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So können Sie hungernden Kindern helfen


Da entsteht ein Teufelskreis

Von Florian Harms

Aktualisiert am 06.12.2022Lesedauer: 5 Min.
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Straßenszene in Nairobi.
Straßenszene in Nairobi. (Quelle: F. Harms)
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Guten Morgen aus Garissa, liebe Leserin, lieber Leser,

hier im Osten Kenias, keine 200 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt, lassen sich die Folgen der Erderhitzung hautnah erfahren. Sieben Stunden braucht man von Nairobi bis hierher. Nachdem man die Viereinhalb-Millionen-Metropole hinter sich gelassen und sich durch die trubeligen Vororte gekämpft hat, fährt man zunächst durch fruchtbare Landschaften, in denen sich Ananasplantagen an Maisfelder reihen. Hirten harken ihre Äcker, in den Kleinstädten herrscht geschäftiges Treiben.

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Doch je weiter man vorankommt, desto karger wird der Boden. Flussbetten liegen ausgetrocknet da, zwischen den Hütten der Nomaden staksen dürre Ziegen umher. Hier ziehen die Leute dem Wasser hinterher; und wenn ein Brunnen nichts mehr hergibt, müssen sie weiter. Und weil sie immer weniger Rinnsale finden, müssen sie weiter und weiter und noch viel weiter. Die Sonne brennt vom Himmel, die Temperatur steigt mit jedem Kilometer.

KeniaKarte
(Quelle: t-online)
Im Umland von Nairobi ist die Landschaft fruchtbar.
Im Umland von Nairobi ist die Landschaft fruchtbar. (Quelle: F. Harms )
In den Kleinstädten herrscht buntes Treiben.
In den Kleinstädten herrscht buntes Treiben. (Quelle: F. Harms )
Dann wird die Landschaft karger.
Dann wird die Landschaft karger. (Quelle: F. Harms)
Hier sind die meisten Flussbetten ausgetrocknet.
Hier sind die meisten Flussbetten ausgetrocknet. (Quelle: F. Harms)
Die Nomaden bauen sich Hütten aus Ästen.
Die Nomaden bauen sich Hütten aus Ästen. (Quelle: F. Harms)

In Garissa angekommen, kann man sich mit Jacob Kipkeny unterhalten. Er arbeitet für die Vereinten Nationen in einem lokalen Hilfsprogramm. "Die Lage ist alarmierend", sagt er, "wir haben eine Wasserkrise". Eigentlich ist der Dezember der ergiebigste Regenmonat, so war es früher immer. Aber früher ist vorbei. In der Jetztzeit regnet es sogar im Dezember nur noch sporadisch, viel zu wenig, um die Bäche und Bassins zu füllen. Die 850.000 Einwohner von Garissa können notdürftig mit Tanklastern versorgt werden, aber im Umland der Gemeinde herrscht akuter Notstand. Rinder, Ziegen, Zebras und Giraffen verenden massenhaft. Im verbleibenden Brackwasser sammeln sich Bakterien, ein Cholera-Ausbruch hat schon 600 Menschen infiziert. Auch die Masern grassieren. "Vor allem die Kinder sind betroffen", sagt Jacob, "weil die Tiere sterben, bekommen die Kleinen zu wenig Milch, viele sind massiv unterernährt." Entkräftet gehen sie nicht mehr zur Schule und müssen auf die dortige Mahlzeit verzichten, so entsteht ein Teufelskreis aus Krankheit, Hunger und Bildungsmangel.

Auch die Erwachsenen haben zu kämpfen, viele Eltern können ihre Familien nicht mehr ernähren. Und je stärker die Region austrocknet, desto prekärer wird die Lage. Die Regierung des neuen Präsidenten William Ruto rechnet damit, dass es im Osten Kenias schon bald überhaupt nicht mehr regnen wird. Dann könnten Hunderttausende Menschen und zusätzlich Zehntausende Flüchtlinge aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Somalia Richtung Westen aufbrechen; eine riesige Migrationswelle wäre zu erwarten.

Die Lage ist schlimm, aber nicht hoffnungslos. Es gibt Mittel und Wege, die Menschen hier zu unterstützen. Hilfsorganisationen wie Unicef, Caritas und die Malteser haben Projekte gestartet – schon 35 Euro genügen, um ein Kind einen Monat lang zu ernähren, zur Schule zu schicken und ihm eine Zukunft zu schenken. Vor einem Monat haben Präsident Ruto und Bundeskanzler Olaf Scholz zudem eine Klima- und Entwicklungspartnerschaft geschlossen: Deutschland unterstützt Kenia beim Ausbau von Geothermie, grünem Wasserstoff und Stromnetzen sowie bei der Aufforstung und der klimaneutralen Produktion von Dünger. Dabei entstehen neue Jobs und neue Perspektiven für viele Kenianer, die dann eben doch eine stabile Zukunft in ihrem Heimatland sehen könnten.

