• Home
  • Panorama
  • Wissen
  • Geschichte
  • Schwedisches Kriegsschiff "Mars": Die Kampfmaschine der Ostsee


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen Text"KegelbrĂŒder": Richter fĂŒhlt sich "verhöhnt"Symbolbild fĂŒr einen TextFrau bei Politikertreffen getötetSymbolbild fĂŒr einen TextBericht: Lindner will bei Hartz IV sparenSymbolbild fĂŒr einen TextTV-Star ĂŒberfuhr Sohn mit RasenmĂ€herSymbolbild fĂŒr einen TextUkraine fahndet nach AbgeordnetemSymbolbild fĂŒr ein VideoPilot filmt Kampfeinsatz in UkraineSymbolbild fĂŒr einen TextMord an US-Musiker: Urteil gefallenSymbolbild fĂŒr einen TextTour-Star renkt sich Schulter selbst einSymbolbild fĂŒr einen TextSpears grĂŒĂŸt oben ohne aus FlitterwochenSymbolbild fĂŒr ein VideoWimbledon: Die klare FavoritinSymbolbild fĂŒr einen TextAnsturm auf Johnny Depp in HessenSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserHarter Vorwurf gegen Bill KaulitzSymbolbild fĂŒr einen TextSpielen Sie das Spiel der Könige

Die Kampfmaschine der Ostsee

Von Angelika Franz

01.10.2018Lesedauer: 4 Min.
Karavelle "Mars": Vor ihrem Untergang zerstörte eine Explosion das Schiff.
Karavelle "Mars": Vor ihrem Untergang zerstörte eine Explosion das Schiff. (Quelle: Ingemar Lundgren)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Die schwedische "Mars" war das mÀchtigste Kriegsschiff ihrer Zeit. Und unterlag 1564 ihren Gegnern trotzdem in einer gewaltigen Schlacht. ArchÀologen

Sie war kein einfaches Schiff, sie war eine Kampfmaschine. Als die schwedische Karavelle "Mars", stolzes Flaggschiff von König Erik XIV., am 30. Mai 1564 auf die Flotte der DĂ€nen traf, galt sie als grĂ¶ĂŸtes Kriegsschiff Europas: 54 Meter lang, drei Masten, 107 Kanonen, 356 Mann Besatzung, 340 Soldaten und acht verschiedene Sorten Bier an Bord. Doch unbesiegbar war sie nicht. Am folgenden Tag gelang es vereinten dĂ€nischen und LĂŒbecker Soldaten, die "Mars" auf den Grund der Ostsee zu befördern.

Mehr als 450 Jahre liegt sie nun bereits zwischen den beiden schwedischen Inseln Öland und Gotland, wo Taucher das Wrack im Jahr 2011 entdeckten. In diesem Sommer bargen UnterwasserarchĂ€ologen des Marine Research Institute MARIS der schwedischen Södertörn UniversitĂ€t, der Global Underwater Explorers und des VĂ€stervik Museum nun erneut Funde, die von dem tragischen Ende des Schiffes zeugen.

Schwimmende Stadt

"Dieses Jahr sind wir den Menschen an Bord nĂ€her gekommen", berichtete der UnterwasserarchĂ€ologe Rolf Fabricius Warming. "Wir haben Skelettteile gefunden, darunter einen Oberschenkelknochen mit Verletzungen am Knie, die wahrscheinlich von einer scharfen Klinge stammten." Vermutlich waren auch große Gewehre und Handgranaten unter den Funden – genaueres ĂŒber die Waffen werden die Forscher erst nach der SĂ€uberung der GegenstĂ€nde wissen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Spektakel auf Sylt – und eine kleine Kirche in Aufruhr
Kirche St. Severin auf Sylt: Hier geben sich Christian Lindner und Franca Lehfeldt am Samstag das Jawort.


"Wir können aber mit Sicherheit sagen, dass es ein schwerer Kampf war", so Warming. "An Bord befanden sich etwa 800 bis 1.000 Menschen, das entsprach damals etwa der Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt. Die meisten von ihnen starben bei einer gewaltigen Explosion an Bord oder ertranken, als das Schiff anschließend unterging."

Tauchgang zum Wrack: In der Ostsee werden die Überreste der "Mars" aufgrund des geringen Salzgehalts des Wassers gut konserviert.
Tauchgang zum Wrack: In der Ostsee werden die Überreste der "Mars" aufgrund des geringen Salzgehalts des Wassers gut konserviert. (Quelle: Kirill Egorov)

Nicht alle Toten waren allerdings Schweden. Erst kurz vor der Explosion hatten rund 300 bis 400 dĂ€nische und LĂŒbecker Soldaten die "Mars" geentert, die sich nun ebenfalls an Bord befanden. Von diesen dramatischen Momenten erzĂ€hlt der wohl spektakulĂ€rste Fund der diesjĂ€hrigen Tauchkampagne: ein Enterhaken.

