wurde - hat die Erdachse verschoben: um acht Zentimeter, berichten Geophysiker der Nasa. Der Heimatplanet habe nun eine etwas schiefere Position, melden die Forscher. Das Beben hat der Erde demnach zudem einen Drall verpasst - sie dreht sich jetzt etwas schneller. Die Dauer eines Tages habe sich dadurch um 1,26 Millionstel Sekunden verkürzt, berichten die Forscher. Die Einbuße sei zwar zu gering, um sie messen, geschweige denn erleben zu können - aber berechnen ließ sie sich.

Mond wirkt wie ein Bremsklotz

Wie heftig der Impuls war, verdeutlicht jedoch ein Vergleich: Würde man das Wasser im Drei-Schluchten-Staudamm in China entsprechend verschieben, würde sich der Planet nur um ein Zwanzigstel so stark beschleunigen wie beim Erdbeben vom Samstag. Mit dem zusätzlichen Drall macht die Erde ein wenig Geschwindigkeit gut. Der Mond bremst ihre Umdrehung stetig ab, die Anziehungskraft des Trabanten wirkt wie ein Bremsklotz. Die astronomische Zeit fällt gegenüber der Zeit der Atomuhren daher stetig zurück. Früher kreiselte die Erde deutlich schneller, Urzeit-Wesen lebten in 23-Stunden-Tagen.

Chile-Beben zögert nächste Schaltsekunde heraus

Damit wir nicht irgendwann im Dunkeln Mittag essen müssen, wird in der Silvesternacht alle paar Jahre eine Sekunde eingefügt, die sogenannte Schaltsekunde. Das Chile-Beben hat die nächste Schaltsekunde nun ein wenig hinausgezögert. Ursache für die Beschleunigung der Erddrehung ist der Eistänzerin-Effekt: Wenn eine Eistänzerin bei einer Pirouette ihre ausgestreckten Arme anzieht, dreht sie sich schneller - die höhere Drehgeschwindigkeit ihrer Arme überträgt sich auf ihren Körper. Gleiches passierte am Samstag mit der Erde: Das Chile-Beben hat massenhaft Gestein ins Erdinnere verschoben, sogleich beschleunigte sich die Rotation des Planeten.

Selbst Tsunami-Beben hatte weniger Auswirkungen

Auch das schwere Tsunami-Erdbeben Ende 2004 in Südasien hatte der Erde einen zusätzlichen Drall verpasst, es verkürzte die Tageslänge um acht Millionstel Sekunden. Obwohl jenes Beben aber noch deutlich heftiger ausfiel als das von Chile, hatte es weniger Auswirkungen auf die Erdachse - es verschob sie um sieben Zentimeter, also um einen Zentimeter weniger als das Chile-Beben. Das Chile-Beben habe den größeren Effekt gehabt, weil das Gestein steiler ins Erdinnere geschoben wurde, schreibt Nasa-Forscher Richard Gross, der Autor der Berechnungen. Zudem ereignete sich das Beben am Samstag wesentlich weiter entfernt vom Äquator als das Tsunami-Beben 2004.

Erdstöße an Achsenmitte wirken sich kaum aus

Nahe des Äquators wirken sich Erdstöße weniger auf die Achse aus, denn dort liegt die Achsenmitte. Die sogenannte Figurenachse der Erde teilt zwei Erd-Halbkugeln gleicher Masse. Ein Stoß in ihre Mitte am Äquator verschiebt sie nicht. Die Nord-Süd-Achse der Erde liegt etwa zehn Meter neben der Figurenachse, ihre Veränderung haben die Nasa-Forscher nicht berechnet.

Vulkane könnten erwachen

Womöglich zeigt das Beben vom Samstag aber auch spürbare Spätfolgen - in Chile könnten Vulkane erwachen. Denn was den meisten Experten lange abwegig erschien, haben deutsche Forscher unlängst bewiesen: Erdbeben können Vulkane explodieren lassen. Nach besonders starken Beben in Kamtschatka im Jahr 1952, in Chile 1960, in Alaska 1964 und in Indonesien 2004 hatte es in der Umgebung deutlich mehr Eruptionen als sonst gegeben. Die Aktivität der Vulkane hielt jahrelang an. Das war kein Zufall, haben Thomas Walter vom Geoforschungszentrum Potsdam und Falk Amelung von der Universität Miami belegt. Nach einem Beben weite sich das Gestein unter den Vulkanen, es werde durchlässiger für Magma und Gase.

1960 brachen fünf Vulkane nach Erdbeben aus

Solch ein explosives Szenario drohe nun in Chile, mutmaßen Geoforscher der Universität Oxford im Wissenschaftsmagazin New Scientist. Die schweren Stöße vom Samstag könnten Vulkane wachrütteln. Der Blick in die Vergangenheit verheißt jedenfalls nichts Gutes: Nach einem äußerst starken Beben am 22. Mai 1960 vor der Küste Chiles brachen in den Monaten darauf fünf Vulkane aus.

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