Ob das ausreicht, um die Schäden der Klimakatastrophe abzufedern? Für ein Urteil ist es zu früh. Aber jeder Tag zählt. Je weiter sich das Ödland im Osten ausbreitet, desto mehr Menschen stürzen in bittere Not. Früher oder später werden die Folgen auch in Europa zu spüren sein.

(Quelle: t-online)

Was steht an?

Das Bundesverfassungsgericht verkündet sein Urteil zum 750 Milliarden Euro schweren Corona-Wiederaufbaufonds der EU. Das Paket soll den EU-Staaten helfen, nach der Pandemie wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Dafür werden gemeinsam Schulden aufgenommen. Die Kläger halten das für unzulässig und meinen, der Bundestag hätte nicht zustimmen dürfen. Sollten die Richter einen Verfassungsverstoß sehen, müssten sie den Europäischen Gerichtshof einschalten.

Ungarns Regierung gilt als korrupt und undemokratisch. Bei ihrem Treffen in Brüssel werden die Finanz- und Wirtschaftsminister der EU möglicherweise eine Vorentscheidung treffen, ob die EU-Milliarden für das Land eingefroren werden.

Viele deutsche Krankenhäuser sind völlig überlastet, überall fehlt es an Personal. Gesundheitsminister Karl Lauterbach will Reformvorschläge vorlegen.

Annalena Baerbock ist zu Besuch in Indien. Die grüne Außenministerin will versuchen, das aufstrebende Land enger an Deutschland zu binden, Thema sind auch hier die erneuerbaren Energien. Unser Reporter Patrick Diekmann ist dabei und berichtet auf t-online.

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Im US-Bundesstaat Georgia findet die Stichwahl um den umkämpften Senatssitz statt. Gewinnen die Demokraten, würden sie ihre hauchdünne Mehrheit in der Kammer ausbauen.

In Köln beginnt der Prozess im Missbrauchskomplex Wermelskirchen. Dem Angeklagten wird unter anderem sexueller Missbrauch von Kindern in 99 Fällen vorgeworfen. Er soll sich im Internet als Babysitter angeboten und so Kontakt zu den Familien der Opfer bekommen haben.

Ebenfalls in Köln wird die erste Schadenersatzklage eines Missbrauchsopfers gegen das Erzbistum verhandelt. Der Kläger war als Minderjähriger in den 1970er Jahren mehrere hundert Mal von einem Pfarrer missbraucht worden. Nun verlangt er 750.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlegt seinen Amtssitz vorübergehend ins sächsische Freiberg. Im Rahmen seiner Aktion "Ortszeit Deutschland" spricht er mit Bürgern über deren Herausforderungen, Wünsche und Sorgen.

Bundespräsident Steinmeier bei einem seiner Ortszeit-Termine, hier in Neustrelitz.
Bundespräsident Steinmeier bei einem seiner Ortszeit-Termine, hier in Neustrelitz. (Quelle: imago)

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Immer mehr Details werden zu dem brutalen Angriff auf zwei Schulmädchen nahe Ulm bekannt. Eine der beiden Jugendlichen ist gestorben, der Tatverdächtige ist ein Asylbewerber.


Im US-Bundesstaat Georgia kämpfen erstmals zwei schwarze Kandidaten um den letzten freien Senatssitz. Das Ergebnis entscheidet auch über die Zukunft von Donald Trump, analysiert unser US-Korrespondent Bastian Brauns.


Trotz wirtschaftlichem Aufschwung lebt ein großer Teil der Kenianer in bitterer Armut. Davon profitiert vor allem eine mysteriöse Terrorgruppe, berichtet mein Kollege Patrick Diekmann.


Im Iran und in China setzen Menschen für die Freiheit ihr Leben aufs Spiel. Unser Kolumnist Gerhard Spörl zieht daraus eine optimistische Schlussfolgerung.


(Quelle: Granger, NYC/ullstein-bild)

Ein außergewöhnlicher Schiffsunfall legte 1917 das kanadische Halifax in Trümmer. Wie es dazu kam, lesen Sie auf unserem Historischen Bild.

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Russische Seestreitkräfte ziehen sich zurück – düsterer Verdacht

Was amüsiert mich?

Sie haben das Drama von Tini und Jochen noch nicht gesehen? Dann erteile ich hiermit eine hochoffizielle Empfehlung!

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Nikolaustag mit proppenvollen Stiefeln.

Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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