Um ein Schiff zu stĂŒrmen, mussten die Angreifer möglichst nahe an seine Seite herankommen – bei einer Stachelwand aus Kanonen nicht unbedingt eine leichte Aufgabe. Dann warfen Soldaten die ankerförmigen Eisenhaken von ihrem Schiff aus ĂŒber die Bordwand des feindlichen Schiffes. Fasste der Haken, konnten sie sich an dem daran befestigten Tau hinĂŒber hangeln.

Opfer einer Explosion

"Wir kennen Enterhaken zwar aus historischen Quellen des 16. Jahrhunderts, aber dieses ist das einzige Exemplar, das wir tatsĂ€chlich haben", freut sich Warming. Wehrlos war die "Mars" allerdings nicht, denn ĂŒber ihrer Bordwand war ein Anti-Enter-Netz gespannt. Jeder, der versuchen wollte, an Bord zu gelangen, blieb unweigerlich zunĂ€chst an diesem Netz hĂ€ngen und bot so ein klares Ziel fĂŒr die Gewehre der schwedischen Soldaten.

"Die 'Mars' liegt genau in der Übergangszeit zwischen mittelalterlichen und modernen Marine-Kampftechniken", erlĂ€utert Warming. Ihr Aufbau und vor allem ihre schwere Bewaffnung deuten ganz klar darauf hin, dass sie die mittelalterlichen Kampfmethoden wie das Entern bereits hinter sich gelassen hat. In der modernen SeekriegsfĂŒhrung war sie allerdings auch noch nicht ganz angekommen. "Obwohl sie bereits zu einer Artillerie-Plattform ausgebaut war, folgte die Mars immer noch der alten Traditionen, ein Kriegsschiff möglichst groß zu bauen und mit möglichst vielen Soldaten zu bemannen, die dann im Nahkampf auf den Feind trafen."

Die letzte Schlacht der Mars hielt der Marinemaler Hans Bohrdt auf seinem GemÀlde erst Jahrhunderte spÀter fest.
Die letzte Schlacht der Mars hielt der Marinemaler Hans Bohrdt auf seinem GemÀlde erst Jahrhunderte spÀter fest. (Quelle: Wikipedia, Hans Bohrdt, Copyrighted free use)

Am Ende waren es allerdings nicht die DĂ€nen und LĂŒbecker an Bord, die dem Schlachtschiff den Untergang brachten, sondern das eigene Pulverlager. Die 107 Kanonen brauchten sehr viel Pulver, und das geriet bei den KĂ€mpfen in Brand. "Die historischen Quellen sind voll von Fake News", erzĂ€hlt Warming. "Viele hĂ€tten gerne selber die Lorbeeren fĂŒr den Untergang der 'Mars' geerntet und haben nach der Schlacht behauptet, sie hĂ€tten das Schiff versenkt." TatsĂ€chlich aber konnten die UnterwasserarchĂ€ologen dokumentieren, dass die "Mars" von einer Explosion an Bord entzwei gerissen wurde.

War das Schiff verflucht?

"An den Planken konnten wir Spuren eines heftigen Feuers sehen", beschreibt Warming die Indizien der Katastrophe. Die Druckwelle war so groß, dass sie den Bug des Schiffes abriss. Er liegt etwa 50 Meter vom Rest des Schiffes entfernt auf dem Grund. "Diese Explosion muss gewaltig gewesen sein. Die 'Mars' ist nicht nur ein einfaches Wrack, sie ist ein maritimes Schlachtfeld."

Von der Explosion hatten allerdings auch Augenzeugen schon berichtet. Die "Mars", munkelte man daraufhin, sei verflucht gewesen. Das schwedische Königshaus lag nĂ€mlich im Streit mit der katholischen Kirche, die den Monarchen die Macht im Lande streitig zu machen versuchte. Erik XIV. lies ĂŒberall in Schweden katholische GotteshĂ€user schließen – und konfiszierte die Glocken, um daraus Kanonen fĂŒr sein Flaggschiff gießen zu lassen. Dass die "Mars" ihr Ende durch das Pulver fĂŒr diese Kanonen fand, konnte nur Gottes Rache gewesen sein.


Geborgen wird der einstige Stolz der schwedischen Marine wohl nie. Das Schiff liegt in ĂŒber 70 Metern zu tief fĂŒr umfassende Bergungsarbeiten am Rumpf. Dort unten ist die See jedoch ruhig, kalt und sehr sauerstoffarm: beste Bedingungen fĂŒr eine perfekte Konservierung. An der OberflĂ€che wĂŒrde das Holz dagegen zerfallen, sobald es der Luft ausgesetzt ist. Statt dessen kartieren Tauchroboter nun das Wrack. Mit ihren Aufnahmen können Forscher ein detailgenaues 3D-Modell der "Mars" erstellen und sie bequem vom Schreibtisch aus studieren.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Marc von LĂŒpke-Schwarz
Von Marc von LĂŒpke
EuropaExplosionOstseeSchweden
Justiz & KriminalitÀt




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website